Die türkische Notenbank stemmt sich gegen den Absturz der Landeswährung. Nachdem die Lira am Freitag nach den gescheiterten Koalitionsverhandlungen ein Rekordtief erreichte, stützte die Zentralbank die Währung. Sie senkte den einwöchigen Dollar-Einlagezins auf 2,75 von zuvor 3,0 Prozent, hob die Vergütung für Devisen-Reserven leicht an und grenzte die Liquidität etwas ein. Händler bezeichneten die Massnahmen allerdings als überwiegend symbolisch und von begrenzter Wirkung.

Die Lira war am Freitag auf ein Rekordtief zum Dollar von 2,8460 gefallen. Nach den Schritten der Währungshüter ging es leicht nach oben. In diesem Jahr hat die türkische Währung zur US-Währung mehr als 17 Prozent verloren.

Starker Franken

Die Lira kam auch gegenüber dem Franken unter Druck – sie ist aber noch weit entfernt von ihrer Allzeitschwaäche. Derzeit kostet ein Franken rund 2,90 Lira, vor zwei Monaten kostete ein Franken fast 3,20 Lira.

Trotzdem: Die Währung schlägt sich seit dem Jahresbeginn auch gegenüber dem Franken schlecht. Die Lira startete mit einem Kurs von 2,35 ins Jahr. Seither hat die Währung mehr als 20 Prozent an Wert verloren.

Davutoglu will Neuwahlen

Am Donnerstag hatte sich Ministerpräsident Ahmet Davutoglu für Neuwahlen zum frühestmöglichen Zeitpunkt ausgesprochen. Zuvor war eine Regierungsbildung seiner konservativ-islamischen AKP mit der sozialdemokratischen CHP gescheitert.

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Die Aussicht erneuter Wahlen zum jetzigen Zeitpunkt wird von Beobachtern kritisch gesehen. Die Türkei bekämpft derzeit die Islamistenmiliz IS in Syrien sowie die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK. Bei der Wahl Anfang Juni hatte die AKP ihre absolute Mehrheit verloren und ist auf einen Partner angewiesen. Umfragen deuten darauf hin, dass bei Neuwahlen die AKP wieder mehr Stimmen erhalten könnte.

(reuters/ise)