SOLAR-AKTIEN. Der Ölpreis ist dieser Tage auf über 95 Dollar pro Fass angestiegen und wird wohl bald die 100-Dollar-Grenze durchbrechen. Diese Entwicklung wirkt sich auf die Solarenergie-Branche positiv aus: Als Alternative zum teuren Rohöl werden ihre Erzeugnisse schneller wettbewerbsfähig.

Mangel an Silizium

Trotzdem herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Der Vorrat an Silizium, einem wichtigen Rohstoff für den Bau von Solarzellen, wird zusehends kleiner. Zwar drängen neue Produzenten auf den Markt, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Herstellung von Silizium ist aber aufwendig und teuer. Wächst der Solarbereich weiter was anzunehmen ist –, kann die Versorgung mit dem Rohstoff gerade für kleinere Solarunternehmen nicht mehr als gewährleistet gelten. Stattdessen profitieren die grossen: Die deutsche Q-Cells etwa, die weltweit grösste, konzernunabhängige Herstellerin von Solarzellen, hat sich den Rohstoff durch die Beteiligung am norwegischen Siliziumhersteller REC langfristig gesichert. Neue Technologien sollen nun helfen, den Engpass zu überwinden. Etwa, indem sie den Verbrauch des kostbaren Rohmaterials verringern: Bei der Dünnfilmtechnologie werden hauchdünne Siliziumschichten auf kostengünstiges Trägermaterial wie Kunststoff- oder Metallfolien aufgetragen. Allerdings sind diese neuen Zellen noch nicht sehr effektiv. Ganz ohne Silizium kommt schliesslich die 3. Generation der Solarzellen aus. Diese Panels können viel einfacher hergestellt werden und eignen sich auch für Innenräume. Sie erzielen ausserdem einen höheren Wirkungsgrad als die herkömmlichen Silizium-Solarzellen.

Erfolgreiche Solaraktien

In der Zwischenzeit lassen sich die Investoren nicht vom Siliziummangel beirren: Solaraktien klettern an den Börsen von Hoch zu Hoch. Die 30 Titel des Solaraktien-Indexes PPVX legten seit Jahresbeginn bis Anfang September um 73% zu. Im Vergleich dazu stieg der Ölindex Amex Oil nur um 10%. Verlierer sind nur vereinzelt auszumachen. Europas grösstes Solarunternehmen Conergy brachte eine Gewinnwarnung heraus: Wegen Lieferverzögerungen und hoher Personalkosten wird im Gesamtjahr ein Verlust erwartet. Darauf verlor die Aktie den seit Anfang Jahr erreichten Börsenwert.Am Swiss Performance Index (SPI) profitieren vor allem Anlagebauer- und Zulieferunternehmen wie Meyer Burger, Oerlikon Solar und Komax vom Solarboom. Komax realisiert Anlagen für die Photovoltaikindustrie, Oerlikon Solar bietet Produktionslösungen für Silizium-Dünnschicht-Solarmodule. Meyer Burger gehört zu den weltweit führenden Anbietern von hochpräzisen Spezialsägemaschinen für Silizium. An der Börse stieg der Wert der Meyer-Burger-Aktie seit Anfang Jahr um 300%.Auch das weitere Umfeld für die Solar-Branche stimmt. «Der Druck zur Anwendung umweltfreundlicher Energien wird aus Kosten- und Umweltgründen steigen. Die Solarenergie stösst im Betrieb kein CO2 aus», so Christian Kobler, CFO des Vermögensverwalters Forma Futura Invest. «Ausserdem kann die Solarenergie in Zukunft auch für Anwendungen wie die Kühlung oder die Pasteurisation von Wasser eingesetzt werden.» Deshalb prophezeit er der Solarenergie in den kommenden zehn Jahren grosses Wachstumspotenzial. Matthias Fawer, Solarexperte bei der Privatbank Sarasin, sieht die Aktien in Zukunft ebenfalls noch steigen. Deshalb seien die hohen Preise für Solaraktien gerechtfertigt.

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Starkes Wachstum bis 2010

Bis 2010 sieht er das Segment durchschnittlich um jährlich 50% wachsen. Fawer rät aber davon ab, in einzelne Titel zu investieren. Fonds wie der Swisscanto Equity Fund mit einem Plus von 19,55% 2007 oder der UBS Equity Fund (Plus 35,49%) decken mehrere Titel ab und minimieren das Risiko. Fawer weist auch darauf hin, dass Solarenergie auch in Zukunft noch auf Unterstützungsprogramme angewiesen ist, also am Tropf der Regierungen hängt: «Ohne Einspeisevergütung ist die Solarenergie in den nächsten fünf Jahren nicht konkurrenzfähig.»