Die Modekonzerne Inditex und Hennes & Mauritz (H&M) sorgten zuletzt mit der Expansion nach Asien für Schlagzeilen. Die schwedische H&M ist, nach der letzten Neueröffnung in Japan, in 28 Staaten tätig. Inditex mit Hauptsitz in Spanien ist über die Marke Zara sogar in 68 Staaten vertreten. Durch die internationale Ausrichtung versuchen sich die Unternehmen gegenüber klimatischen und konjunkturellen Einflüssen abzusichern.

Die Aktien der Modehäuser zeigen sich in stürmischen Börsenzeiten als verlässliche Werte. 63% der Analysten empfehlen derzeit, H&M zu kaufen. Der Analystenkonsens zum Zielpreis liegt bei 360.5 schwedischen Kronen (aktueller Preis: 327.5 Kronen).

Bei Inditex präsentiert sich das Bild noch eindeutiger, 69% der Analysten raten, den Titel zu kaufen. Der aktuelle Kurs von 31.5 Euro liegt 15,1% unter dem Konsens von 37.1 Euro.

Krise in Spanien

Inditex leidet jedoch unter der schwächeren Konsumentenstimmung in Spanien. Das Unternehmen generiert 40% des Umsatzes im Heimmarkt. Nach dem Platzen der spanischen Immobilienblase ist davon auszugehen, dass die Beschäftigung abnehmen wird. Zudem könnten die steigenden Lebenshaltungskosten einen negativen Einfluss auf die Kauflust der Konsumenten haben.

Die Analysten von Bernstein Research gehen nun jedoch davon aus, dass der negative Ausblick im aktuellen Marktwert der Aktie bereits eingepreist ist und deshalb Inditex für die unmittelbare Zukunft einiges Potenzial verspricht. Das hat auch seinen guten Grund. Für Inditex spricht laut Analysten der kurze Produktionszyklus.

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Längere Transportwege bei H&M

Das Geschäftsmodell basiert auf dem «Fast Follower»-Ansatz: Die Spanier versuchen, ein offenes Ohr für Modetrends zu haben und diese möglichst rasch umzusetzen. Das Lager von Inditex gilt daher als «frischer» als dasjenige von H&M. Artikel der Inditex-Fabrikate Zara, Pull & Bear, Massimo Dutti und Bershka können durch die schnellen Sortimentswechsel rasch ausverkauft sein.

Das verleitet die Konsumenten zu Spontankäufen. H&M hingegen belässt viele Artikel eine ganze Modesaison lang im Sortiment. Diesen Nachteil könne H&M auch nicht mit gelegentlichen Kollektionen von Stardesignern ausgleichen. Die Designlinien von Berühmtheiten wie Karl Lagerfeld oder Kylie Minogue haben zwar eine hohe Werbewirkung, generieren aber relativ wenig Umsatz.

Der Vorteil von Inditex liegt bei den Produktionsstandorten. Wird in Asien produziert, dauert es sechs bis neun Monate, eine Modeidee in den Laden zu bringen. Die Herstellung in Marokko, Portugal oder Spanien nimmt hingegen nur zwei bis drei Wochen in Anspruch. Inditex unterscheidet sich von H&M darin, dass nur ein Drittel der Produk- tion in Asien stattfindet. H&M hingegen setzt zu zwei Dritteln auf Klei-dung aus Fernost.

Das bedeutet, dass Inditex viel schneller auf neue Modetrends reagieren kann. Zusätzlich fallen die Transportwege deutlich kürzer aus. Die Differenz der Transport-dauer (von der Fabrik bis in den Laden) wird von Bernstein auf bis zu sechs Tage geschätzt. Zwar liegen die Löhne in Nordafrika 25% höher als in China, jedoch kann dieser Nachteil durch die gesteigerte Verfügbarkeit der Ware ausgeglichen werden.

Schwacher Dollar als Vorteil

Für 2009 erwarten die Bernstein-Analysten für das Modehaus H&M ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16, dasjenige von Inditex liegt bei deutlich tieferen 12. Ein gewisses Risiko könnte der Anstieg des Dollars bedeuten. Die Margen würden unter steigenden Produktionskosten leiden. Durch die Ausrichtung nach Asien wäre H&M eher davon betroffen.