Die Schweiz hat jetzt auch eine Wohnungsschwemme: Mit 72'294 leerstehenden Wohnungen hat der Leerwohnungsbestand in der Schweiz einen neuen Höchststand erreicht. Die jüngste Zunahme mit über 8'000 leeren Wohnungen ist der stärkste Anstieg in den vergangenen 20 Jahre. Die Mehrheit davon waren Mietwohnungen, womit im Mietwohnungssegment die schweizweite Leerwohnungsziffer auf 2,51 Prozent gestiegen ist.

Das zeigt der neueste Immobilienmonitor der Credit Suisse. Und gemäss den Ökonomen der Grossbank wird diese «Geisterstadt» leerer Wohnungen weiter wachsen. Im Gegensatz zur landwirtschaftlichen Überproduktion vor über 30 Jahren ist die aktuelle Fehlentwicklung laut den CS-Ökonomen jedoch nicht auf Subventionen, sondern auf rein privatwirtschaftliches Handeln zurückzuführen.

Dass Investoren weiterhin ohne Unterlass noch mehr Mietwohnungen bauen, sei grundsätzlich rational, weil sie sich dadurch attraktive Nettorenditen sichern. Die steigenden Leerstände würden zwar die Mieterträge unter Druck setzen, vermöchten aber die Renditeperspektiven nicht wirklich einzutrüben, so das Fazit der CS.

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Weiterhin sehr hohe Hauspreise in Zürich und Genf

Dazu passt, dass die Preise von Wohneigentum weiter steigen, unterstützt von der kräftigen Konjunkturerholung und der sinkenden Arbeitslosigkeit. Zudem halte das nach wie vor sehr tiefe Zinsniveau die Finanzierungskosten niedrig, stellt die CS fest.

Preisstützend wirke auch die kontinuierlich sinkende Zahl neu auf den Markt kommender Eigentumsobjekte, so dass die Preise weiterhin um 2 bis 3 Prozent steigen.

Der Preisanstieg sorgt auch dafür, dass in Teilen der Schweiz das Blasenrisiko an den Immobilienmärkten nach wie vor beträchtlich ist. So gelten gemäss dem «Real Estate Bubble Index» der UBS die Wohnimmobilienmärkte in Zürich und Genf weiter als überbewertet.

In Zürich seien im hochpreisigen Segment zwar die Preise unter Druck gekommen, schreiben die Ökonomen der UBS. In den unteren Preisklassen jedoch hätten die weiterhin tiefen Zinsen und die steigenden Einkommen für einen weiteren Preisanstieg gesorgt.

In der Genferseeregion dagegen hat sich laut UBS die Situation etwas entspannt. Die geringe Bautätigkeit in Verbindung mit einem moderaten Bevölkerungswachstum führten jedoch dazu, dass in der Stadt Genf aufgrund des zu tiefen Angebots die Preise hoch bleiben.

Die Rangliste der am stärksten von einer Immobilienpreisblase bedrohten Weltstädten führt Hongkong an. Hongkong hat den am stärksten überbewerteten Immobilienmarkt, zeigt der Index. Dahinter folgen München, Toronto, Vancouver, Amsterdam und London. In Stockholm, Paris, San Francisco, Frankfurt und Sydney bestehen grössere Ungleichgewichte.

In Los Angeles, Tokio und New York sind wie in Zürich und in Genf die Bewertungen hoch. Dagegen sind die Immobilienmärkte in Boston, Singapur und Mailand fair bewertet, während der Immobilienmarkt in Chicago sogar unterbewertet ist.

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Geringere Preissteigerungen als zuvor

Für den globalen Immobilienmarkt allgemein stellt die UBS keine Anzeichen einer gleichzeitigen exzessiven Kreditvergabe und Bautätigkeit fest. So wachse das Hypothekarvolumen nur halb so schnell wie in der Periode vor der Finanzkrise und auch die Preissteigerungen fielen geringer aus als in den letzten Jahren.

So sind laut UBS die inflationsbereinigten Preise in den letzten vier Quartalen noch durchschnittlich um 3,5 Prozent angestiegen, womit dieser Wert jedoch immer noch über dem 10-Jahres-Durchschnitt liegt.

(awp/tdr/mlo)