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Börse
Trotz Handelskrieg signalisieren Indikatoren starkes Wachstum

Frachthafen
Der internationale Handel erreichte nach Statistiken von Kühne+Nagel ein neues Allzeithoch.Quelle: Kuehne + Nagel seafreight services

Panik an der Börse: Kommt es zur Eskalation im Handelsstreit, könnte das die nächste Rezession auslösen.

Von Georg Pröbstl*
am 16.12.2018

Jetzt geht es langsam ans Eingemachte. Seit Oktober summieren sich die Kursverluste an den wichtigen Börsenplätzen damit teils schon auf zehn Prozent und mehr. Die 50 grössten Titel des Euro-Raums beispielsweise notieren jetzt auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren. Denn die Blue Chips der Euro-Zone kosten nun so wenig, wie vor Beginn der Börsenhausse nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im November 2016.

Der Grund für den globalen Kurseinbruch sind Sorgen um die Konjunktur. Trump und sein Amtskollege Xi Jinping haben sich offensichtlich doch nicht so eindeutig auf eine Entspannung im Handelskrieg geeinigt. Viele Marktteilnehmer fürchten, dass es möglicherweise schon bald zu weiteren Zöllen und Sanktionen kommen könnte und das lastet auf den Kursen.

Erst die Angst im März und dann kam es zu starken Kursgewinnen

Aber so eine Situation gab es in diesem Jahr bereits. Nach den ersten Streitigkeiten um Handelsüberschüsse und vermeintlich rücksichtlose Exportnationen im Februar kam es schon zum Kurseinbruch an Europas Börsen und Anleger blickten erstarrt auf Konjunkturmeldungen wie das Kaninchen auf die Schlange.

Und dann kam die Überraschung. Der globale Handel war nicht eingebrochen und vorlaufende Indikatoren wie der gKNi World Trade Indicator von Kühne + Nagel kletterte im März überraschend auf 142,6 Punkte. Und tatsächlich: In den folgenden zwei Monaten bis Mai zog es die Aktienkurse um rund zehn Prozent nach oben.

Vorlaufende Indikatoren zeigen starkes Handelswachstum im November…

Und genau das könnte jetzt wieder passieren. Denn der gKNi zeigt angesichts der aktuellen Handelssorgen erneut überraschend positiv nach oben. Wie Logindex, die Research- und Datentochter von Kühne+Nagel, jetzt berichtet, stieg der gKNi World Trade Indicator im November zum Vormonat um 0,3 Prozent und zum Vorjahresmonat um 6,4 Prozent. Damit erreicht der internationale Handel nach den Statistiken von Kühne+Nagel nun ein neues Allzeithoch bei 143,7 Punkten.

Kühne+Nagel scheint prädestiniert für solche Aussagen. In dem Indikator wertet das Unternehmen aus Schindellegi nicht nur die Frachtaufkommen seiner Schiffe aus, sondern auch zahllose weitere Datensätze. Insgesamt fliessen in den Indikator bei täglichem Update mehr als 200 Millionen Daten ein.

… fünf Länder zeigen zweistellige Zugewinne im Export

Laut gKNi läuft es derzeit besonders stark in Japan, Kanada, Südkorea, Brasilien und Australien. Diese fünf Länder zeigen im Export ein Zwölfmonatsplus zwischen 10,2 und 23,9 Prozent. Gut lief es im November übrigens auch für Mexiko und China. Dort legte der Export im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,2 und 6,2 Prozent zu. Die USA konnten die Ausfuhren um 5,8 Prozent steigern, Italien und Frankreich weisen immerhin auch noch Zuwächse von 5,3 und 4,6 Prozent aus und Grossbritannien bringt es trotz des kurz bevorstehenden Brexit immer noch auf ein Plus im Export im Vergleich zum November 2017 von 2,5 Prozent.

Schwach scheint es derzeit dagegen in Deutschland zu laufen. Der Export des Nachbarn ging im November um 0,4 Prozent zurück. Deutlich schlechter lief es allerdings noch in Indien mit einer Export-Schrumpfung um 3,9 Prozent und in Spanien mit einem Minus von 5,4 Prozent. Schlusslicht bildete Taiwan mit einem Rückgang im Export im November um 7,8 Prozent.

Anleger setzen auf eine Erholungsrallye an den Börsen

Das deutliche Plus im internationalen Handel, dass der gKNi signalisiert, zeigt eins ganz klar: Der Handelsstreit zwischen USA und China könnte derzeit keine Bremsspuren im internationalen Handel auslösen. Damit könnte auch der aktuelle Kurseinbruch an den Börsen übertrieben und wie bereits im März eine gute Gelegenheit zum Einstieg sein.

Die nächsten Monate könnten eine Erholungsrallye bringen. Zwar dürfte sich das auch auf den SMI und die wichtigsten internationalen Börsenplätze insgesamt auswirken, doch besonders schöne Kurssteigerungen versprechen dann die jeweiligen nationalen Aktienmärkte, in denen es im November laut Kühne+Nagel besonders gut gelaufen ist. Japan, Kanada, Südkorea, Brasilien und Australien wären damit die Top-Favoriten für eine kräftige Kurserholung.

Japan und Südkorea – erst hohe Kursverluste jetzt enormes Nachholpotential…

Ganz vorne in diesem Quintett liegen allerdings Japan und Südkorea. Denn die Börsen in Sydney und Toronto haben in den letzten zwei Monaten mit Kursverlusten nur von jeweils etwas mehr als fünf Prozent ohnehin nur unterdurchschnittlich an Boden verloren und der brasilianische Leitindex Bovespa konnte seit Oktober sogar um mehr als zehn Prozent zulegen.

Der Nikkei 225 und der Kospi dagegen rutschten seit Anfang Oktober jeweils um knapp zwölf Prozent nach unten und zählen damit zu den Top-Verlierern auf dem internationalen Börsenparkett. Angesichts der vom gKNi prognostizierten guten Exportdaten der beiden Länder für November könnte es dort schon in wenigen Wochen – wenn die Handelszahlen von offizieller Seite kommen – zu einer fulminanten Erholungsrallye kommen.  

… ein Indexzertifikat und ein Call versprechen schöne Kursgewinne

Anleger greifen zu Zertifikaten auf den Nikkei (ISIN: CH0389689297, Basis und Knock-out jeweils 20135,43 Punkte, Laufzeit endlos, 14er-Hebel) und den Kospi (ISIN: DE0005715155, Laufzeit endlos, Indexzertifikat, Hebel 1:1). Während das Zertifikat auf die Börse in Seoul lediglich ein Partizipationszertifikat ist und damit mögliche Kurssteigerungen im Gleichschritt mit dem Index absolviert, ist der Call auf den Nikkei 225 mit 14er-Hebel bereits ziemlich sportlich bestückt. Da die Börse in Tokio zuletzt aber im September 2017 das Niveau des Knock-out des Calls von rund 20100 Punkten erreicht hat, scheinen die Risiken des Produkts zumindest für spekulativ orientierte Anleger überschaubar.

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +18,7 Prozent (DAX: +5,6 Prozent), 3 Jahre: +51,8 Prozent (DAX: +14,9 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +374,2 Prozent (Dax: +96,9 Prozent).

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