Der Zusammenbruch der Märkte riss viele Investoren mit sich. Einer Handvoll gelang es dennoch, satte Profite zu machen. Doch rechnen einige dieser erfolgreichen Manager damit, dass die Krise noch nicht überwunden ist, die Konsumenten weitere Probleme, sinkende Einkommen und möglicherweise eine wachsende Inflation zu erwarten haben. Und sie sehen eine Reihe günstiger Gelegenheiten.

George Soros ist für China, Indien und Brasilien optimistisch gestimmt. John Paulson investiert in faule Kredite, Hypotheken für Wohnhäuser, sogar in Unternehmen, die im Konkursverfahren stehen. Alan Fournier, ein weniger bekannter Investor mit guten Erfolgen, steht auf Gesundheitsak-tien, und James Melcher, der in letzter Zeit ebenfalls recht erfolgreich war, bevorzugt Unternehmensanleihen.

Rally hält bis nächstes Jahr

«Wir versuchen, die Ernte einzufahren, solange das Wetter günstig ist», sagt Fournier, der den 2,8 Mrd Dollar schweren Hedge-Fonds Pennant Capital managt. «Die Rally hält vielleicht den Sommer über, vielleicht sogar noch ein Jahr, aber es kommen noch genügend schwierige Themen auf uns zu.» Auch Investmentlegende Soros ist vorsichtig. Der 78-jährige Philanthrop sieht die derzeitige Situation als «Tradingmarkt»: Investoren sollten gleich Kasse machen, wenn die Kurse steigen, auch wenn sie langfristig vielversprechend aussehen.

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«Vielleicht machen wir wieder denselben Fehler, weil wir glauben, dass sich China und Indien von den Industrieländern abkoppeln werden», sagt Soros. Aber: «China ist der Hauptnutzniesser des Zusammenbruchs im Finanzsystem. China wird ein Motor für die Weltwirtschaft sein» und die US-Konsumenten teilweise ersetzen, so der Investor. Paulson, der in den Jahren 2007 und 2008 über 17 Mrd Dollar Gewinn gemacht hat mit Wetten gegen Subprime-Hypotheken und Finanzwerte, hatte zu Beginn des Jahres eine Menge Cash - gut 19 von 30 Mrd Dollar in seinem Hedge-Fonds. Aber nach gründlicher Suche in den Trümmern der Kreditmärkte kommt er zum Schluss, dass die gedrückten Preise eine Höhe an Zahlungsausfällen implizieren, deren Realisierung unwahrscheinlich erscheint.

In Banken investiert

«Wir richteten unseren Fokus daher vollständig auf die Kreditmärkte, die heute aggressive Käufermärkte sind», sagte Paulson jüngst in einem Interview. Diese Einstellung birgt Risiken - doch in den vergangenen vier Monaten kaufte Paulson konsequent riskant. Er erwarb sogar Aktien grosser Banken und Finanzunternehmen - Werte, gegen die er noch 2008 gewettet hatte. Als der Markt nun zurückkam, strichen Paulsons Fonds bis Ende Mai Gewinne bis zu 15% pro Jahr ein.

Sein Team kauft selektiv, da aufgrund der klammen Kassen bei Konsumenten mit geringerem Wachstum gerechnet wird. Aber Paulson kauft parallel sicher: Mehr als 10% stecken in Gold, berichten seine Investoren. Auch Fournier war unter den Ersten, die düstere Wolken über dem Immobilienbereich aufziehen sahen. Alan Fourniers Hedge-Fonds, Pennant Capital, verzeichnete in diesem Jahr bereits einen Gewinn von 9% aus gewerblichen und privaten Hypotheken.

Er ist jetzt für einen Sektor optimistisch, der auch bei anderen zunehmend Anklang findet: Gesundheitsvorsorge. Fournier hält Well-Point, einen grossen privaten Krankenversicherer, für einen heissen Tipp. Auch wenn manch einer sich sorgt, Obamas Pläne zur Reform des Gesundheitswesens könnten die Gewinne von WellPoint und ähnlichen Unternehmen einschränken, wären Änderungen in der Politik «keine so starke Bedrohung für die Health-Management-Organisationen, wie die Leute befürchten», so Fournier.

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James Melchers Team bei Ba-lestra Capital findet weniger Investmentmöglichkeiten. Balestra ist relativ klein - knapp unter 1 Mrd Dollar -, lange fuhr der Hedge-Fonds astronomische Gewinne ein: 2007 waren es 199%, letztes Jahr 46% und in diesem Jahr bisher 7%, wie Investoren berichten. Der Hedge-Fonds besitzt beliebte Unternehmensanleihen mit Top- Ratings, die rund 6,5% bringen. Aber Melcher ist zunehmend besorgt, der Aktienmarkt könn- te wieder teurer werden und Anleger könnten Probleme übersehen. «Die Rezession ist noch nicht vorbei, die Zahl der Arbeitslosen ist immer noch sehr hoch», sagt er. «Nur weil sich die Situa- tion jetzt langsamer verschlech- tert als bisher, heisst das noch nicht, dass alles viel besser wird.»