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Tiefe Rohstoffpreise: China als grosser Gewinner

China: Profitiert von tiefen Ölpreisen. Keystone

Zahlreiche Länder leiden unter den tiefen Preisen von Rohöl, Kupfer und anderen Rohstoffen. China hingegen ist der vielleicht grösste Gewinner. Das gibt Peking viel Spielraum in der Geldpolitik.

Veröffentlicht am 25.01.2016

Der weltweite Einbruch der Rohstoffpreise hat schmerzhafte Folgen für viele Länder, von Brasilien bis Südafrika. Doch wer ist der grösste Nutzniesser? Möglicherweise China – das Land, das wegen seines langsameren Wirtschaftswachstums oft für den Preisrutsch verantwortlich gemacht wird.

Chinas jährliche Ersparnis aus dem Einbruch der Rohstoffpreise beläuft sich auf 460 Milliarden Dollar, hat Kenneth Courtis berechnet, früherer Vice Chairman Asien bei Goldman Sachs. Davon entfallen 320 Milliarden Dollar auf billigeres Öl und der Rest auf andere Energieträger, Metalle, Kohle und Agrarrohstoffe.

Vorteile überall

Die Vorteile kommen der Volkswirtschaft überall zu Gute: Sie drücken oder stabilisieren die Preise für alles, von privaten Heizkosten bis zu den Rohmaterialpreisen für Hersteller. Das stärkt auch die Bemühungen Chinas, sein Wachstumsmodell neu zu kalibrieren – weg von der Schwerindustrie und hin zu Konsum und Dienstleistungen.

«Es zeigt sich in einer niedrigen Verbraucherpreisinflation, zudem waren die Haushalte in der Lage, mehr Produkte zu kaufen», sagt Louis Kuijs, Leiter Volkswirtschaft Asien bei Oxford Economics in Hongkong und früherer Volkswirt bei der Weltbank in Peking. «Die Gewinnentwicklung im produzierenden Gewerbe wäre noch schlechter gewesen, wenn die niedrigen Rohstoffpreise nicht gewesen wären.»

Riesige Ersparnis

China hat im vergangenen Jahr 188 Milliarden Dollar an Importkosten bei einem Korb aus zehn Rohstoffen von Sojabohnen bis Erdgas eingespart, wie das Wirtschaftsministerium in diesem Monat mitteilte. «Das senkte die Kosten der inländischen Unternehmen deutlich und verbesserte die Effizienz», erklärte der Sprecher des Ministeriums.

Indem der Einbruch der Rohstoffpreise dazu beiträgt die Inflation zu dämpfen, hat er den Verantwortlichen in China auch mehr Spielraum für eine geldpolitische Lockerung zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums gegeben. 2015 hatte das Land das niedrigste Wirtschaftswachstum seit 25 Jahren verzeichnet. Niedrigere Importkosten haben zudem dazu geführt, dass der Handelsbilanzüberschuss im vergangenen Jahr auf 594,5 Milliarden Dollar anstieg, was half, die Kapitalabflüsse abzufedern, die den Yuan-Kurs drückten.

(bloomberg/ise/ama)

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