Seit dem Höchst des Ölpreises im Juli 2008 bei 146 Dollar für einen Barrel der Sorte Brent gab der Preis des «Schwarzen Goldes» zeitweise um über 70% nach. Seitdem setzen viele Anleger auf eine Erholung des Ölpreises. Bei Investments in Erdöl müssen Anleger jedoch einiges berücksichtigen, um die richtige Investitionsentscheidung zu treffen.

Futures-Kontrakte auf Erdöl

Die Lagerung von Rohstoffen ist im Regelfall teuer und kaum ein Anleger verfügt über geeignete Lagermöglichkeiten, um zum Beispiel Erdöl physisch zu kaufen und auf einen Preisanstieg zu setzen. Rohstoffinvestments erfolgen daher üblicherweise nicht über den Kauf des Rohstoffes selbst, sondern fast immer über den Kauf von Futures. Damit hängt die Performance des Rohstoffinvestments nicht nur von den Spot-Preisen des Rohstoffs ab, sondern auch von der Entwicklung und Höhe der Futures-Preise.

Doch Futures haben einige Nachteile. Erstens brauchen Anleger einen Zugang zur Terminbörse, zweitens sind Investments für private Anleger aufgrund der Kontraktgrösse selten praktikabel und drittens haben Futures eine begrenzte Laufzeit. Anleger, die kontinuierlich investiert sein wollen, müssen ihre Positionen daher regelmässig «rollen».

Anzeige

Mit Zertifikaten auf Erdöl setzen

Investments finden daher in der Regel über Zertifikate statt, welche diese Hürden für den Anleger umgehen. Zertifikaten auf Erdöl liegen entweder der Brent Crude Oil Future oder der WTI Crude Oil Future zugrunde. Zertifikate haben den Vorteil, dass Investments bereits ab Beträgen von unter 100 Dollar möglich sind. Die Zertifikate sind in der Regel als Wertschriften an der SIX Swiss Exchange kotiert und können börsentäglich gehandelt werden. Darüber hinaus ermöglichen es Tracker-Zertifikate, auch ohne Laufzeitbegrenzung in Erdöl zu investieren. Um dabei den Endlos-Charakter eines Tracker-Zertifikats erhalten zu können, werden die zugrunde liegenden Futures-Kontrakte vor Erreichen der Fälligkeit vom Emittenten in den nächsten liquiden Terminkontrakt «gerollt». In der Regel notieren jedoch der «alte» und der «neue» Kontrakt zum Zeitpunkt des Roll Over nicht zum gleichen Preis.

Contango und Backwardation

Ist der neue Kontrakt billiger als der vorhergehende, muss man als Investor weniger Geld für den neuen Kontrakt ausgeben, als man gerade durch den Verkauf realisiert hat: Damit ist die Roll-Rendite positiv und der Investor erzielt einen sogenannten Roll-Gewinn (Backwardation-Situation). Umgekehrt, wenn der länger laufende Kontrakt teurer als der vorhergehende ist, entsteht eine negative Roll-Rendite (Contango-Situation). Bei gleichbleibender Fristenstruktur kann ein Investor - ohne dass der Spot-Preis des Rohstoffs selbst steigt - in einer Backwardation-Situation alleine durch seine Roll-Erträge eine positive Rendite erzielen, in einer Contango-Situation dagegen wird er systematische Verluste erleiden.

Wichtig für Öl-Anleger

Bei Zertifikateemittenten geschieht im Hintergrund grundsätzlich nichts anderes als bei einem Investor, welcher direkt in Futures investiert. Ein langfristiges Öl-Investment bedeutet in jedem Fall, dass Öl-Futures gerollt werden müssen. Dadurch resultieren entweder Roll-Gewinne oder Roll-Verluste, welche in den Zertifikaten entsprechend berücksichtigt werden. Die Fristenstrukturkurve von Brent wie auch von WTI befindet sich derzeit in einer ausgeprägten Contango-Situation. Ist ein Investor langfristig in einer Contango-Situation in Öl investiert, kann dies einen negativen Einfluss auf sein Anlageergebnis haben.

Um erfolgreich an den Rohstoffmärkten zu agieren, gilt es also, die negativen Einflüsse aus einer Contango-Situation und die positiven Einflüsse einer Backwardation-Situation zu kennen und entsprechend in die Anlageentscheidung mit einzubeziehen. Vor einem Engagement in einen Rohstoff sollte daher auch die Fristenstrukturkurve geprüft werden.