Martin Richenhagen, der es vom Religionslehrer und Reitstallbesitzer an die Spitze des drittgrössten Traktorherstellers weltweit gebracht hat, lässt sich seinen Optimismus nicht nehmen: «Die Krise hat nur gebremst, es geht weiter bergauf. Nichts hat die Treiber in unserer Industrie verändert», sagt der Chef des US-Konzerns Agco, zu dem so bekannte Marken wie Fendt, Massey Ferguson oder Valtra gehören.

Das Jahr 2008 war für die börsennotierten Produzenten von Agrartechnik ein absolutes Rekordjahr, was Umsatz und Gewinn betraf. Ihre Kurse jedoch wurden schon im Herbst von der allgemeinen Flucht aus Aktien mit nach unten gerissen.

Überproduktionen gekappt

Schon vorher hatte das Ende des Preisbooms bei Agrarrohstoffen die Höhenflüge der Aktienkurse von John Deere & Co. gebremst. Und nach den Ergebnissen des 1. Quartals 2009 schraubten die Landmaschinenhersteller ihre Prognosen für das Gesamtjahr 2009 deutlich nach unten. Denn noch hat die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise auch die Agrarproduktion und ihre Märkte fest im Würgegriff. Trotz ständig steigender Weltbevölkerung ist die Nachfrage in einigen Agrarrohstoffklassen zurückgegangen.

Allerdings führen Experten den Rückgang nur zu einem kleinen Teil auf Spartendenzen der Verbraucher zurück. Vielmehr nutzten die Lebensmittelkonzerne ihre Lagerbestände und kappten potenzielle Überproduktionen. Unabhängig von solchen externen Faktoren herrscht bei den Agrarproduzenten rund um den Globus dennoch grosse Unsicherheit, was die künftigen Preise für ihre Produkte betrifft. Entsprechend zurückhaltend sind sie bei ihren Bestellungen von neuem Gerät.

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So verzeichneten die «Big Six» der Branche - Deere & Co., CNH Global, Agco, Claas, Same Deutz-Fahr und Argo - im 1. Quartal heftige Umsatz- und Gewinneinbrüche. Branchenprimus John Deere musste seine noch im Dezember optimistischen Erwartungen fürs Gesamtjahr genauso revidieren wie Agco.

Doch der Pessimismus mancher Analysten ist - zumindest für Anleger, die nicht nur auf kurzfristige Aktienkursschwankungen spekulieren und ihre Investments länger als nur ein paar Monate halten wollen - übertrieben. Zudem: Die Kurse der börsennotierten Landmaschinenhersteller haben in den vergangenen Wochen ihre Tiefs längst verlassen und ziehen wieder an.

Auf den langfristig positiven Trend baut Gertjan van der Geer, der für die Privatbank Pictet gerade einen neuen Agrikulturfonds betreut. Sein Fonds PF-Agriculture sucht börsennotierte Unternehmen, von denen erwartet wird, dass sie bei der Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung, die laut Weltbankschätzungen bis 2050 voraussichtlich um knapp 40% wachsen wird, eine entscheidende Rolle spielen werden.

Ineffizienz bei Agrarproduktion

Das Potenzial für weiter steigende Gewinne sieht der Fondsmanager gegeben: «Fast 70% der landwirtschaftlichen Produktion gehen zwischen Bauernhof und Verzehr verloren», so van der Geer. Um diese grosse Herausforderung zu meistern, werde die Landwirtschaft in neue Technologien, Verfahren und Produktionsmittel investieren müssen.

Dabei sucht van der Geer Unternehmen mit einem hohen Engagement bei reiner Landwirtschaft wie eben Landmaschinenhersteller. Rund 10% des Fondsportefeuilles werden sie ausmachen. Um Lebensmittelpreisspekulationen mit ihren starken Schwankungen fernzubleiben, wird der Fonds nicht in Agrarrohstoffe investieren.

Auf Sicht dieses Jahres werden sich die Einnahmen der Landwirte weltweit noch nicht von der allgemeinen Wirtschaftskrise erholen, denn die bereits wieder steigenden Rohstoffpreise schwanken immer noch sehr stark. Und in der Kasse der Bauern wird sich erst nach der Ernte zeigen, ob sie wieder grössere Investitionen wagen können. Die Traktor- und Landmaschinenhersteller sind indes nicht untätig. Im Gegenteil: Sie forcieren ihre Aufwendungen für Forschung und Innovation, etwa beim Radladerhersteller Weidemann. Für Anleger sind die Traktoraktien durch die aktuelle Unterbewertung also sehr attraktiv.