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Trotz Handelskonflikt boomt der Welthandel

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Containerschiff im Hafen von Lissabon: Der Welthandel lässt sich von Donald Trump nicht bremsen.Quelle: Horacio Villalobos - Corbis/Getty Images

Der Welthandel ist nicht zu bremsen – trotz den Strafzöllen der USA. Wo Anleger jetzt einsteigen.

Von Georg Pröbstl
am 06.06.2018

Die Angst geht um an der Börse vor einem Handelskrieg: Anleger fürchten, dass die Sanktionsdrohungen von US-Präsident Donald Trump in harte Fakten gewandelt werden und dass Strafzölle die globale Konjunktur dämpfen könnten. Immerhin hat Trump erste Drohungen im Handel mit China bereits umgesetzt und belastet auch die Länder der EU bei Exporten von Stahl und Aluminium in die USA mit Zwangsabgaben.

Und was macht der Handel? Der wächst und wächst. Nachdem der Welthandel nämlich bereits im ersten Quartal um 4,5 Prozent zum Zeitraum Oktober bis Dezember 2017 und sogar um 13,6 Prozent zum Vorjahreszeitraum gewachsen war, scheint es aktuell ebenfalls sehr gut zu laufen.

Wie LogIndex, eine Research- und Datentochter des Logistikriesen Kühne+Nagel, berichtet, stiegen im Mai die Umschlagzahlen an wichtigen internationalen Häfen. Danach verzeichnete beispielsweise Long Beach, das ist der zweitgrösste Hafen der USA, im Mai ein Plus beim Umschlag von Standardcontainern im Import von 11 Prozent. Aufgrund von Länderprognosen von Kühne+Nagel soll der Welthandel insgesamt  auch im Mai und Juni zulegen.

Weltweiter Handel – hohes Tempo in den Emerging Markets

Besonders schnell wächst das Handelsvolumen dabei in den Schwellenländern. Laut Kühne+Nagel verzeichneten die Emerging Markets im Mai ein Wachstumsplus im Handel von 16,1 Prozent. Zwar ist beispielsweise der US-Transportation Index mit seinen 20 grossen Indexmitgliedern insbesondere aus den Sektoren Logistik und Transport bereits seit längerem im Aufwärtstrend. So bringt der Index auf Jahressicht ein Plus von 16,1 Prozent und hat sich in den letzten fünf Jahren sogar verdoppelt – der Dow Jones legte gleichzeitig bloss 50 Prozent zu. Doch möglicherweise zieht es den Transportation Index und die Titel des Sektors wegen der nachhaltig dynamischen Entwicklung im Welthandel jetzt sogar noch beschleunigt nach oben.

Anleger, die auf weitere Kurssteigerungen im Sektor setzen, greifen beispielsweise zu einem ETF auf den US-Transportation Index (ISIN: US4642871929) und haben ihr Investment damit breit gestreut. Aber auch die Konzentration auf Einzelwerte könnte sich lohnen.

Hamburger Hafen – starkes Wachstum, hohe Dividende

Vielversprechend ist beispielsweise die Hamburger Hafen und Logistik AG, kurz HHLA. Das Unternehmen ist in drei Segmente aufgeteilt und betreibt Terminals am Hafen von Hamburg, das Bahngeschäft mit Verbindungen zu Nord- und Ostsee sowie der Adria und Logistik mit hafennahen Dienstleistungen. Schon im vergangenen Jahr steigerte HHLA den Umschlag an Standardcontainern um 8,1 Prozent auf 7,2 Millionen Stück.

Nach weiteren Steigerungen im ersten Quartal – der Containerumschlag kletterte um 2,6 Prozent und der Umsatz um 3,3 Prozent auf 307,3 Millionen Euro – kündigt Firmenchefin Angela Titzrath zwar nur gleichbleibende Umsätze im Bereich des Vorjahres von 1,2 Milliarden Euro an, aber immerhin soll es beim operativen Gewinn einen signifikanten Anstieg geben. Anleger setzen deshalb auf überraschend starke Zahlen bei HHLA zum zweiten Quartal, die Mitte August präsentiert werden sollen. Die Aktie ist mit einem 14er-KGV auf Basis 2019 und einer geschätzten Dividende für 2018 von 4,0 Prozent ohnehin nicht teuer.

Moller-Maersk – den Marktführer gibt es jetzt unter Buchwert

Während der Transportsektor boomt und steigende Kurse zeigt, ist die Aktie der Schifffahrts- und Transportgesellschaft Moller-Maersk seit fast einem Jahr im Abwärtstrend und hat seit Juli 2017 rund ein Drittel an Wert verloren. Zwar steigerte der Konzern aus Kopenhagen in Dänemark seinen Umsatz in den ersten drei Monaten 2018 um 30 Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar. Doch der Gewinn in den fortgeführten Geschäften rutschte von minus 139 auf minus 239 Millionen Dollar ab.

Immerhin soll das Ergebnis im Gesamtjahr bei den fortgeführten Aktivitäten über dem Niveau von 2017 liegen. Da ist zwar nur mit einem KGV im mittleren zweistelligen Bereich zu rechnen. Doch Maersk notiert inzwischen rund 10 Prozent unter Buchwert. Angesichts der exzellenten Marktstellung als weltweit grösste Reederei bei Containerschiffen bietet dieser Abschlag eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Zudem notiert die Aktie jetzt an der psychologischen Marke von 9500 Dänischen Kronen. Gelingt der Sprung über diesen Widerstand, könnten auch ganz schnell wieder Kurse wie noch Anfang Mai um 10500 Kronen drin sein.

Kühne+Nagel – auf den Rebound setzen

Nach den Steigerungen im vergangenen Jahr mit einem Kursplus von rund 40 Prozent steht auch die Aktie von Kühne+Nagel seit Jahresbeginn unter Druck. Der Titel notiert derzeit rund 15 Prozent unter dem Allzeithoch vom Januar. Dabei hatte der Transportriese aus Schindellegi sogar einen guten Start ins neue Jahr. Im ersten Quartal steigerte Kühne+Nagel den Umsatz nämlich um 13,1 Prozent auf 4,9 Milliarden Franken und legte auch beim Gewinn um 11,5 Prozent auf 184 Millionen Franken zu.

Bei einem erwarteten KGV um 20 in diesem Jahr könnte der jüngste Kursverfall eine gute Gelegenheit zum Einstieg sein. Insbesondere auch charttechnisch ist die Aktie interessant. Denn der Wert notiert nun an der unteren Begrenzungslinie des Aufwärtstrends aus 2016. Anleger setzen auf den Rebound von der Marke und schnelle Kursgewinne von zumindest 10 Prozent.

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