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US-Arbeitsmarkt
Trumps riskante Schuldenstrategie

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Der US-Präsident Donald Trump riskiert mit seiner Schuldenstrategie eine Weltwirtschaftskrise. Quelle: Chip Somodevilla/Getty

Gut ein Jahr nach seiner Amtseinführung bestätigt sich, dass Donald Trump weder Staatsmann noch Diplomat, sondern Geschäftsmann ist.

Von Christos Mallousis*
am 23.02.2018

Die Ausgangslage für Trump ist verheissungsvoll: Der US-Arbeitsmarkt ist nahe der Vollbeschäftigung, US-Unternehmen berichten über ausgezeichnete Geschäfte und beflügeln damit den Aktienmarkt, die Inflation liegt knapp unterhalb der angestrebten Zielmarke von 2% und die Politik der Zentralbank ist nach überwundener Finanzkrise auf dem Weg der Normalisierung. Es wäre nun an der Zeit, die drei Problemfelder der USA anzugehen – die Reduzierung des Handelsdefizits, den Ausgleich des Haushaltsdefizits und die Eingrenzung der Staatschulden. Trump bleibt sich aber als Geschäftsmann treu und setzt lieber auf rasant steigende Schulden.

Das Handels- und Haushaltsdefizit steigen deutlich an

Das Handelsdefizit der USA lag 2017 mit 566 Milliarden US-Dollar auf seinem höchsten Stand seit 2008 und knapp 60 Milliarden über dem von 2016. Insbesondere das hohe Defizit mit China und die aus seiner Sicht unvorteilhaft verhandelten Handelsabkommen sind Trump ein Dorn im Auge. Seine Antwort: Ein schwacher US Dollar, um die Exportindustrie wettbewerbsfähiger zu machen; die Auflösung und Neuverhandlung bestehender Handelsabkommen (NAFTA); die Einführung von Import- und Strafzöllen sowie die Stärkung der eigenen Binnenwirtschaft. Insbesondere die Währungsrhetorik und die angekündigten Import- und Strafzölle dürften die Gefahr für einen globalen Handels- und Währungskrieg deutlich erhöhen.

Das US-Haushaltsdefizit lag 2017 bei 680 Milliarden Dollar. Trumps Wahlversprechen werden es in den kommenden Jahren weiter belasten. Alleine die Steuerreform wird ersten Schätzungen zufolge, und nach Berücksichtigung der positiven Effekte, den Staatshaushalt über die nächsten 10 Jahre zusätzlich mit ca. 100 bis 150 Milliarden US Dollar jährlich belasten. Mit einem Schuldenstand von 105.4% zum Bruttoinlandsprodukt liegt die Staatsverschuldung der USA aktuell so hoch wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Um die Schuldenobergrenze noch weiter anzuheben, haben Demokraten und Republikaner Anfang Februar einen Kompromiss geschlossen, der die Staatsschulden in den kommenden zwei Jahren um weitere 320 Milliarden US Dollar erhöhen wird.

Der von Trump eingeschlagene Schulden-Weg birgt ein hohes Risiko. Sollte die Inflation deutlich über das angestrebte Ziel von 2% steigen, wäre die Zentralbank (FED) gezwungen, die kurzfristigen Zinsen deutlich stärker und schneller anzuheben als derzeit vom Markt antizipiert. Dies würde die Refinanzierung der Schulden deutlich verteuern und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum bremsen. Beide Faktoren würden den Staatshaushalt zusätzlich belasten und somit die Staatsschulden weiter anwachsen lassen.

Sollte Donald Trumps Strategie scheitern, stehen uns turbulente Zeiten bevor

Die Korrektur am Aktienmarkt Anfang des Monats wurde wohl von Spekulationen auf den Volatilitätsindex ausgelöst. Trotzdem haben die Inflations- und Zinsängste schnell Ihre Kraft entfaltet und die Korrektur stark beschleunigt. 2018 wird im Zeichen dieser Ängste stehen und zeigen, ob das Wirtschaftswachstum und die einhergehenden Entwicklungen am Aktienmarkt der vergangenen Jahre auf festen Beinen steht oder lediglich ein Produkt des schnellen und billigen Geldes war. Sollte Donald Trumps Strategie scheitern, stehen uns turbulente Zeiten bevor.

* Christos Maloussis, Market Analyst der IG Bank. 

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