Die Schweizer Wirtschaft ist auf Kurs, im Jahr 2008 um knapp 2% zu wachsen. Dabei nimmt sie aus ihrem Schlussspurt 2007 kräftig Fahrt mit, die sich nun im Gegenwind der in wichtigen ausländischen Märkten lauernden Unwägbarkeiten abbremst. Während dies Unternehmern, welche stark verteuerte Vorleistungen (Erdölprodukte, Metalle, Agrargüter) beziehen, die Sorgenfalten ins Gesicht treibt, freuen sich andere nach zwei Jahren atemlosen Wachstums über jede Verschnaufpause.

Konjunkturverlangsamung

Sämtliche vorlaufenden Indikatoren zeigen eine Beruhigung an. Das Wachstum der Auftragseingänge der Schweizer Industrie betrug im Startquartal 2008 5,4% und sank damit auf das tiefste Niveau seit drei Jahren. Grund ist die schwache Nachfrage aus dem Ausland. Der auf Umfragewerten basierende Purchasing Managers Index (PMI) verharrte mit 55,7 Punkten im Mai nur knapp über dem langjährigen Durchschnitt von 54,5 Punkten. Der vorlaufende Branchenindex der Credit Suisse verzeichnet erstmals seit drei Jahren einen negativen Wert, was für das nachfolgende Halbjahr eine Wirtschaftsentwicklung unter dem langjährigen Mittelwert voraussagt.Die Schweizer Industrie konnte ihre Produktion im 1. Quartal 2008 um 4,3% steigern. Dies ist die geringste Ausdehnung seit neun Quartalen. Saisonbereinigt wur-den sogar 2,1% weniger Waren produziert als im Vorquartal. Gleichzeitig haben sich die Auftragseingänge um nur noch 5,3% erhöht. Hier verzeichnen wir sowohl für Bestellungen aus dem Inland als auch aus dem Ausland die tiefsten Werte seit 2005. Die nominellen Exporte flauten ebenfalls ab. Nur die Uhren- sowie die Nahrungsmittelindustrie zeigten keinerlei Anzeichen von Schwäche.

Trotz der Verlangsamung bei den Auftragseingängen schwollen die Arbeitsreserven kräftig an. Die Auftragsbücher verzeichneten ein Plus von 18% im Vergleich zum Vorjahresquartal. Grund ist die unverändert hohe Kapazitätsauslastung von 88,4%. Angesichts der Unsicherheiten bezüglich des Konjunkturverlaufs sowie hinsichtlich der Entwicklung von Kapital- und Energiekosten zögern die Schweizer Unternehmer, in den Ausbau ihrer Produktionsstätten zu investieren.

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Detailhandel in luftigen Höhen

Nach einem flauen Start ins Jahr haben die Detailhandelsumsätze im Frühling wieder deutlich Fahrt aufgenommen. Verkaufstagsbereinigt konnten die Detailhändler ihre Umsätze real um 4,9% steigern. Die Konsumlust war auch bei den Autokäufen (+5,8%) und dem Rekordfrühling für die Tourismusbranche (+8,7%) beinahe greifbar. Der Konsum wird einerseits durch die anhaltend tiefe Arbeitslosigkeit stimuliert, die saisonbereinigt erstmals seit Juni 2002 unter die 100000er Marke fiel (99400 oder 2,5%). Andererseits winken dieses Jahr Nominallohnsteigerungen von schätzungsweise 2,6%. Dazu kommen durch Jobwechsel erzielte Lohnsteigerungen. Gegenspieler dieser positiven Faktoren ist die durch den Ölpreis angeheizte Inflation (CS-Schätzung: 2,2%), welche die Kaufkraft wieder schmälert.