Der Sommer 2010 wird bei der Schweizer Bevölkerung wohl keinen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen zu verregnet waren Juli und August. Für die an der Schweizer Börse SIX kotierten Bergbahngesellschaften, die eigentlich stark von den klimatischen Bedingungen abhängig sind, fällt das Fazit dennoch positiv aus. «Wir sind mit dem Geschäftsgang im Sommer sehr zufrieden», erklärt Albert Wyler, Geschäftsführer der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis. Gegenüber dem Vorjahr sei gar ein zweistelliges Plus erzielt worden.

Ähnlich sieht die Situation bei der Jungfraubahn-Gruppe aus, die im Juli und August eine Frequenzsteigerung um 7% gegenüber dem Vorjahr verzeichnen konnte. «Auch der September ist erfreulich ausgefallen. Insgesamt blicken wir auf ein sehr gutes Sommergeschäft zurück», erklärt Jungfraubahn-Sprecher Simon Bickel.

Für die positive Entwicklung bei den beiden Bergbahnbetrieben ist das Asiengeschäft massgeblich mitverantwortlich. «Nachdem wir 2009 aufgrund der Finanzkrise und der allgemeinen konjunkturellen Unsicherheiten einen Einbruch bei den asiatischen Gästen hinnehmen mussten, konnten wir dieses Jahr wieder deutlich mehr asiatische Reisegruppen begrüssen», begründet Bickel.

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Starker Franken belastet

Die deutlich stärkere Nachfrage aus dem asiatischen Raum ist auch auf den tiefen Euro-Kurs zurückzuführen, der das Geschäft mit den Touristen aus den Nachbarstaaten ansonsten belastet. «Üblicherweise gehört bei asiatischen Reisegruppen ein Abstecher in die Schweiz zu einer längeren Tour durch ganz Europa», erklärt Wyler. Diese sei durch den schwachen Euro alles in allem deutlich günstiger geworden. «Da fällt der starke Franken nicht ins Gewicht», so der Chef der Engelberg-Bahnen.

Was den Bergbahnbetrieben im Sommer in die Hände spielt, dürfte das Business im Winterhalbjahr dagegen belasten. «Angesichts unserer zahlreichen Gäste aus Deutschland, den Niederlanden oder auch aus Grossbritannien bereitet uns der starke Franken schon etwas Kummer», gesteht Bickel von den Jungfraubahnen ein. Etwas zuversichtlicher fällt der Ausblick bei Wyler aus: «Wir zählen im Winter viele Tagestouristen aus der Schweiz. Schwieriger dürfte es für den Ferientourismus werden, doch verzeichnen wir derzeit Buchungen auf Vorjahresniveau.»

Delikt belastet Ergebnis

Der zuversichtliche Ausblick bei der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG wird durch die Veruntreuung von Geldern in der Höhe von 10,3 Mio Fr. durch den ehemaligen Buchhalter getrübt, was Ende Juni bekannt geworden ist. Diese werden das Ergebnis der Zentralschweizer Bergbahngesellschaft stark beeinträchtigen - noch ist allerdings nicht bekannt, in welcher Höhe der Verlust durch die Verfehlung ausfallen wird. «Der Fall liegt weiterhin bei den Untersuchungsbehörden. Es ist noch nicht bekannt, wie viele Gelder der Deliktsumme wieder zurückgeführt werden können», so Wyler. Angesichts eines Jahresergebnisses von 5,7 Mio Fr. im Jahr 2008/09 ist ein massiver Rückschlag zu erwarten, der gar die Dividendenausschüttung tangieren könnte.

Attraktiver erscheinen da auf der anderen Seite die Titel der Jungfraubahn. Laut Serge Rotzer, Analyst bei der Bank Vontobel, ist das 1.-Halbjahres-Ergebnis als erfreulich zu werten und auch der Ausblick des Unternehmens sei vielversprechend. Aufgrund der Währungsrisiken und der hohen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr belässt er die Einstufung dennoch auf «Halten».