Mitte Februar flatterte der Basellandschaftlichen Kantonalbank ungewöhnliche Post ins Haus. Absender war die grösste Bank der Schweiz. Die UBS bewarb im Schreiben unter anderem ihre Steuerreporting-Dienstleistungen, die sie neu Drittbanken gegen Bezahlung zur Verfügung stellt.

Die kantonalen Banker in Liestal nahmen den Brief zur Kenntnis. Auf das Angebot gingen sie nicht ein. Die UBS gibt aber nicht so schnell auf. Auf der Empfängerliste der Gross­bank standen neben der Basellandschaftlichen Kantonalbank diverse andere Schweizer Finanzinstitute. Die Kantonalbanken von Schaffhausen, Luzern oder St. Gallen etwa bestätigen, von der UBS zum Thema kontaktiert worden zu sein.

Die Suche nach neuen Einnahmequellen

Die offensive Anpreisung von Dienstleistungen an Drittbanken ist eine Begleiterscheinung des Umdenkens, das derzeit bei den Finanzinstituten stattfindet.

Seit dem Fall des Bankgeheimnisses sinken die Kundenvermögen und damit auch die Erträge. Daher suchen die Geldinstitute fieberhaft nach neuen Einnahmequellen. Denn ihre Kosten sanken bisher kaum. Einzelne Banken mussten angesichts der veränderten Marktbedingungen bereits aufgeben. Sie verkauften sich zu kleinen Preisen an Konkurrenten.

Wie externe Vermögensverwalter

Die Verbliebenen forschen nach neuen Geschäftsmodellen, um im Weissgeld-Zeitalter doch noch Gewinn zu erwirtschaften. Ihr Hauptproblem: Der Verwaltungsaufwand für steuerkonforme ausländische Kunden nimmt stetig zu. Schuld daran sind die laufenden Änderungen bei ausländischen Steuergesetzen, neue Steuer- und Abgeltungssteuerabkommen oder die neuen amerikanischen Fatca-Richtlinien. «Für Schweizer Banken ist das nicht sehr angenehm, da sie viel investieren müssen, um die Einhaltung der Regeln dynamisch sicherzustellen», sagt Andreas Lenzhofer,

Finanzbranchenexperte von Booz & Company. Früher reichten Lösungen nach Schweizer Recht. Steuerehrliche Kunden hingegen müssen Banken mit Steuerabrechnungen, -auszügen und -optimierungsdienstleistungen in ihrem Heimatland versorgen. Das ist teuer.

Potential bei den kleineren Instituten

Die UBS macht aus der Not eine Tugend. Sie geht seit Anfang Jahr mit einer neuen Idee in die Offensive. Die Überlegung der Bank: Um den neuen weltweiten Anforderungen gerecht zu werden, muss die Grossbank für ihre eigene Kundenbasis sowieso eine komplizierte Infrastruktur aufbauen. Also wieso die Systeme zur steuergerechten Betreuung von Kunden nicht auch anderen Banken zur Verfügung stellen, welche sich die Investitionen selbst nicht leisten können?

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Potenzial macht die UBS dabei vor allem bei kleineren Instituten aus. Für eine Bank mit geografisch breit gestreuter Kundschaft sei es oft schwierig, profitabel zu wirtschaften, erklärt Martin Gehring, Client Relationship Director für Banken in der Schweiz und Liechtenstein bei der UBS. Alleine der Aufwand, Kundenberater auf dem Stand der Regulierungsvorschriften zu halten sowie Steuerauszüge und Produkte den Rahmenbedingungen anzupassen, wachse erheblich.

Abflüsse kompensieren

Will die Bank die Kunden behalten, muss sie nach Lösungen suchen. Solche bieten externe Steuerberater und neu eben auch die UBS an. «Die Dienstleistung ist dem Modell ähnlich, wie externe Vermögensverwalter und Banken zusammenarbeiten», erklärt Gehring.

In einer solchen Beziehung berät typischerweise der externe Vermögensverwalter den Kunden und überwacht dessen rechtliche Konformität. Die Bank ihrerseits führt die Kundendepots und versorgt den Vermögensverwalter mit Handelsdienstleistungen. Anstelle externer Vermögensverwalter sind die Abnehmer bei der UBS-Dienstleistung jedoch Drittbanken.

Zurzeit bietet die UBS Steuerreportings für Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Südafrika und die Vereinigten Staaten an. Gehring ist überzeugt, dass die Stückkosten seiner Dienstleistung günstiger sind als Eigenentwicklungen der Banken. Da die Grossbank erst seit Jahresanfang damit wirbt, gibt sie noch keine Abschlusszahlen bekannt.

Probleme in der Umsetzung

Für Booz & Company-Experte Lenzhofer ist grundsätzlich jede Bank, die deklarierte westeuropäische Kunden betreut, ein potenzieller Käufer solcher Dienstleistungen. Er geht deshalb von einem gros­sen Marktpotenzial aus. Lösungen seien insbesondere für Kunden aus Deutschland, Grossbritannien oder Frankreich notwendig. Denn die Steuergesetze in diesen Staaten seien sehr komplex. «Zudem befinden sie sich dauernd in Bewegung», so Lenzhofer. Derzeit stellten sich deshalb viele Banken die Frage, ob sie die Kom­petenz zur Sicherstellung der Steuerkonformität ihrer Auslandkunden selber aufbauen wollen oder ob sie das Know-how einkaufen könnten.

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Gemäss Felix Wenger vom Beratungsunternehmen McKinsey haben Banken drei Möglichkeiten, wenn sie die «kritische Masse in einem Markt» nicht erreichen. Entweder sie steigen aus, sie lagern Teile der Verwaltung aus oder beteiligen sich an der Konsolidierung.

Er beobachtet zwar Neuentwicklungen bei Outsourcing-Dienstleistungen, äussert jedoch auch Bedenken. «Aus Gründen der Vertraulichkeit und Servicequalität wollen viele Banken die Verwaltung traditionell nicht aus der Hand geben.» Zudem ist die Umsetzung angesichts der vielen Schnitt­stellen und der hohen Komplexität oft schwierig.

Banken geben Experten Recht

Die Banken bestätigen die Experteneinwände. Die Schaffhauser Kantonalbank etwa gibt an, in den Hauptmärkten über genügend eigene Ressourcen und Know-how zu verfügen. «Wir könnten uns vorstellen», fügt eine Sprecherin aber an, «bei Bedarf in exotischeren Ländern auf die UBS-Dienstleistung zurückzugreifen.»

Auch beim St. Galler Staatsinstitut heisst es, man stelle die Einhaltung der Regeln bisher eigenständig sicher. In einer zunehmend stärker regulierten Finanzwelt gewinnen Kooperationen aber an Bedeutung, so Sprecher Thomas Riklin. «Insofern sind wir grundsätzlich interessiert an Angeboten, wie sie von der UBS nun auf den Markt kommen.» Klar ist: Der Druck, solche Lösungen anzuschauen, nimmt zu.