Einkaufsmanager stehen am Anfang des Produktionsprozesses. Entsprechend spüren sie Nachfrageschwankungen direkt und bevor diese in den Produktions- oder Umsatzzahlen sichtbar werden. Der SVME Purchasing Managers Index (PMI) nutzt diesen Vorlauf zur Prognose der Konjunktur. Er basiert auf einer standardisierten Befragung von Einkaufsmanagern bezüglich der Geschäftsentwicklung. Die Befragten geben an, ob sich einzelne Sparten (Produktion, Auftragsbestand, Lieferfristen, Einkaufslager, Beschäftigung sowie zusätzlich Preise) positiv oder negativ entwickelt haben oder ob sie unverändert geblieben sind. Aus diesen Angaben wird in wenigen Rechnungsschritten der PMI-Index erstellt. Der Index liegt zwischen 0 und 100 Zählern, wobei ein Wert über 50 Punkte ein Wachstum signalisiert.

PMI als Vorlaufindikator etabliert

Der PMI ist ein Gemeinschafts- werk des Schweizerischen Verbandes für Materialwirtschaft und Einkauf (SVME) und der Credit Suisse. Während der SVME mit der Erhebung der Umfrage betraut ist, obliegt dem Economic Research der Credit Suisse deren Auswertung und Publikation. Seit Beginn der Erhebung 1995 hat sich der PMI als unmittelbarer und repräsentativer Vorlaufindikator für die Schweizer Wirtschaft etabliert. Der Prognosevorlauf des PMI beträgt mindestens ein Quartal. Im Gegensatz zu anderen Konjunkturindikatoren, die sich mit den Erwartungen, Ängsten oder Hoffnungen der Leute beschäftigen und als komplexe, mathematische Konstrukte schwer zu verstehen sind, beschränkt sich das Erhebungsverfahren des PMI auf tatsächliche wirtschaftliche Aktivitäten und eine einfache, nachvollziehbare Erstellung.

Der PMI hat im November 11,8 Indexpunkte eingebüsst und liegt aktuell bei 35,2 Zählern. Dies ist der stärkste Rückgang und der tiefste Indexstand seit Beginn der Messreihe 1995. Lag der PMI bis August noch in der Wachstumszone und unterschritt er den Schwellenwert von 50 Zählern im September und Oktober nur marginal, liegt er nun klar unterhalb der Wachstumszone. Im Dreimonatsmittel werden ebenfalls deutliche Bremsspuren in der Industriekonjunktur sichtbar, liegt doch der dermassen geglättete PMI bei 43,4 Punkten. Im bisherigen Jahresmittel befindet sich der Index mit 52,8 Zählern immer noch oberhalb der 50-Punkte-Schwelle, jedoch 15% unter dem Wert des Vorjahres (61,9 Punkte). Offensichtlich werden angesichts der im November eskalierten Finanzkrise alle nicht unbedingt notwendigen Investitionen aufgeschoben oder sogar annulliert.

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Unter 50-Punkte-Schwelle

Sämtliche fünf Indexsubkomponenten gaben den Ausschlag für den Indexrückgang und befinden sich derzeit unter der 50-Punkte-Schwelle. Positiv ist, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften dennoch einigermassen robust bleibt. Die Beschäftigungskomponente hat sich nur wenig abgeschwächt (3,3 Punkte) und liegt immer noch relativ knapp unterhalb der Wachstumszone (46,0 Punkte). Ausserdem hat sich der Preisdruck entspannt: Die Teilkomponente Einkaufspreise sank erneut deutlich um 9,5 Punkte und liegt bei 34,8 Zählern. Demgegenüber rutschten die Produktions- (27,7 Punkte) und die Lieferfristenkomponente (35,8 Punkte) sowie der Auftragsbestand (29,9 Punkte) auf historische Tiefststände. Und die Lagereinkaufskomponente sank auf den tiefsten Stand seit März 2007 (47,7 Punkte). Die Schweizer Wirtschaft befindet sich derzeit an einem Scheideweg und die Prognoserisiken sind entsprechend hoch. Der PMI ist dabei aber ein unverzichtbares Instrument, um den Puls der Wirtschaft zu fühlen.