Solange das Geschäft mit Derivaten für Anleger wie Emittenten gut lief, insbesondere in den Boomjahren 2006 und 2007, bestand wenig Bedarf nach detaillierten Informationen. Das änderte sich jedoch schnell innerhalb der letzten 18 Monate. Seitdem gilt: Transparenz schafft Vertrauen und ist für viele Anleger zur Grundvoraussetzung geworden, um ein Geschäft abzuschliessen.

Das Anlegerbedürfnis nach Informationen erstreckt sich mittlerweile über den Garantiegeber, die Details der Preisberechnung, Einflussfaktoren auf den Sekundärmarktpreis und regelmässige Risikokennzahlen des Produktes. Der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte (SVSP) und einige Emittenten haben schon erheblich Aufklärungsarbeit geleistet.

Fortschritte bei Verständlichkeit

Der SVSP erleichtert Anlegern den Durchblick angesichts der vielen unterschiedlichen Produktstrukturen: Er teilt die am häufigsten gehandelten in die vier Risikokategorien (Kapitalschutz, Renditeoptimierung, Partizipation und Hebel) ein und unterteilt diese wiederum in Subgruppen mit klar definierten Eigenschaften. Dies macht es einfacher, Produkte und Preise unterschiedlicher Anbieter miteinander zu vergleichen. Seit Ende Juli dieses Jahres stellt der SVSP auch bereits vor dem ersten Börsenhandelstag das Value at Risk (VaR) und das SVSP Risk Rating eines gelisteten Produktes zur Verfügung.

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Ebenso wie Transparenz im Hinblick auf die Vielfalt und Komplexität der Produkttypen wichtig ist, spielt sie auf Produktebene eine entscheidende Rolle. Jeder Anleger, der ein strukturiertes Produkt mit attraktiver Renditechance kauft, weiss, dass er damit Risiken eingeht. Diese Risiken verständlich zu machen und Möglichkeiten bereitzustellen, diese zu überwachen, ist Aufgabe des Emittenten. In diesem Punkt wurden bereits beträchtliche Fortschritte gemacht.

Transparenz beginnt mit der Aufklärung über Chancen und Risiken in Marketingmaterial und Fact Sheets. Darauf sollte klar erkennbar sein, wer Emittent und Garantiegeber des Zertifikates sind, insbesondere wenn diese Rollen zwei verschiedenen Institutionen zufallen.

Eine Aufstellung der einzelnen Produktkomponenten gehört ebenso zu einer transparenten Vermarktung wie Szenarioanalysen, die darstellen, wie hoch der Auszahlungsbetrag bei Verfall unter Annahme unterschiedlicher Kursbewegungen ist. Täglich aktualisierte VaR-Angaben sowie eine Aufstellung der verschiedenen Einflussfaktoren auf den Sekundärmarktpreis bieten Anlegern eine gute Informationsbasis anhand derer sie entscheiden können, ob sie ein Produkt hinzukaufen, halten oder verkaufen möchten.

Tägliches Reporting auf Einzelproduktebene bieten EFG Financial Products und Vontobel an. Beide veröffentlichen darin aktuelle Value-at-Risk-Zahlen und zeigen den Performanceverlauf des Zertifikates. Die EFG Financial Products zeigt ausserdem eine Performance-Attribution, aus der sich herauslesen lässt, welche Marktfaktoren für eine Preisaufwertung oder -abwertung verantwortlich sind. Die Sensitivitäten zu Volatilität, Zinsen und Veränderungen des Basiswertes sind auch im Zeitverlauf dargestellt. Damit ist die Preisentwicklung eines strukturierten Produktes auf dem Sekundärmarkt nachvollziehbar, und der Investor sieht stets, wo seine Risiken liegen.

Aufklärungsbedarf steigt weiter

Da Derivate und strukturierte Produkte trotz aller Transparenzbemühungen komplexe Instrumente sind, wird das Mass an Aufklärung in Zukunft noch wachsen. Regelmässige Schulungen für Kundenberater in Privatbanken und unabhängige Vermögensverwalter sind der nächste Schritt. Je besser informiert die Käufer sind, desto selbstverständlicher werden sie Informationen über Produkte und Garantiegeber einfordern, und desto grösser ist der Druck auf Emittenten, diese regelmässig und zuverlässig zu liefern.

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Mit höherer Transparenz wächst das Verständnis für Chancen und Risiken strukturierter Produkte im Allgemeinen und auf Produktebene. Das führt dazu, dass Kunden Zertifikate auswählen und strukturieren können, die noch genauer auf ihre Markterwartung und ihr Portfolio ausgerichtet sind. So machen sie gute Erfahrungen und erzielen positive Renditen mit strukturierten Produkten. Sie werden der Branche insgesamt zugute kommen.