Der Kursverlauf der Kühne + Nagel-Aktie widerspiegelt die Abkühlung im Welthandel: 2008 ist die Aktie um 35% auf aktuell rund 70 Fr. gefallen.

Im Oktober standen die Wachstumsprognosen von Kühne + Nagel-CFO Gerard van Kesteren auf Anfrage noch zwischen 3 und 4% bei der Seefracht und weniger als 2% bei der Luftfracht. Heute sieht es bereits aus, als müssten diese Zahlen nach unten korrigiert werden. «Vor allem die Luftfracht dürfte stark gebremst werden. Wenn die Geschäfte nicht mehr so hektisch sind, dann ist die Seefracht für viele Transporte genügend schnell. Entsprechend wird die Luftfracht leiden», meint van Kesteren.

Ausserdem hat das Unternehmen nun eine faktische Nulllohnrunde verhängt.

Ganzheitliche Pakete gefragt

Trotz der gedämpften Prognosen sprechen jenseits der Konjunktur aber langfristige Trends für Kühne + Nagel. Zum einen besteht ein zunehmender Outsourcing-Trend von Managementdiensten in der Wertschöpfungskette. Konkret bedeutet dies, dass vom Nachfrager ein ganzheitliches Speditionspaket gewünscht wird, sodass er die Dienstleistung von einem Minimum an verschiedenen Anbietern bekommt.

Genau solche Dienstleistungen pusht das Unternehmen aus Schindellegi SZ seit Jahren. Zu den Verlierern gehören demgegenüber eher Kleinspediteure und Direkt-Carrier, die nur einen kleinen Teil der Wertschöpfungskette abdecken. Sie werden zunehmend zur Beute für die globalen Anbieter.

Diese Konsolidierung ist gemäss Helvea-Analyst Chris Burger in einem Downturn noch wesentlich ausgeprägter. «Hunderte kleine und mittlere Unternehmen ohne Skalenerträge oder IT-Infrastruktur werden Probleme bekommen und laufen Gefahr, irgendwann akquiriert zu werden.»

Noch eine weitere Entwicklung spricht gemäss Michael Foeth, Analyst bei Vontobel, für die global orientierten Spediteure: Die Produktionsverlagerung zwecks tieferer Basiskosten nach Asien. Dies deshalb, weil die Waren nicht mehr am selben Ort produziert werden, wo die Konsumenten sind, ist ein weltweiter Transport vonnöten.

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Vorsprung auf Panalpina

Im internationalen Transport konnte sich Kühne + Nagel besonders in der Seefracht profilieren. Im Vergleich sei diese acht- bis zehnmal billiger als die Luftfracht, meint Foeth. «Firmen müssen aufgrund der Wirtschaftslage sehr kostenbewusst agieren und werden darum Luftfracht weitgehend vermeiden.»

Dies bringt Kühne + Nagel gegenüber ihrer Konkurrentin Panalpina, die im Bereich Lufttransport stark vertreten ist, relative Vorteile in Form von höheren Margen. Panalpina selbst musste sich aufgrund von Korruptionsklagen in zweistelliger Millionenhöhe aus dem Nigeria-Geschäft zurückziehen. Dies hatte einen Einbruch des Ebitda von 25% für Panalpina zur Folge.

Zu den Schwächen, die Kühne + Nagel allerdings mit den meisten international tätigen Unternehmen teilt, gehören die Abhängigkeit vom globalen Handels- und BIP-Wachstum und das Währungs-Exposure. Ebenfalls muss sich noch zeigen, wie sich der Rücktritt von Klaus-Michael Kühne vom VR-Präsidium auf die Strategie des Konzerns auswirken wird: Kühne dürfte allerdings als Mehrheitsaktionär weiterhin aus dem Hintergrund die Fäden ziehen.

Die Mehrheit der Analysten empfiehlt die Kühne + Nagel-Aktie weiterhin zum Kauf; das Konsens-Kursziel lautet auf «buy».