1. Home
  2. Invest
  3. Tue Gutes – und verdiene Geld damit

Nachhaltigkeit
Tue Gutes – und verdiene Geld damit

Geld: Nachhaltige Anlagestrategien sind auf dem Vormarsch. Bild: Peter Frommenwiler

Starke Wachstumszahlen in der Schweiz und in Europa zeigen die steigende Beliebtheit von nachhaltigen Investments. Firmen und Vermögensverwalter verfolgen zusehends mehr als nur ein Renditeziel.

Von Daniel Wild
am 20.11.2014

Traditionelle Anlageentscheide orientieren sich an harten Renditezielen. Es geht aber auch anders: Das Vermögen, welches weltweit nach Nachhaltigkeitsgrundsätzen angelegt ist, hat jüngst die Marke von 13 Trillionen Dollar überschritten. Dies entspricht 21,8 Prozent der international professionell verwalteten Vermögen.

Dabei handelt es sich um ganz unterschiedliche Anlagekonzepte. Meistens werden sogenannte ESG-Faktoren in den Investitionsprozess einbezogen. Das Kürzel «ESG» steht für Environment, Social und Governance. Dabei ergänzen Fragen bezüglich Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung die klassische Finanzanalyse. Laut der Eurosif SRI Study 2014 sind Anlagen mit ESG-Integration seit 2011 um 65 Prozent auf 7,13 Billionen Euro gewachsen. Somit gehört die ESG-Integra­tion innerhalb des Sustainability Investing zur am schnellsten wachsenden Disziplin.

In allen Anlageklassen umsetzbar

ESG-Integration kann heute in allen Anlageklassen umgesetzt werden – in kotierten Aktien, Fixed Income, Immobilienanlagen, Private Equity oder gar Hedgefonds. Dabei bleibt das Verfahren dasselbe: Durch die Kombination von traditioneller Finanzanalyse mit ESG-Daten können die wichtigsten Wachstumstreiber und -hemmer einer Firma umfassender evaluiert werden.

Konkret werden Firmen systematisch daraufhin analysiert, wie gut die Leistungen in den jeweiligen ESG-Faktoren sind. Solche Aspekte sind beispielsweise das Management der Lieferketten, die Ressourceneffizienz oder das Risiko- und Krisenmanagement. Diese  ESG-Faktoren variieren in der Relevanz je nach Industrie; denn eine Bank hat andere Herausforderungen im Bereich der unternehmerischen Nachhaltigkeit als ein Industriebetrieb.

Auch bei den festverzinslichen Wertpapieren können ESG-Faktoren integriert werden. Der Untersuchungsansatz für Firmenanleihen ist dabei nicht substantiell anders als bei den Aktien, mag aber risikobezogene Kriterien stärker gewichten.

Auch auf Länderebene ist es möglich, ESG-Indikatoren zu prüfen. Bevölkerungsalter und -ausbildungsstand, medizinische Versorgung oder Energieinfrastruktur geben ergänzende Hinweise auf die finanzielle Stabilität eines Staates und vervollständigen die Informationsbasis für Voraussagen. Andere zentrale Faktoren sind die Stabilität des politischen Systems oder die Gleichbehandlung der Bürgerinnen und Bürger.

Ausschlusskriterien als Alternative

Eine weitere Form nachhaltigen Investierens ist die Anwendung von Ausschlusskriterien – wie das beispielsweise die Schweizerische Nationalbank (SNB) macht. Dabei werden Firmen nach individuellen, oft ethisch motivierten Krite­rien ausgesondert und so nicht mehr als Investitionsobjekt berücksichtigt. Investments, welchen Ausschlusskriterien zugrunde liegen, sind zwischen 2011 und 2013 um 38 Prozent auf 6,9 Billionen Euro gestiegen.

In letzter Zeit vermehrt aufgetreten sind Ausschlusskriterien auf fossile Energieträger (Fossil Fuel Divestments). Bekannte Anleger, die jüngst nicht mehr in fossile Energieträger investieren, sind die Rockefellers oder die Stiftung der Stanford-Universität in Kalifornien (USA).

Best-in-Class-Verfahren als zusätzliche Möglichkeit

Neben einem ESG-Ansatz oder einem Ausschlussverfahren gibt es auch noch eine dritte Möglichkeit: das Best-in-Class-Verfahren. Dabei geht es darum, in alle Sektoren investiert zu sein, aber nur auf jene Unternehmen zu setzen, die innerhalb ihrer Industrie in Bezug auf unternehmerische Nachhaltigkeit am besten abschneiden.

Die jüngste Entwicklung im Sustainability Investment ist aber das sogenannte Impact Investing, ein Thema, das bisher meistens auf spezielle Anlageklassen wie Private Equity oder Projektfinanzierung beschränkt war. Dabei geht es darum, messbar zu machen, welchen Einfluss das Investmentportfolio auf die Umwelt und die Gesellschaft hat. Je nach Anlegerwünschen kann dann dieser Einfluss noch gezielt verstärkt werden. Konkret wird in ein Unternehmen oder ein Projekt investiert, das sich nachhaltig für die Umwelt oder die Gesellschaft engagiert, ohne die Rendite aus den Augen zu verlieren.

 

Daniel Wild, Head of Sustainability Investing ­Research & Development und Mitglied der ­Geschäftsleitung, RobecoSAM, Zürich.

Anzeige