Obwohl auch die Schweizer Wirtschaft Mitte letzten Jahres in eine Rezession eingetreten ist, ist der Rückgang der am realen Bruttoinlandprodukt (BIP) gemessenen Wirtschaftsleistung im Vergleich zu vielen anderen Ländern bisher weniger stark ausgefallen. So ist das reale BIP im 1. Quartal zwar um 2,4% gegenüber dem Vorjahr geschrumpft, doch ist es in Deutschland mit -6,7% deutlich stärker eingebrochen - dies bei ähnlich starker Exportorientierung der beiden Volkswirtschaften.

Kaum Übertreibungen

Insgesamt scheint die Schweizer Wirtschaft relativ gut gewappnet. Vergleicht man etwa die Verfassung der Schweizer Wirtschaft mit jener anderer Länder, etwa der USA oder Grossbritanniens, so fällt auf, dass es in den letzten Jahren nur wenige Übertreibungen gegeben hat, die jetzt korrigiert werden müssten. Namentlich der Schweizer Immobilienmarkt zeigt bis auf wenige regionale Ausnahmen kaum Überhitzungserscheinungen.

Zudem ist die Sparquote der privaten Haushalte konstant hoch geblieben, und entsprechend ist keine Überschuldung festzustellen. Unterstützend dürfte dabei wirken, dass in der Schweiz bisher kaum Anzeichen einer Kreditklemme auszumachen sind. Dies im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, wo zum Teil erheblich auf die Kreditbremse getreten wurde.

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Mit einem Exportanteil von etwa 55% am Bruttoinlandprodukt ist die Schweizer Wirtschaft in hohem Masse vom internationalen Konjunkturverlauf abhängig. Insbesondere der europäische Wirtschaftsraum nimmt dabei eine herausragende Stellung ein, gehen doch in diese Region etwa 60% aller schweizerischen Ausfuhren, welche dieses Jahr um 4% schrumpften und kommendes Jahr stagnieren dürften. Sinkende Auftragseingänge bedeuten rückläufige Kapazitätsauslastungen und weniger Arbeitsbedarf in der Zukunft. Dies wird sich auch bei den Ausrüstungsinvestitionen und auf dem Arbeitsmarkt niederschlagen. Vor diesem Hintergrund dürfte die Arbeitslosenquote im Laufe des kommenden Jahres auf deutlich über 5% steigen. Dies wird einerseits die verfügbaren Einkommen der Haushalte schmälern und andererseits über die sinkende Arbeitsplatzsicherheit die Konsumbereitschaft dämpfen, sodass der Privatkonsum 2010 real deutlich zurückgehen wird. Dies wäre seit 1950 erst zum vierten Mal der Fall, was die Tiefe der Rezession unterstreicht.

Teuerung im negativen Bereich

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat frühzeitig damit begonnen, sich gegen den Konjunktureinbruch zu stemmen. Neben dem Kauf von Schweizer-Franken-Obligationen privater Schuldner hat sie am Devisenmarkt interveniert, um eine weitere Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro zu verhindern.

Alle Massnahmen zusammengenommen sollten konjunkturstützend wirken; sie brauchen aber Zeit, bis sie vollumfänglich greifen. Die derzeit extrem lockere Geldpolitik birgt die Gefahr eines starken Inflationsanstiegs, sobald die Wirtschaft den Weg aus der Rezession gefunden hat. Derzeit kann davon allerdings kaum die Rede sein. Vielmehr dürfte die Teuerung in diesem Jahr auf Grund eines Basiseffekts bei den Energiepreisen negativ ausfallen.