Die Aktien der UBS zeigen sich nach einem schwachen Start deutlich fester. Die Marktteilnehmer, die in einer ersten Reaktion negativ auf den Abgang von CEO Oswald Grübel reagierten, schöpften im weiteren Verlauf Hoffnung für den Sektor. Hintergrund ist ein Bericht, dass führende EU-Funktionäre an einem Plan arbeiten würden, mit dem das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung wiederhergestellt werden soll. Teil dieses Plans sei es, die europäischen Banken mit Milliarden Euro zu rekapitalisieren.

Die Valoren der UBS starteten zwar einem Minus von 2,9 Prozent in den Handel, erholten sich dann aber im Einklang mit anderen Bankenwerte deutlich, nachdem die Meldung über den vermeintlichen Plan führender EU-Funktionäre bekannt wurde. Am späten Vormittag notieren die Titel in einem insgesamt freundlichen Schweizer Aktienmarkt auf 10.53 Franken (+4,1 Prozent). Noch besser performen die Aktien der CS mit +5,4 Prozent. Der Gesamtmarkt (SMI) steht ebenfalls im Plus mit 2,18 Prozent.

Der Abgang von CEO Oswald Grübel wird von den Kommentatoren insgesamt eher bedauert. Grübel habe das Institut stabilisiert und einen bedeutende Turnaround bewerkstelligt, schreibt etwa ZKB-Bankenanalyst Andreas Venditti. Die Bank stehe heute deutlich besser da als vor zweieinhalb Jahren, so Venditti weiter.

Anzeige

Bleibt Ermotti CEO?

Es sei zwar nachvollziehbar, dass jemand die Verantwortung für das Verhalten des Händlers, der der UBS einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar bescherte, übernehmen musste. Dass aber deswegen gleich der Gruppen-CEO den Hut nehme, sei doch erstaunlich, heisst es im Kommentar einer deutschen Privatbank. Der Schritt sei nicht im Interesse der Aktionäre, ergänzt Kian Abouhossein, Analyst von JP Morgan.

Grübel habe unter den Investoren hohes Vertrauen genossen und Unterstützung erhalten, sagte ein Händler. Es sei nun abzuwarten, ob die Kunden, die wieder verstärkt ihre Vermögen zur UBS brachten, der Bank ihr Vertrauen weiter entgegen bringen würden. Zumal der interimistisch ernannte CEO Sergio Ermotti weit weniger etabliert sei als Grübel, so der Händler weiter.

Zudem sei auch nicht sicher, ob Ermotti auch der definitiv CEO bleiben werde. Dass der VR noch keinen definitiven CEO ernannt habe, deute seiner Ansicht nach dahin, dass es keinen natürlichen Nachfolger für Grübel gebe, schreibt JP-Morgan-Analyst Abouhossein. Seiner Meinung nach müsse der künftige CEO fähig sein, die Komplexität des Investmentbankings auch auf verkleinerter Basis zu verstehen und diesbezüglich auch über einen entsprechenden Leistungsausweis verfügen. Derzeit sehe er innerhalb der UBS niemand, der darüber verfüge.

Vor dem Hintergrund der noch offenen CEO-Nachfolge und den wenigen Hinweisen, die der Verwaltungsrat bezüglich der künftigen Strategie machte, rätseln die Analysten darüber, welche Massnahmen die UBS am Investorentag im November vorstellen wird. Dass der CEO der Investment Bank, Carsten Kengeter, weiterhin in seiner Funktion bestätigt wurde, ist für WestLB-Analyst Georg Kanders ein Zeichen, dass die UBS an einer substanziellen Investment Bank festhalten will.

Nomura: UBS relativ attraktives Investment

Für Teresa Nielsen von der Bank Vontobel ist aufgrund der vom VR gemachten Äusserungen klar, dass Ermotti die Implementierung einer auf die Kundenbedürfnisse fokussierten, kapitaleffizienteren Investment Bank beschleunigen wird.

Dass die UBS sich in diese Richtung entwickeln werde, sei erwartet worden, heisst es in einem Kommentar der Deutschen Bank. Angesichts der regualtorischen Herausforderungen und der starken globalen Konkurrenz aber einfacher gesagt als getan, ergänzt dazu ZKB-Analyst Venditti.

Insgesamt werde die Restrukturierung respektive die Schrumpfung der Investment Bank aber Kapital frei setzen, zeigt sich Nomura überzeugt. Das gebe der Aktie Unterstützung, heisst es weiter. Angesichts der starken Bilanz und dem Schweizer Domizil der Bank seien die Aktien der UBS in einem Umfeld, das von Unsicherheit bezüglich der Stabilität der Eurozone geprägt sei, ein relativ attraktives Investment, schlussfolgert Nomura.

(tno/awp)