Bald herrscht Klarheit: In den nächsten zwei Wochen dürfte das Appelationsgericht des Staates New York darüber entscheiden, ob die grosse Wette des Genfer Milliardärs und Alinghi-Segelunternehmers Ernesto Bertarelli aufgeht oder nicht. Die letzte Rechtsinstanz in dieser zivilen Auseinandersetzung muss ein für allemal klären, ob Bertarelli die Regeln des Americas Cup verletzt hat und deshalb nicht wie geplant die 33. Ausgabe des renommierten Wettbewerbs im nächsten Sommer durchführen darf.

Das hätte wohl massive Folgen für den Titelverteidiger, wie die «Handelszeitung» bereits im vergangenen Dezember berichtete. Damals legte die UBS ihr Alinghi-Engagement auf Eis. Nun bekräftigt UBS-Sprecherin Rebeca Garcia, dass eine Unterstützung von Alinghi erst in Betracht komme, wenn «Klarheit über die Art und Weise des nächsten Americas-Cup» herrsche. Die letzte Cup-Austragung im Sommer 2007 in Valencia hatte die Grossbank noch mit 35 Mio Fr. finanziert.

Bertarelli unterschätzte Protest

Dass die UBS scharf auf die Bremse tritt, muss sich Bertarelli selbst vorwerfen. Der Milliardär, der noch bis Mitte April im Verwaltungsrat der Grossbank sitzt, hat den Widerstand gegen die von ihm geplanten Reformen des Cups massiv unterschätzt. Nachdem Bertarelli und Alinghi den Titel im Frühling 2003 errungen und ihn 2007 in Valencia erfolgreich verteidigt hatten, bestimmte deren Segelclub Société Nautique de Genève den aus dem Boden gestampften Club Náutico Español de Vela als ersten Herausforderer (Challenger) für die nächste Ausgabe.

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Das liess sich Bertarellis grösster Segel-Widersacher Larry Ellison von Team Oracle nicht bieten. Der Golden Gate Yacht Club, für den der Software-Milliardär Ellison an den Start geht, pochte auf das Cup-Reglement (Deed of Gift), das seit 1887 erst zweimal revidiert worden ist und das ausschliesslich «organisierte» Segelklubs als reguläre Cup-Teilnahmer vorsieht, die mindestens eine jährliche Regatta auf dem Meer durchführen.

Ellisons Oracle gewann die erste Gerichtsrunde, Alinghi die zweite. Nun sind die Kontrahenten zum dritten und entscheidenden Kampf angetreten.

Am 10. Februar legten ihre Rechtsanwälte den jeweiligen Standpunkt dar. Gewinnt Alinghi, werden die Spanier Challenger und werden den Americas Cup nächsten Sommer nach Bertarellis Gusto in Valencia durchführen. Erhält Ellisons Oracle-Team Recht, dann kommt es gemäss Deed of Gift zum Zweikampf mit Alinghi in einem Katamaran-Rennen zur Kür des nächsten Titelverteidigers (Defender).

Obwohl finanziell viel auf dem Spiel steht, gibt sich Alinghi nach aussen gelassen. Mit der UBS existiere seit Februar eine Übereinkunft, wonach die Grossbank ihre Partnerschaft bis nach dem Gerichtsurteil «aufrechterhalte», hat das Team kürzlich per Communiqué mitgeteilt. Das Gleiche gelte für «andere bestehende oder potenzielle Alinghi-Sponsoren».

UBS tritt auf Kostenbremse

Dass die UBS-Sponsorengelder harziger fliessen, kriegen nicht nur die Segler zu spüren. Man wolle auch die Verträge für die Leichtathletik- und Kulturanlässe bei deren Ablauf überprüfen, sagt Sprecherin Garcia: Alle auslaufenden Sponsoringverträge würden «wie üblich» unter die Lupe genommen. «Sie müssen in Zukunft nicht nur ins Konzept passen, sondern auch dem Kostendruck und der finanziellen Lage der Bank Rechnung tragen.»

Bei UBS-Konkurrentin Credit Suisse würden Sponsoringverträge hingegen «unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage» auf ihren Nutzen überprüft, sagt ein Sprecher.