INFLATION. Der Erdölpreis eilt weiter von Rekord zu Rekord. In den ersten Novembertagen näherte er sich zügig der Schwelle von 100 Dollar pro Fass. Der seit einigen Jahren anhaltende Steigflug nimmt sich in der Tat beindruckend aus: Seit dem Anfang 1999 erreichten Tiefststand von gut 10 Dollar hat sich der Ölpreis annähernd verzehnfacht.

In bemerkenswertem Kontrast dazu verlief die allgemeine Inflationsentwicklung, die sich weltweit in ruhigen Bahnen bewegte. In der Schweiz lag die Konsumteuerung gemessen am Landesindex der Konsumentenpreise in den letzten Jahren bei durchschnittlich 1% pro Jahr, wobei weder starke Ausschläge nach oben noch Beschleunigungstendenzen auszumachen waren. Im Gegensatz zu den schmerzlichen Erfahrungen mit den Ölpreisschocks der 70er Jahre, als es in der Folge zu grossen Inflationsproblemen gekommen war, hat die Ölpreishausse der letzten Jahre kaum Spuren hinterlassen.

Starke Preissteigerungen ...

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass bei erdölnahen Produkten durchaus eine deutliche Verteuerung stattgefunden hat. So ist die Subkomponente Erdölprodukte (hauptsächlich Heizöl und Benzin) des Konsumentenpreisindex seit 1999 alles in allem um rund 100% gestiegen. Dies hatte auch sichtbare Auswirkungen auf die gesamte Konsumteuerung, welche aber jeweils nur von kurzer Dauer waren.

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... aber keine Inflationsspirale

Gröbere Inflationssorgen entstehen hingegen erst, wenn sich die gestiegenen Rohstoffpreise auf andere Kategorien ausbreiten. Genau dies hat jedoch nicht stattgefunden. In den letzten Jahren blieben die inflationären Auswirkungen der Erdölverteuerung auf ölnahe Produkte begrenzt und griffen nicht mehr wie früher auf die übrigen Güter- und Dienstleistungspreise sowie auf die Löhne über. Derartige «Zweitrundeneffekte», welche durch ein gegenseitiges Aufschaukeln von Preisen und Löhnen die Inflation anheizen und darum von den Zentralbanken gefürchtet werden, waren daher nicht zu beobachten. Eine wichtige Rolle hat hierfür der im Zuge von Globalisierung und Liberalisierung auf vielen Märkten gestiegene Wettbewerbsdruck gespielt, welcher die Überwälzung höherer Rohstoffkosten auf die Absatzpreise erschwert. Des Weiteren trägt die preisstabilitätsorientierte Geldpolitik der letzten Jahrzehnte Früchte, weil so die Inflationserwartungen von Unternehmen und Konsumenten anhaltend niedrig geblieben sind. All dies hat dazu beigetragen, dass die Inflationsgefahren steigender Erdöl- oder sonstiger Rohwarenpreise mittlerweile sehr viel gelassener beurteilt werden. Völlige Entwarnung kann gleichwohl noch nicht gegeben werden. Falls der kräftige Wirtschaftsaufschwung ungebremst anhält, könnten vermehrt Kapazitätsengpässe auftreten und grössere Preisüberwälzungsspielräume zu einer Ausweitung der Margen genutzt werden. Da sich indes für 2008 weltweit und in der Schweiz eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums anzubahnen scheint, stehen die Chancen auf eine weiterhin gezähmte Inflation gut.