Der weltgrösste Rückversicherer Swiss Re musste im 1. Quartal 2008 einen Gewinnrückgang von 53% auf 624 Mio Fr. hinnehmen, was unter den Erwartungen der Analysten lag. Der tiefere Reingewinn ist vor allem eine Folge von weiteren Abschreibungen auf risikoreichen Finanzanlagen von 819 Mio Fr.

Am Tag der Ergebnispublikation ist die Swiss-Re-Aktie unter Druck geraten. Die Zürcher Kantonalbank hat wegen der anhaltend hohen Risiken die Aktie auf «Marktgewichten» zurückgestuft. Trotz der verbesserten Marktbedingungen erwartet Swiss Re weitere Verluste von 200 Mio Fr. durch die Marktschwankung im April. Die verdienten Prämien sanken im 1. Quartal auf 6,457 Mrd Fr. von 8,091 Mrd Fr. Laut Vontobel sollte auch die Combined Ratio im Auge behalten werden, die von 93,8 auf 96,9% stieg.

Defensivere Anlagestrategie

Im Gegensatz zur risikofreudigeren Swiss Re verfolgt die Hannover Re eine defensivere Kapitalanlagestrategie. Bisher mussten erst rund 10 Mio Euro abgeschrieben werden. Im 1. Quartal 2008 hat der zweitgrösste Rückversicherer Deutschlands den Reingewinn um 23% auf 151,5 Mio Euro gesteigert. Die grössere Konkurrentin, Munich Re, wird am Donnerstag, 8. Mai 2008, das 1. Quartalsergebnis vorlegen. Der weltweit zweitgrösste Rückversicherer hat ein deutlich tieferes Anlageportefolio als Swiss Re. Kleiner ist auch die erwartete Gesamtbelastung durch die US-Hypothekenkrise: Der Rückversicherer musste bisher erst Abschreibungen in der Höhe von 166 Mio Euro auf Subprime-Investments vornehmen. Die Bank Vontobel prognostiziert ein Nettoergebnis in der Höhe von 797 Mio Euro, was einem Rückgang von 17% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Aussergewöhnliche Belastungen wegen der Finanzmarktkrise erwartet die Bank bei Munich Re nicht. Vielmehr wird wegen der niedrigen realisierten Kapitalgewinne und der Belastung aus Grossschäden mit einem Ergebnisrückgang gerechnet.

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Munich Re ist gleichzeitig im Erstversicherungsgeschäft tätig. Dieses Geschäft soll weiter ausgebaut werden. «Denn die Aussichten für die Rückversicherungsbranche sind gedämpft», sagt René Locher, Analyst bei Sal. Oppenheim. Der Preisdruck bei den Prämien nehme zu, weshalb die Rückversicherer lieber auf Neugeschäfte verzichten und dafür überschüssige Mittel an die Aktionäre zurückgeben.

Aktien sind tief bewertet

Entsprechend hoch ist die Dividendenrendite. Für Swiss Re und Hannover Re wird diese für das Jahr 2009 auf 5,1% geschätzt, für Munich Re auf 4,6%. Zudem scheinen die Aktien tief bewertet. Swiss Re wird auf Basis der Gewinnschätzungen für 2009 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 6,6 bewertet, während Hannover Re (KGV: 7,7) und Munich Re (KGV: 7,6) etwas höher dotiert sind. Sal. Oppenheim zieht die «berechenbarere» Munich Re der Swiss Re vor. Im Durchschnitt wird der Münchner Rückversicherer auch von den übrigen Analysten höher eingestuft als Swiss Re. Während knapp 40% der Analysten den Schweizer Rückversicherer zum Kauf empfehlen, sind es bei Munich Re etwas mehr als die Hälfte. Nur gerade rund 30% sehen dagegen beim kleineren Konkurrenten Hannover Re Kaufchancen.

Gemäss Locher von Sal. Oppenheim lohnt sich der Kauf von Rückversicherungstiteln vor allem nach grossen Schadensereignissen, wie etwa zuletzt nach dem Hurrikan Katrina im Jahr 2005.