Zum fünften Mal in Folge hat die schweizerische Uhrenindustrie ihren Export-Vorjahresrekord übertroffen. Die schweizerischen Uhrenexporte erreichten im Jahr 2008 die noch nie gesehene Höhe von 17 Mrd Fr., was einer Steigerung um 6,7% gegenüber 2007 entspricht. Asien (46%) behauptet seine Position als wichtigster Exportmarkt der schweizerischen Uhrenindustrie vor Europa (33%) und Amerika (19%). Bezüglich Ländern behauptet Hongkong seine Spitzenstellung vor den USA, Japan, den grossen europäischen Ländern (Frankreich, Italien, Deutschland) und China.

Wachstumsabschwächung

Im 4. Quartal 2008 machten sich in der Branche allerdings die ersten Auswirkungen der weltweiten Krise bemerkbar, und gewisse Länder wie Japan, Grossbritannien, Spanien und die USA beendeten das Jahr mit einer rückläufigen Tendenz.

Das Wachstum des Jahres 2008 hat sich seit Oktober 2008 abgeschwächt, wobei man heute noch nicht sagen kann, wie stark wir davon betroffen sein werden. Der Geschäftsgang kann von einem Unternehmen zum anderen sehr unterschiedlich sein. Er hängt unter anderem von dessen Positionierung in bestimmten Preissegmenten und von der geografischen Diversifikation ab: Weit verbreitete Marken, die auch in Schwellenländern gut vertreten sind, werden sich besser aus der Affäre ziehen als solche, die vor allem in heute rezessionsgeplagte Länder exportieren.

Nur konjunkturelle Probleme

Die gegenwärtige Lage überrascht nicht. Es war zu erwarten, dass diesem Wachstum eines Tages Einhalt geboten wird, denn man kann nicht unbeschränkt ohne Konsolidierungsperiode wachsen: Gewisse Marken konnten nicht mehr fristgemäss liefern oder litten unter Personalmangel. Gewiss, man wird diese Krise nicht willkommen heissen, denn eine Krise ist nie willkommen. Man darf aber auch nicht der Schwarzmalerei verfallen. Die Exporte lagen in den vergangenen Jahren auf einem sehr hohen Niveau.

Anzeige

Es besteht aber grosse Zuversicht, dass die Branche widerstandsfähig ist. Ihre wichtigsten Vertreter sind gerüstet, um die Krise ohne allzu grosse Probleme zu überwinden. Allerdings ist es möglich, dass weniger starke und weniger etablierte Marken ihre Uhrenaktivitäten aufgeben. Es sind Entlassungen angekündigt worden, allerdings nicht massiv und nach einigen fetten Jahren für die Branche.

Im Jurabogen taucht das Schreckgespenst der Krise in den späten 70er Jahren wieder auf, von der die schweizerische Uhrenindustrie schwer gebeutelt wurde und die sehr viele Stellen kostete. Diese Befürchtungen sind jedoch unbegründet, denn die Situation ist heute anders. Damals litt die Uhrenindustrie nicht nur unter einer konjunkturellen Krise, sondern hatte auch mit strukturellen Problemen im Vergleich zur aufstrebenden japanischen Konkurrenz zu kämpfen.

Heute befindet sich die schweizerische Uhrenindustrie insgesamt nicht in einer Position der Schwäche gegenüber ihren Konkurrenten, ganz im Gegenteil: Sie ist gesund und führt ihr Zepter mit sicherer Hand. Beim wirtschaftlichen Aufschwung wird sie wieder aufleben, denn sie verfügt über verschiedene Trümpfe: Starke Marken, attraktive Produkte, eine intakte Innovationsfähigkeit, eine hervorragende Ausbildung und eine weltweite Marktpräsenz.