Norman Villamin ist bei der britischen Privatbank Coutts als Investmentchef tätig. Die Bank verwaltet unter anderem die Gelder von Königin Elizabeth II. Villamin sammelte jahrelange Erfahrungen in Schwellenländern, wo er für verschiedene Banken das Geschäft ausbaute. Viele dieser Staaten befänden sich in einer Restrukturierungsphase.

Der Internationale Währungsfonds korrigierte seine Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft fast durchs Band nach unten. Hat Sie das überrascht?
Norman Villamin: Nicht wirklich. Die Wachstumsschätzungen belegten nochmals, dass die Anleger gerade bezüglich der Schwellenländer umdenken müssen.

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Inwiefern?
Viele dieser Länder sind daran, die Art zu ändern, wie sie ihre Wirtschaft wachsen lassen. Das bedeutet wiederum, dass die hohen Raten der Vergangenheit nicht so schnell wiederkommen. Also müssten Anleger dort mit einem längeren Horizont investieren. Besser sieht es in der Euro-Zone und Grossbritannien aus. Dort ist man sich einig, dass man der Wirtschaft stärker unter die Arme greift.

Hilft das?
Die Erholung ist noch sehr fragil. Das bewies die dramatische Marktreaktion, als die amerikanische Notenbank Fed jüngst eine Drosselung ihrer Anleihenkäufe in Aussicht stellte. Demgegenüber gibt etwa das Programm, das europäischen Unternehmen den Zugang zu Krediten sichern soll, durchaus Anlass zur Hoffnung.

Aber eigentlich läuft das auf eine Erpressung der Notenbanken durch die Börsen hinaus, oder?
Das sehe ich nicht so. Fed-Präsident Ben Bernanke verpasste den Märkten einen Denkzettel mit seiner jüngsten Ankündigung. Seine Botschaft war klar: Lasst euch nicht von den überbordenden Vermögenspreisen mitreissen, sonst kriegen wir ein Problem.

Noch mehr fürchteten die Anleger eine mögliche Kreditklemme in China. Sie waren lange Zeit in Asien und kennen die Region bestens. Was ist dort zu erwarten?
China etwa wächst immer noch mit Raten von mehr als 7 Prozent. Das reicht aus, um die Weltwirtschaft entscheidend voranzutreiben, auch wenn sich der Trend weiter abschwächt. Jetzt fliesst natürlich viel Geld aus den Schwellenmärkten ab. Anleger sollten sich deshalb kurzfristig auf Regionen fokussieren, wo die Geldpolitik entgegenkommend ist – auf Japan, die Euro-Zone und auf Grossbritannien.

Also Finger weg von den viel gelobten Schwellenland-Investments?
Nicht zwingend. Die Korrektur jener Märkte bietet durchaus gute Kaufgelegenheiten, allerdings mit gewissen Einschränkungen. Investoren sollten die volatilen Aktien meiden und sich stattdessen Schwellenland-Anleihen in Dollar anschauen. Diese bieten bessere Sicherheit bei einem meist attraktiven Coupon.

Generell sind die Aktienmärkte noch daran, die Scharte vom Juni auszuwetzen. Gelingt das bis Ende des Jahres?
Es bleibt nicht mehr viel Raum nach oben. Die nächsten Treiber für Kurssteigerungen könnten eine Verbesserung der Kreditbedingungen in der Euro-Zone sein oder eine Erholung der amerikanischen Wirtschaft. Diese Treiber dürften bereits diesen Herbst wirksam werden. Mit Blick auf diese Chancen würden wir generell Aktien den Anleihen vorziehen.

Wo würden Sie zukaufen?
Potenzial sehen wir in Grossbritannien sowie in der Euro-Zone. Dort rücken Märkte wie Italien oder Frankreich ins Blickfeld jener Anleger, die sich bisher auf das sichere Europa – etwa Deutschland – konzentrierten.

Dann wäre auch ein sicherer Hafen wie die Schweiz nicht mehr gefragt?
Eine Erholung in Europa würde natürlich auch die Erträge von Schweizer Exporteuren anschwellen lassen. Wie gesagt ist das Potenzial derzeit eher begrenzt, da sich diese Titel 2013 bereits gut entwickelten. Wir empfehlen deshalb, sich anderweitig umzusehen.


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