1. Die Notenbankenpumpen billiges Geld in die Märkte. Wie gross ist die Gefahr, dass dies die Teuerung anheizt?

    Christian Gattiker, Stratege bei Julius Bär
    In den nächsten zwei bis drei Jahren dürfte die Teuerung tief bleiben, anschliessend deutlich ansteigen. Dabei reden wir von den effektiven Konsumentenpreisstatistiken in den reifen Volkswirtschaften, nicht von den Erwartungen der Anleger. An den ­Kapitalmärkten dürfte der Anstieg der Inflationsraten viel früher eine Rolle spielen, möglicherweise schon 2013.

    Daniel Kalt, Chefökonom bei UBS Schweiz
    Wir erwarten in den nächsten zwei Jahren Inflationsraten, die weiterhin tief und im Bereich der Inflationsziele der Notenbanken liegen. Allerdings besteht aufgrund der enormen Geldmengenausweitung sowie der stark steigenden Staatsverschuldung ein erhebliches Risiko, dass die Teuerung mittel- bis längerfristig deutlich ansteigt.

    Alan Zlatar, Anlageleiter bei Vontobel
    Aufgrund der tiefen Kapazitätsauslastung der Unternehmen ist in den Industrieländern kurz- bis mittelfristig mit keiner überdurchschnittlichen Inflation zu rechnen. Längerfristig wird durch die derzeitige expansive Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken die Inflation ein gewichtiges Thema in anlagestrategischen Überlegungen werden.

    Alfred Roelli, Finanzanalyst bei Pictet
    Die Kerninflation ist in den entwickelten Industrieländern seit zwei Jahrzehnten rückläufig. Im langfristigen Ausblick auf die Märkte stellt in einer Übergangsphase von etwa ein bis zwei Jahren die Deflation zwar eine gewisse Gefahr dar, längerfristig führt aber kein Weg an einer Re-Inflationierung vorbei.
     
  2. Aktienanleger haben ein verlorenes Jahrzehnthinter sich. Was darf von den Papieren in den nächsten zehn Jahren erwartet werden?

    Christian Gattiker, Stratege bei Julius Bär
    Anleger sollten Aktien zuerst unter-, dann übergewichten. Ak­tien sind nach zwölf Jahren Baisse ­sicher nicht mehr überteuert. Eine moderate Rückkehr von Wachstum und etwas Preisdruck würde sich hier in einer Neubewertung und attraktiven Renditen niederschlagen. Die Gefahr besteht, dass der Deflationsdruck der letzten Jahre vorerst noch anhält.

    Daniel Kalt, Chefökonom bei UBS Schweiz
    Wir empfehlen ein Übergewicht in Aktien. Die Unternehmen sind weltweit finanziell gesund und die Bewertungen an den Börsen auch massvoll. Wir erwarten von globalen Aktien längerfristig Renditen im oberen einstelligen Bereich. Das grösste Risiko für Aktien wäre ein Stagflationsszenario, wie wir es in den 1970er-Jahren erlebten.

    Alan Zlatar, Anlageleiter bei Vontobel
    Kurzfristig glänzen Aktien gegenüber Staatsanleihen mit einer attraktiven Bewertung. Eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums wäre im Niedrigzinsumfeld der Katalysator für positive Kursentwicklungen. Solange die Investitionen von Firmen zurückbleiben, wird jedoch fiskalische und monetäre Unterstützung für die Konjunktur nötig sein.

    Alfred Roelli, Finanzanalyst bei Pictet
    Für das kommende Jahr empfehlen wir in einem ausgewogenen Portefeuille einen Aktienanteil von rund 35 Prozent, wobei wir auf globale Qualitätswerte setzen. Für ­europäische Aktien sehen wir mehr Potenzial als für amerikanische, ­wobei wir ein Potenzial von rund 10 Prozent sehen.
     
  3. Staatsanleihen werden derzeit teils zu negativen Renditen gehandelt, Hochverzinsliche erleben einen Boom. Wie geht es für Investoren weiter?

    Christian Gattiker, Stratege bei Julius Bär
    Anleihen müsste man über-, ­anschliessend untergewichten. Anleihen sind in vielerlei Hinsicht das Spiegelbild der Aktien. Sie sind teuer, aber können es ohne Weiteres noch ein paar Jahre bleiben, sofern sich nicht deutlich Inflation im System bemerkbar macht. Die Chancen liegen vor allem darin, dass die Deflationstendenzen im System anhalten.

    Daniel Kalt, Chefökonom bei UBS Schweiz
    Wir raten zu einem Unter­gewicht in Staatsanleihen und einer Übergewichtung von Unternehmensanleihen. Viele Staaten, insbesondere unter den entwickelten Ländern, weisen zu hohe Haushaltsdefi­zite und hohe Verschuldungsquoten auf. Die Unternehmensbilanzen sind dagegen gesund und bieten eine ansprechende Kreditrisikoprämie.

    Alan Zlatar, Anlageleiter bei Vontobel
    Die Risikoaversion drückt die Zinsen von deutschen und Schweizer Staatsanleihen gegen null. Eine Veränderung dieser Marktsituation hätte steigende Zinsen zur Folge, was für eine Untergewichtung der Anlageklasse Staatsanleihen sprechen würde. Opportunitäten und Chancen findet man in Schwellenländer- und Hochzinsanleihen.

    Alfred Roelli, Finanzanalyst bei Pictet
    Mit Realrenditen im negativen Bereich und einer erneut überraschend guten Performance im Jahr 2012 ist höchste Vorsicht geboten. Wir halbierten Mitte November die Quote von Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Der Anteil an Anleihen in einem ausgewogenen Portefeuille liegt bei 25 Prozent.
     
  4. Anleger flüchteten in hohe Barbestände.Wie sinnvoll ist dies auf lange Frist?

    Christian Gattiker, Stratege bei Julius Bär
    Bares ist kein geeignetes Wertaufbewahrungsmittel. Cash sollte berücksichtigt werden, wenn die Anleger flexibel bleiben wollen. Ansonsten sieht der Realwertverlust von 1 bis 3 Prozent pro Jahr nicht so dramatisch aus, wenn man die Konsumentenpreise anschaut. Im Vergleich zu Grössen wie Gold wiegt der Abwertungsverlust schwerer.

    Daniel Kalt, Chefökonom bei UBS Schweiz
    Längerfristig ist eine tiefe Cash-Position anzustreben. In einem Umfeld mit leicht negativer Teuerung – wie wir das in der Schweiz zurzeit vorfinden – ist ein eher hoher Cash-Anteil im Portefeuille vertretbar. Angesichts des mittelfristig möglichen stärkeren Anstiegs der Inflation würden hohe Cash-Bestände zu einer negativen realen Rendite führen.

    Alan Zlatar, Anlageleiter bei Vontobel
    In der kurzen Frist erachten wir einen höheren Cash-Bestand für sinnvoll, um allfällige Anlagegelegenheiten rasch zu packen. Mittelfristig werden sich die Opportunitätskosten erhöhen und die Cash-Positionen zu reduzieren sein.

    Alfred Roelli, Finanzanalyst bei Pictet
    Liquidität bietet weiterhin eine Absicherung gegen Rückschläge und steht je nach Risikolage zur freien Verfügung. Wir raten Anlegern, in der Heimatwährung anzulegen, um Währungsrisiken zu vermeiden.
Anzeige