Der UBS-Chef-Kreditstratege für Europa schätzt, dass die Kreditkrise total Verluste von mindestens 600 Mrd Dollar mit sich bringt. Mit dieser Einschätzung hat er die Aktien der eigenen Bank gleich selber weiter auf Talfahrt geschickt. Der Börsenwert des Unternehmens hat sich seit Ausbruch der US-Subprime-Krise im vergangenen Sommer etwa halbiert, die Aktie kostet heute rund 33 Fr., so wenig wie seit rund fünf Jahren nicht mehr.

Schätzungen wie jene der Grossbank hämmern die aktuellen negativen Faktoren ins Bewusstsein: Es ist noch kein Boden im US-Subprime-Markt gefunden, die Kreditkrise weitet sich aus, und das Problem mit den US-Kreditversicherern ist noch nicht gelöst. Die Unsicherheit hält damit weiter an.

Auch die Analysten der Credit Suisse lassen es sich nicht nehmen, auf weitere Milliardenabschreiber bei der Konkurrentin hinzuweisen: «Neue Abschreibungen scheinen wahrscheinlich und könnten hoch ausfallen.»

Dirk Becker, Analyst von Landsbanki Kepler, ergänzt: «Es gibt keine Garantie, dass die genehmigte Kapitalerhöhung ausreicht.» Zudem bestehe die Gefahr, dass es wegen der Misere im Investment Banking zu Mittelabflüssen im Vermögensverwaltungsgeschäft komme. «Und schliesslich kann eine erfolgreiche Klage der HSH Nordbank eine Prozesslawine auslösen.»

Gegen die Stimmung denken

Angesichts dieses Damoklesschwerts, das über dem UBS-Aktienkurs schwebt, scheint ein Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt noch verfrüht. Doch je tiefer der UBS-Titel fällt, desto mehr sollten für die Anleger die positiven Argumente wieder in den Vordergrund rücken. «Der aktuelle Börsenwert der UBS wird bereits durch das Private Banking abgedeckt», erinnert Georg Kanders, Analyst bei der WestLB. Er erwartet auch nicht, dass das Vermögensverwaltungsgeschäft nachhaltig unter der aktuellen Kreditkrise leiden wird. «Die UBS-Aktie wird sich rasch erholen, wenn sich abzeichnet, dass die Kreditkrise zur Ruhe kommt und das Investment Banking keine Verluste mehr macht», ist er überzeugt.

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UBS-Verwaltungsrat kauft zu

Ein Lichtblick für die UBS-Aktionäre sind auch die jüngsten Managementtransaktionen, die auf der Homepage der SWX Swiss Exchange publiziert wurden. Seit Mitte Februar 2008 sind drei Kauftransaktionen eines «Nicht-Exekutiven Verwaltungsratsmitglieds» verzeichnet, zweimal wurden 40000 Titel erworben, einmal 6900 Aktien. «Das ist ein Ausdruck des Vertrauens», kommentiert Kanders von WestLB, der zu dem Drittel der Analysten gehört, welche die Aktien der Grossbank derzeit noch mit einer Kaufempfehlung bewerten.

Zuvor wurden von UBS-Insidern über Monate kaum wesentliche Aktienkäufe oder -verkäufe gemeldet. Eine Reihe von Verkaufsaufträgen wurde allerdings im Frühsommer vergangenen Jahres aufgegeben. In der Zeit vom 4. Mai bis 18. Juni 2007 wurden diverse Veräusserungen von insgesamt gegen 250000 Titel vermeldet, und zwar jeweils von einem «Exekutiven Verwaltungsratsmitglied oder einem Mitglied der Geschäftsleitung». Zur Erinnerung: Am 3. Mai 2007 gab es bereits erste Anzeichen für eine Krise am US-Hypothekenmarkt.

Die UBS gab damals nämlich einen Verlust von 150 Mio Fr. ihres hauseigenen Hedge-Fonds Dillon Read Capital Management (DRCM) bekannt. Der Hedge-Fonds wurde in die Investment Bank zurückintegriert.