Private Equity für Privatanleger ist tot» - Alfred Gantner, Executive Chairman der auf alternative Anlagen spezialisierten Vermögensverwalterin Partners Group, nimmt beim Ausblick kein Blatt vor den Mund.

Und wer den Zustand der an der Börse kotierten Private-Equity-Gesellschaften betrachtet, ist versucht, Gantner Recht zu geben. Im vergangenen Jahr verloren die 50 grössten jener Titel im Durchschnitt 67% an Wert (siehe Grafik). Das ist die schlechteste Performance aller etablierten Anlageklassen überhaupt im Jahr 2008. Und die schlechten Nachrichten reissen nicht ab.

Drohender Substanzverlust

So hat in den USA Fortress Investment Group jüngst einen Geschäftsverlust von 258 Mrd Dollar bekannt gegeben, nachdem sie wie Blackstone und KKR Abschreiber auf Private-Equity-Investments hatte vornehmen müssen. Bei solchen Kerben wird es schwierig, Investoren zu finden: Experten gehen davon aus, dass die Hälfte aller Private-Equity-Firmen im Bereich Firmenübernahmen (Buyout) mangels Einkünfte untergehen wird.

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Mit ähnlichen Problemen kämpfen auch die an der SIX gelisteten Private-Equity-Gesellschaften, darunter Namen wie AIG Private Equity oder ShaPE Capital. Die Firmen, die meist als Dachfonds in privat gehaltene Aktien investieren, notieren mittlerweile drastisch unter dem inneren Wert ihrer Anlagen; für Altaktionäre ein schwerer Substanzverlust, wenn sie die Aktien abstossen wollen. Substanzverlust droht nun aber auch einzelnen dieser Firmen - dann nämlich, wenn die Banken ihre Kredite zurückfordern: Mangels Neugelder sind sie schlimmstenfalls gezwungen, eigene Assets abzustossen, um die Schulden zu begleichen.

Genau dort liegt aber auch eine der grossen Chancen für die Private-Equity-Branche. Denn jene Spieler am Markt, die es sich leisten können, können nun günstig Anlagen zusammenkaufen sei es von Konkurrenten, sei es von in Schwierigkeiten geratenen Firmen. Dieser «distressed debt» jagen nicht nur Spezialisten wie Partners Group hinterher, sondern auch die grossen Bankhäuser: So will Goldman Sachs das gesamte noch nicht gebundene Geld ihres Private-Equity-Vehikels im distressed-Bereich platzieren. Das dürfte den Investoren von Goldman Sachs recht sein: Institutionelle Anleger suchen nach Diversifikation im Private-Equity-Portefeuille, nachdem sie sich mit den geplatzten Mega-Buyout-Deals 2006 und 2007 die Finger verbrannt haben.

Höhere Eintrittshürden

Damit rücken privat gehaltene Immobilien, Infrastruktur und kleinere Firmen plötzlich in den Vordergrund. Auch bei den ganz grossen Investoren. «Auch Staatsfonds realisieren, dass ihre Investments in Private Equity bisher zu konzentriert waren - das ändert sich jetzt, die Fonds überlegen sich, breiter anzulegen», sagt Partners-Group-CEO Steffen Meister im Gespräch. «Wir sprechen nun mit Investoren in Asien, dem Mittleren Osten, aber auch mit Pensionskassen in den USA.»Für Privatanleger dagegen wird es schwieriger, bei diesen neuen Trends mitzutun. Eine Möglichkeit besteht in der Investition in Aktien von Vermögensverwaltern, die Private Equity mit anderen Einkommenssparten diversifizieren (siehe Kasten). Eine weiterer Zugang bietet sich über ein Private-Banking-Mandat bei einer Schweizer Bank. Die Eintrittschwelle liegt jedoch meist bei 50 000 bis 100 000 Fr.

 

 


Illustre Namen verlieren Glanz das Geschäft machen Vermögensverwalter

Sie gehören im Branchenvergleich zu den Grössten: Die (einst) illustren kotierten Private-Equity-Firmen wie Blackstone, 3i oder Candover. Seit Jahresbeginn haben aber viele von ihnen nochmals massiv an Börsenwert eingebüsst. So liegt Branchenführer Blackstone 4% im Minus, noch weit schlimmer erwischt hat es Intermediate Capital, Candover und European Capital, die zwischen 68 und 90% verloren haben. Candover beispielsweise hat vergangene Woche grössere Wertberichtigungen bei 6 der 22 verwalteten Fonds, Entlassungen sowie den Ausstieg bei der Sanierung des italienischen Yachtbauers Ferretti, bei der Candover die Aktienmehrheit hält, angekündigt, und auch in der Schweiz bekannte Firmen wie Permira oder TPG Capital passen ihre Fondsgrössen an.

Klassenbester ist hingegen die in London gelistete Electra Private, die 2009 um 25% zulegte. Der zweitbeste Vertreter, Babcock & Brown, kommt hingegen nur auf 9% Zuwachs. Ebenfalls besser da stehen Vermögensverwalter, die das Private-Equity-Geschäft nur als Sparte betreiben. So verlor die Aktie der Bank-of-America-Tochter BlackRock seit Januar lediglich 7%. «BlackRock ist der einzige Wert, den wir wirklich empfehlen können», sagt Citigroup-Analyst Keith Walsh, «diese Firma ist ein Magnet für Anlagegelder, hat unter institutionellen Anleger, die 70% des Kapitals stellen, den Ruf als Klassenbester und profitiert auch von jüngst vergebenen Mandaten der Regierung für die Abwicklung fauler Portefeuilles.» Die von BlackRock in den USA verwaltete Geldsumme war vor einem Jahr rund sechsmal grösser als die der UBS-Asset-Management-Sparte und anderthalb mal so gross wie die von Goldman Sachs.

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Ebenfalls gehalten hat sich der Baarer Vermögensverwalter Partners Group, der für das Bilanzjahr 2008 noch einen um 4% höheren Betriebsgewinn (bei 30% tieferem Reingewinn) vorweisen konnte und eine Dividende von 4.25 Fr. je Aktie auszahlt das entspricht einer Rendite von über 7%. Für dieses Jahr hat das Management zusätzlich ein grösseres Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Betont vorsichtig gibt sich Partners Group beim Ausblick: Es wurde nur noch das Mittelfristziel von 50 Mrd Fr. an verwalteten Vermögen genannt, auf Asset-Ziele für 2009 wurde verzichtet. (mn/sg)