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Automatisierung
Trend: Roboter erobern die Depots

«Pepper»: Das Kind der Firma Aldebaran verkörpert die höchste Evolutionsstufe der Robotik. Aldebaran

Nach dem Fliessband erobern Roboter die Depots. Die Finanzbranche hat Robotik als Megatrend entdeckt und macht das Thema vermehrt für Privatanleger zugänglich.

Von andreas höss
am 21.10.2015

Pepper wiegt knapp 30 Kilo, ist 1,20 Meter gross und hat eine ganz spezielle Gabe: Seine Sensoren erfassen Mimik, Gestik sowie Stimme des Gegenübers und seine künstliche Intelligenz verarbeitet diese Daten in Sekundenbruchteilen und lernt daraus. Der Roboter Pepper liest also unsere Emotionen – und er reagiert entsprechend auf sie.

Pepper verkörpert gewissermassen die derzeit höchste Evolutionsstufe der Robotik, der viele Beobachter ein ähnliches Veränderungspotenzial wie der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert zutrauen.

Eroberung der Depots

Roboter arbeiten am Fliessband, mähen den Rasen oder saugen das Wohnzimmer. Sie zwängen sich in enge Kanäle, um sie zu reinigen, reparieren Lecks in Atomkraftwerken oder unterstützen Chirurgen bei minimalinvasiven Operationen. Sie fliegen als Drohnen in Kriegsgebiete, können Päckchen ausliefern und Autos steuern. Kurz: Sie haben bereits zahlreiche Lebensbereiche erobert. Und geht es nach der Finanzbranche, erobern sie in Zukunft auch die Depots der Privatan­leger.

So lancierte zum Beispiel die auf Themeninvestments spezialisierte Genfer Fondsboutique Pictet vor wenigen Tagen einen Robotics-Fonds. Bei Pictet sagt man der neuen Innovationsquelle Robotics «herausragende Wachstumsperspektiven» voraus und verweist auf eine Studie der Wirtschaftsberatung Boston Consulting Group.

Wachstum von 50 Millionen jährlich

Demnach soll das Volumen des globalen Robotics-Marktes bis zum Jahr 2025 um jährlich 10 Prozent auf über 50 Milliarden Dollar wachsen.

Robo Global, die den ersten investierbaren Branchenindex aufgelegt hat, weist eine noch höhere Zahl aus als von Myria Research errechnet. Beziehe man alle Bereiche wie Zulieferer, Ausbildung oder Wartung mit ein, summiere sich der Markt bis 2025 auf gigantische 1,25 Billionen Dollar, heisst es dort.

Demografischer Wandel

Nun sind solche euphorischen Prognosen immer mit Vorsicht zu geniessen. Trotzdem sind viele Argumente der Anbieter durchaus stichhaltig. So ermöglicht der technologische Fortschritt in der Computer- und Datenbranche tatsächlich ganz neue und mittlerweile bezahlbare Formen der künstlichen Intelligenz. Zugleich setzt man vor allem in Industrienationen mit hoher gesellschaftlicher Alterung wie Japan oder Korea nicht nur in der Produktion, sondern zunehmend auch im Service oder in der Pflege verstärkt auf Roboter – ein Trend, der laut Marktbeobachtern langfristig auch Schwellenländer erreichen sollte.

Diese Mischung aus Wachstumsphantasien und technologischem Fortschritt bringt Dynamik in die Branche. Der Suchmaschinengigant Google hat sich in den vergangenen Jahren verschiedenste Roboterbauer unter den Nagel gerissen, und auch Pepper stammt aus einer Patchworkfamilie.

Japanisch-französischer Roboter

Entwickelt wurde er vom Pariser Hersteller Aldebaran, in den sich der japanische Technologiekonzern Softbank eingekauft hat. In diesen haben vor kurzem wiederum der chinesische Internethändler Alibaba und der Apple-Zulieferer Foxconn investiert.

Welche Emotionen das bei den Fans von Pepper ausgelöst hat, ist wohl in keiner Datenbank erfasst. Dokumentiert ist dagegen, dass die ersten 1000 Exemplare des Roboters im Juli innerhalb von einer Minute ausverkauft waren. Der Preis lag bei rund 1600 Dollar pro Stück – plus weiteren 200 Dollar monatlich für Dinge wie Datenpakete und Versicherung.

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