Die Versicherer sind in einer verzwickten Lage: Das Kerngeschäft läuft gut, denn Versicherungen im Leben- und Nichtleben-Bereich werden auch in schlechten Zeiten benötigt. Deshalb dürften viele Konzerne für das vergangene Jahr steigende Prämien ausweisen. Was hingegen verheerende Spuren in den Erfolgsrechnungen hinterlassen wird, sind die Finanzergebnisse. Denn diese bilden einen wesentlichen Bestandteil der Erträge der Versicherer.

Gewinn schrumpft auf Hälfte

Mit grosser Erwartung wird das Jahresergebnis 2008 von Zurich Financial Services am Donnerstag erwartet. Es handelt sich um die Zahlen des ersten grossen europäischen Versicherers. Analysten rechnen mit einem Anstieg der Prämien von 3 bis 6% auf 48 oder 50 Mrd Dollar. Handkehrum wird ein um 40 bis 50% geschrumpfter Reingewinn erwartet: Die Spannweite reicht von 2,7 bis 3,3 Mrd Dollar.

Dieser massive Rückgang ist direkt auf die Verwerfungen an den Finanzmärkten zurückzuführen. Georg Marti von der Zürcher Kantonalbank meint: «Der Anlageerfolg wird vor allem durch weitere Kapitalverluste und Abschreibungen gekennzeichnet sein und damit auch den Gesamtunternehmenserfolg massgeblich belasten.»

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Gleichzeitig wird erwartet, dass Zurich FS zur Stärkung der Bilanz die Dividende kürzen könnte. Stefan Schürmann, Analyst bei der Bank Vontobel, geht neu von 12 Fr. anstelle von 15 Fr. aus. Damit würde die Dividendenrendite aber noch immer deutlich über 5% liegen (5,7%). René Locher von der Bank Sal. Oppenheim rechnet gar mit einer Reduktion der Ausschüttung auf 10 Fr. Zudem sind seiner Meinung nach die Analystenschätzungen für 2009 zu hoch. «Ich erwarte daher Schätzungsrevisionen nach unten, was Druck auf die Aktie geben könnte.»

Zurich FS hat mit Blick in die Zukunft eine grosse Herausforderung zu meistern: Die Aktivseite der Bilanz. Die Frage: Wo soll investiert werden? Kommt hinzu, dass der Konzern laut Schürmann über ein beträchtliches Corporate Bond Portfolio (47 Mrd Dollar) verfügt und in hochklassige strukturierte Produkte investiert ist (MBS, ABS: 26 Mrd Dollar).

Drei Punkte sprechen für ZFS

Gleichwohl gehen Investoren und Analysten davon aus, dass der Versicherungskonzern gut für die Krise gerüstet ist: Erstens ist das Portfolio breit abgestützt und nach Regionen wie Produkten breit diversifiziert. Zudem ist Zurich in der Lebensversicherung, die stark von den Anlagen abhängig ist, weniger exponiert als Axa und Allianz.

Zweitens sorgt das Effizienzprogramm The Zurich Way für Kostenbewusstsein. Der Konzern lässt sich nicht zu überzahlten Akquisitionen (Beispiel: Royal Bank of Scotland Insurance) hinreissen. Was drittens auf ein solides und breit abgestütztes Management zurückzuführen ist. Und dies ist das direkte Verdienst von CEO James Schiro, der die Zürich 2002 in einer misslichen Situation übernahm.

Er hat eine langfristige und nachhaltige Strategie umgesetzt und überlässt seinem Nachfolger Ende Jahr ein geordnetes Haus, das die besten Voraussetzungen hat, die Krise zu meistern.