Scharia-konforme Anlagenformen erfreuen sich weltweit wachsender Beliebtheit. Das könnte sich auch auf die Goldnachfrage auswirken: Laut dem World Gold Council (WGC), der Lobby-Organisation der Goldminenindustrie, soll die Nachfrage nach dem Edelmetall mit Goldinvestments nach islamischen Grundsätzen um «einige Hundert Tonnen» zunehmen. Damit würde man «eine wichtige Lücke auf dem Markt füllen», sagt WGC-Chefin Natalie Dempster.

Islamische Anleger setzen in der Regel nicht sehr stark auf Rohstoffe. Beliebter sind Immobilien und islamische Anleihen. Grund für die Zurückhaltung sind vor allem Einschränkungen bei Derivaten und unklare Vorgaben, was erlaubt ist und was nicht. Im letzten Dezember haben der WGC und die auf islamische Investitionen spezialisierte Beratungsfirma Amanie Advisors nun aber erstmals einen Standard präsentiert, der Investoren künftig als Orientierungshilfe beim Handel mit Gold dienen soll.

Schnelles Wachstum

Mohd Daud Bakar von Amanie sieht gute Chancen, dass der neue Standard mehr Gläubige auf Gold setzen lässt. Entscheidend sei, dass Gold-Kontrakte physisch hinterlegt werden. «Wir haben dies fast soweit geschafft», lässt sich Bakar in einer Pressemitteilung zitieren. Hintergrund ist das Verbot des Glücksspiels im Islam. Scharia-konforme Derivate vermeiden deshalb auch «exzessive» Risiken.

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Noch sind Scharia-konforme Anlagen eine Nischenerscheinung. Sie machten 2015 weltweit rund 1,7 Billionen Dollar aus – etwa ein Prozent des globalen Marktes. Doch die islamischen Finanzprodukte wachsen schnell und haben inzwischen auch das Interesse von westlichen Finanzinstituten geweckt. J.Safra Sarasin wirbt mit einem «Sharia Advisory Board» um muslimische Kunden.

Genaue Regeln für Investoren

Die Goldindustrie hofft auf eine baldige Einführung von entsprechenden Produkten. Für die Beratungsfirma Swiss Ressource Capital würden vor allem Förderer stark davon profitieren. Doch auch Investoren dürften sich freuen: «Bei einer Gold-Gesamtnachfrage von gut 4200 Tonnen würde dies sicherlich zu starken positiven Auswirkungen für den Goldpreis führen», heisst es in einer Mitteilung.

Strenggläubige Muslime müssen bei ihren Investitionen zahlreiche Regeln beachten. Verboten sind Geschäfte mit Alkohol, Glücksspiel, Pornografie, Waffen und Schweinefleisch. Es gibt aber auch weitere Einschränkungen. Zinsen gelten als ungerechtfertigt. Spekulation gilt als Glücksspiel-ähnlich und ist deshalb genauso verboten, wie etwa Hochfrequenzhandel.