Zukunftsorientierte Anlagechancen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld erkennen immer mehr Investoren in Infrastrukturthemen. Gleichzeitig werden Infrastrukturen global derzeit stark ausgebaut oder erneuert.

Das Investitionsvolumen überfordert staatliche Haushalte zusehends und das Engagement privater Investoren gilt nunmehr als unverzichtbar. So sind im Jahr 2016 schätzungsweise 645 Milliarden Dollar weltweit in Infrastruktur investiert worden. Davon entfallen rund 150 Milliarden Dollar alleine auf die USA.

Ausgeprägte Bedeutung

Gerade in den USA zeigt sich die Bedeutung des Energiesektors besonders ausgeprägt: Rund 82 Prozent aller Infrastrukturinvestitionen fallen auf ihn. Und noch bemerkenswerter: Von allen getätigten Projekten, die ein Financial Closing erreicht haben, sind mehr als die Hälfte aus dem Segment der erneuerbaren Energien. Bei diesen Volumen stellt sich die Frage, ob das Angebot mit der stetig steigenden Nachfrage mithalten kann.

Schätzungen gehen davon aus, dass von 2016 bis 2019 ein jährlicher Zuwachs von rund 20 Gigawatt bei erneuerbaren Energien in den USA erfolgt, fast ausschliesslich in den Segmenten Wind und Solar. Während im Solarbereich 2010 rund 1 Gigawatt an Leistung installiert wurde, waren es 2016 laut Bloomberg NEF fast 14 Gigawatt. Im Windsektor sind die Zahlen und die Vorausschau ebenfalls beeindruckend. In den Jahren 2015 und 2016 wurden insgesamt 17 Gigawatt installiert. Für die Jahre 2017 bis 2020 werden weitere 36 Gigawatt an Windkapazität vorausgesagt.

Das Bedürfnis ist vorhanden

Warum in erneuerbare Energien investieren? Ein Argument ist die niedrige Korrelation dieser Assets mit anderen Anlageklassen. Erneuerbare-Energien-Portfolios wirken sich im Gesamtportfolio in hoch volatilen Marktphasen entsprechend stabilisierend aus. Zudem lassen sie sich auch hervorragend für die Diversifikation in einem Infrastrukturportfolio nutzen. Dazu sprechen derartige Anlagen das spezifische Bedürfnis nach nachhaltigen und umweltverträglichen Investitionen an.

Es ist klar: Projekte für erneuerbare Energien sind stets im Gesamtkontext zu betrachten. In diesem Fall umfasst dieser den generellen Energiemix in den USA, die Entwicklung der Energiepreise sowie die allgemeinen energiepolitischen Weichenstellungen auf föderaler und bundesstaatlicher Ebene.

Elektrische Leistung steigt

Gemäss Prognosen für das Jahr 2040 soll die elektrische Leistung aus Wind und Solar im amerikanischen Markt von derzeit rund 10 Prozent auf insgesamt 40 Prozent steigen und sich die Zusammensetzung des Energiemix der USA damit massgeblich und in Anbetracht von Erneuerbare-Energien-Projekten positiv verändern.

Die beiden Segmente werden zudem unter Kostengesichtspunkten immer wettbewerbsfähiger: So sind die Preise für Solarmodule seit 2008 um 90 Prozent gefallen. Eine vergleichbare Entwicklung verzeichnet der Sektor Wind in Bezug auf die Kosten für Turbinen und die Errichtung der Windmühlen.

Aufschwung dank «America First»

Im Markt für erneuerbare Energien spielen die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. Die «America First»-Haltung der US-Regierung schlägt sich auf die aktuelle Energiepolitik nieder. Trotz der vordergründigen Debatte um Kohle sowie der Infragestellung des Klimawandels und der Aussetzung des Clean Power Plans – die Argumente zur Energiesicherheit sprechen für einen Anstieg von erneuerbaren Energien und Erdgas im Energiemix der USA. Erneuerbare Energien haben schon jetzt einen signifikanten Anteil an der Energieerzeugung, nutzen heimische Ressourcen und sichern US-Arbeitsplätze.

Zudem wird der Wandel im Energiemarkt und die weitere Etablierung der erneuerbaren Energien in den USA auch auf bundesstaatlicher Ebene gefördert. Die Unterstützung erfolgt dabei insbesondere durch das System der Production Tax Credits (PTC) im Windbereich und der Investment Tax Credits (ITC) im Solarbereich. Vereinfacht gesagt können hier Kosten bei der Errichtung (ITC) oder dem Betrieb der Anlagen (PTC) steuermindernd angerechnet werden. Dies geschieht durch die Gewährung steuerlicher Entlastungen in Form von Tax Credits. Insgesamt haben 29 Bundesstaaten eigene, den Ausbau von erneuerbaren Energien unterstützende Systeme etabliert.

Attraktives Risiko-Rendite-Profil

Die allgemeine Entwicklung im nordamerikanischen Markt für erneuerbare Energien sorgt für eine Vielzahl von Anlagemöglichkeiten mit hohem Potenzial an Diversifikation. Ein früher Einstieg in die Wertschöpfungskette der Projekte ist mit höheren Risiken, aber auch mit höheren Renditen verbunden. Wenn Investoren in der Lage sind, diese Risiken erfolgreich zu beurteilen und zu managen, ergibt sich ein attraktives Risiko-Rendite-Profil, das auch dem Thema Nachhaltigkeit Rechnung trägt.

*Armin Sandhövel, CIO Infrastructure Equity, Allianz Global Investors, München.

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