Weltweit steht der Schweizer Finanzplatz unter Generalverdacht, kriminelle Vermögen zu horten. Darum geraten Institute und das Land als Ganzes regelmässig unter Beschuss. Den allergrössten Druck erzeugen die Amerikaner. Manche Schweizer Banquiers sprechen längst von einem «Wirtschaftskrieg» zwischen der kleinen Schweiz und den mächtigen USA.

Während viele Schweizer Geldhäuser mit einer gewissen Unbeholfenheit an ihren Weissgeld-Strategien arbeiten, bauen ausgerechnet die grössten amerikanischen Banken hierzulande aus. Sie wollen in den nächsten Jahren Hunderte von Stellen in der Schweiz schaffen und ihre Kundendepots um Milliarden äufnen.
J.P. Morgan etwa will den Personalbestand pro Jahr um einen Fünftel erhöhen. Die Kundenvermögen sollen sich innerhalb von fünf Jahren verdoppeln. Im Visier haben J.P. Morgan, Morgan Stanley oder Merrill Lynch die Superreichen und die vielen Zuwanderer aus dem Ausland, die in der Schweiz einen der letzten sicheren Häfen dieser Welt sehen.
 

Die Milliarden der Superreichen

Die US-Banken setzen auf ihrem Expansionsfeldzug ausgerechnet auf die bewährten Tugenden und Qualitäten, die den Schweizer Finanzplatz über all die Jahre so wichtig und erfolgreich gemacht haben: Politische Stabilität, starke Währung, verlässlicher Rechtsrahmen sowie kompetente Mitarbeiter. Vom Bankgeheimnis ist in Gesprächen mit den amerikanischen Bankern kaum je die Rede. Wozu auch? In der globalisierten Hochfinanz amerikanischer Bauart hat es dafür keinen Platz. Was zählt, ist Leistung pur. «Jeder sucht nach Schlupflöchern, um seine Gewinne zu maximieren», sagt Professor Ari Axelrod von der Universität Tufts in Massachusetts.
Das zeigt sich besonders gut an den verschärften Eigenkapitalvorschriften von Basel III, die in den nächsten Jahren weltweit eingeführt werden sollen. Mit allen Mitteln versuchen die Geldhäuser aus den Vereinigten Staaten, sich vor diesen neuen Auflagen zu drücken, die auch den europäischen Instituten zu schaffen machen. Dass sie gut darin sind, haben sie schon mit Basel II bewiesen. Selbst diese internationalen Standards aus dem Jahre 2004 haben die meisten Geldhäuser in den USA noch gar nicht eingeführt. «Als internationales Abkommen zählt Basel III nicht so viel wie ein amerikanisches Gesetz», sagt Hugh Carney, Chefjurist der American Bankers Association.
 

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Vorteile dank Übermacht

Dank ihrer globalen Macht sind die amerikanischen Finanzinstitute in der einzigartigen Lage, sich seltene Wettbewerbsvorteile auszubedingen, von denen andere Banken auf der Welt nur träumen können.(cb/nh)