Die Gewinnwarnung der UBS ist heftiger ausgefallen als erwartet, doch die UBS-Aktie stieg zeitweise um bis zu 10%. Die Grossbank hat im 1. Quartal einen Verlust von rund 12 Mrd Fr. eingefahren, dies nach Verlusten und Abschreibungen in der Höhe von rund 19 Mrd Dollar. Damit hat die Grossbank mit rund 40 Mrd Fr insgesamt so viel abgeschrieben wie bisher noch keine andere Bank auf der Welt.

Zudem wendet sich die UBS an die Aktionäre mit der Bitte um frisches Kapital in Höhe von 15 Mrd Fr., und nicht zuletzt hat Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel über Nacht nun doch noch seinen Rücktritt erklärt und wird durch den offiziell als «Wunschkandidaten» bezeichneten UBS-Chefjuristen Peter Kurer abgelöst (siehe Seite 2). Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) begrüsst den Wechsel an der Spitze.

Die «bad bank» kommt

Die Grossbank lagert ferner ihre umfangreichen Positionen in eine eigene Abwicklungsgesellschaft aus, eine von Analysten «bad bank» genannte Einheit («Handelszeitung» vom 19.03.08). An dieser könnten sich später auch andere Gesellschaften beteiligen, wie beispielsweise Hedge-Fonds.

Anzeige

Im 1. Quartal konnte ein Teil der Risikopositionen abgebaut werden. Doch «das Schlimmste ist noch nicht vorbei, es drohen ganz klar weitere Abschreiber», sagt der emeritierte Wirtschaftsprofessor Walter Wittmann. Analyst Peter Thorne von Helvea ergänzt: «Es könnte noch mehr kommen, denn Problempositionen in der Höhe von 60 Mrd Fr. wurden nicht erklärt.» Der Analyst zeigt sich auch enttäuscht darüber, dass es keine klaren Signale für einen Verkauf der Investmentbank gab. Wittmann glaubt dagegen nicht, dass sich die Investment-Einheit verkaufen lässt. «Jedenfalls nicht zu einem guten Preis.» Die UBS will offiziell weiter am «One-Bank-Konzept» festhalten. «Doch alle Bereiche müssen profitabel arbeiten», schränkt CEO Marcel Rohner ein.

Bei den institutionellen Kunden ist für die ersten drei Monate mit einem Netto-Abfluss zu rechnen. In der Vermögensverwaltung erwartet die UBS im 1. Quartal 2008 aber unter dem Strich einen positiven Netto-Neugeldzufluss. «Das Wichtigste für die Bank ist, dass es im Wealth Management nicht zu Abflüssen kommt», sagt Dirk Becker, Analyst von Landsbanki Kepler.

Nach den Worten von CEO Marcel Rohner konnte die UBS Mittelabflüsse in der Schweiz mit Zuflüssen in anderen Regionen ausgleichen. Dabei tritt die Grossbank weiter auf die Kostenbremse, was auch einen weiteren Stellenabbau zur Folge haben wird, dessen Ausmass allerdings erst in den nächsten Wochen bekannt gegeben wird. «Es könnte dramatische Einschnitte geben», erwartet Becker von Landsbanki Kepler.

Keine Gewinnprognose

Da die Märkte weiterhin verrückt spielen, sieht sich UBS-CEO Marcel Rohner nicht in der Lage, für das 2. Quartal eine Gewinnprognose abzugeben.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist, dass die ordentliche Kapitalerhöhung erst im Mai durchgeführt werden kann. Falls der Kurs der UBS-Aktie in der Zwischenzeit sinkt, muss die Bank mehr Aktien ausgeben als geplant. Die Kapitalerhöhung wird von verschiedenen Banken garantiert. Der Singapurer Staatsfonds hat noch nicht entschieden, ob er an der Kapitalerhöhung teilnehmen will. Mit dem frischen Kapital erreicht die UBS eine Kernkapitalquote von 10,7%. Bei der letzten Kapitalerhöhung von 13 Mrd Fr. strebte UBS noch eine deutlich höhere Quote von komfortablen 12% an.

Dirk Becker will nicht ausschliessen, dass das aufgenommene Kapital am Ende auch nicht ausreichen wird. Die UBS selbst ist zuversichtlich. CEO Marcel Rohner: «Im Moment bin ich überzeugt, dass es kei-ne neue Kapitalerhöhung braucht.»

 

 


Credit Suisse ebenfalls von der Krise eingeholt

Die Credit Suisse (CS) hat sich zwar rechtzeitig aus dem Geschäft mit US-Subprime-Hypotheken zurückgezogen, sieht sich aber dennoch mit Risiken konfrontiert. Erstens steckt der Teufel im Detail. Prima vista wirken die CDO-(Collatoral Debt Obligation-)Positionen der CS per Ende Februar mit netto 2,4 Mrd Fr. eher bescheiden. Nicht enthalten sind Absicherungen auf diesen Positionien in der Höhe von 13,3 Mrd Fr. «Diese Absicherung funktioniert im Moment nicht mehr richtig, weshalb insbesondere die CS dem sogenannten Basisrisiko ausgesetzt ist», sagt Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Deshalb erwartet er bei der CS weitere Abschreiber im CDO-Bereich.

Zudem hat sich die Krise auf weitere Bereiche ausgedehnt, in denen die Grossbank stark engagiert ist, die kreditfinanzierten Übernahmen und die verbrieften Geschäftshypotheken. Per Ende 2007 sass die CS auf verbrieften Geschäftshypotheken in der Höhe von 25,9 Mrd Fr., im Bereich kreditfinanzierte Übernahmen standen Ende 2007 36 Mrd Fr. in den Büchern. Der Hauptgrund für die CS-Gewinnwarnung waren aus Sicht von Derek Chambers, Bankanalyst von Standard & Poors Equity Research, die verschlechterten Konditionen im Markt für kreditfinanzierte Übernahmen. Der Analyst schätzt, dass die CS bei kreditfinanzierten Übernahmen im 1. Quartal mindestens 3 Mrd Fr. abschreiben muss. Bear Stearns erwartet, dass der Verlust im 1. Quartal 2008 57 Mio Fr. beträgt. (ng)