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Börseninterview
Tesla: «Wir bleiben skeptisch»

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Elon Musk: Der Tesla-Chef bekundet Schwierigkeiten bei der Produktion des Model 3.Quelle: Keystone Images

Julius-Bär-Analyst Heinz Rütimann hinterfragt Tesla-Chef Musks jüngste Erfolgsmeldung. Und warnt vor den Folgen eines Handelsstreits.

Von Marc Bürgi
am 05.07.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Heinz Rütimann*: Der eskalierende Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China verunsichert die Börsen. Donald Trump ist und bleibt mit seinen Aktionen für Anleger ein Buch mit sieben Siegeln. Trotz gutlaufender Konjunktur hat die Dynamik an den Börsen deutlich abgenommen. Seit langem sind erstmals Technologietitel vermehrt unter Druck geraten und Schwellenländeranleger hinterfragen ihre Investitionen.

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Für die grosskapitalisierten Werte im SMI erwarten wir kurzfristig eine Seitwärtsbewegung. Wir sehen mehr Potenzial in kleinkapitalisierten Werten im SMIM-Index. Das Gewinnwachstum ist höher bei gleichzeitig fairen Bewertungen. Hinzu kommt, dass diese Aktien zyklischer ausgerichtet sind und die Franken-Abhängigkeit geringer ist.

* Heinz Rüttimann ist Emerging Market Strategy Analyst bei der Bank Julius Bär.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Der SMI steht derzeit bei rund 8660 Punkten und unser 12-Monats-Preisziel liegt bei 8600 Punkten. Sprich, für die nächsten 12-Monate erwarten wir einen seitwärts tendierenden Markt mit Auf- und Ab Bewegungen aber ohne Potenzial. Für Anleger positiv hervor zu heben ist die Dividendenrendite von rund 3,4 Prozent.

Das erste Börsenhalbjahr liegt hinter uns. Welche Schweizer Aktien haben sich besser entwickelt als erwartet?
Die mittelgrosskapitalisierten Firmen im SMIM-Index wie zum Beispiel Logitech, Temenos und Sonova, haben sich hervorragend entwickelt. Im Gegensatz dazu haben die grosskapitalisierten Firmen im Leitindex SMI in den Sektoren Finanz, Pharma und Nahrungsmittel klar enttäuscht. Der Performance Unterschied im ersten Halbjahr zwischen diesen zwei Indizes liegt bei 10 Prozent.

Tesla hat seine Produktionsziele für das neue «Model 3» erreicht. Wie zuversichtlich sind Sie, dass der Elektroautohersteller seine ambitionierten Vorhaben umsetzen kann?
Tesla hat seine Produktionsziele nur mit grosser Mühe und unkonventionellen Mitteln erreicht, etwa mit einem kurzfristig errichteten Zelt für eine vierte Montagelinie und Mehrarbeit durch die Belegschaft. Es wird sich zeigen, ob 5'000 oder mehr Model-3-Autos pro Woche nachhaltig produziert werden können. Wir bleiben skeptisch.

Die USA wollen den Iran ab November vom internationalen Ölmarkt verbannen. Was bedeutet der Ausschluss des Iran für den Ölpreis?
Das mögliche Embargo Irans treibt die Ölpreise nach oben. Dieses würde die freien Produktionskapazitäten beinahe komplett absorbieren und die Versorgung mit Öl gefährden. Wenn die Käufer alternativ das Embargo ignorieren, zeichnet sich eine Eskalation der Handelsstreitigkeiten ab. Unberechenbare Politik bestimmt den Ölpreis. Ein Embargo würde entweder über hohe Treibstoffpreise oder über einen Handelskonflikt das Wachstum belasten.

Die Rendite langfristiger US-Zinspapiere liegt nur wenig über jener der kurzfristigen Zinstitel. Eine solche «flache» Zinskurve deutet üblicherweise auf eine Rezession hin. Nimmt der Wirtschaftsaufschwung in den USA ein Ende?
Bei einer unveränderten Dynamik der Zinsentwicklung wäre erst ab etwa Mitte 2019 mit einer Umkehrung der Zinsstruktur zu rechnen. Der Wirtschaftsaufschwung der USA würde dadurch sicherlich beeinträchtigt. In Bezug auf Aktien zeigt eine Analyse über die letzten Jahrzehnte, dass der S&P 500 im Durchschnitt in den 12 Monaten vor der Inversion um durchschnittlich 12 Prozent gestiegen ist. Vor diesem Hintergrund ist es nach unserer Einschätzung zu früh, um am Aktienmarkt Gewinne mitzunehmen.

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