Die Spezialisten des europaweit tätigen Fondsanalysehauses Feri EuroRating Services glaubten zuerst an einen Systemfehler, als die neu erhobenen Daten zur September-Performance über den Bildschirm flackerten. 30,40% Minus: Das könne doch nicht sein, waren sich die Fondsprofis sicher. Doch mit jedem erneuten Test zeigte sich, dass das System nicht irrte die Börsenturbulenzen des vergangenen Monats haben die Fondsinvestoren hart getroffen.

Konsternierte Fondsverwalter

Am schlimmsten erwischt hat es die Aktienfonds: Die in der Schweiz gehandelten Produkte verloren im September durchschnittlich 14% ihres Werts, wie Feri errechnet hat. Das entspricht, gemessen am Volumen von 132 Mrd Fr. vom letzten August, einem Vermögensabfluss von 18 Mrd Fr. Mit dem rabenschwarzen Auftakt in den Oktober dürfte nun noch einiges dazugekommen sein.

«Aktienfonds haben teils sehr negative Resultate gebracht», urteilt auch Rolf Maurer, Partner der Zürcher Fondsanalysefirma Bevag Better Value. Insbesondere gelte das für Vehikel, die sich auf Nischenmärkte wie Osteuropa oder Russland konzentriert hätten. Bei den Betreibern jener Investment-Portefeuilles herrscht dementsprechend Konsternation. «Experten haben vor den Risiken gewarnt – aber nur wenige haben die Natur dieser Risiken erkannt», entschuldigt sich die Firma Parex, deren Russian Equity Fonds innert Monatsfrist fast ein Drittel seines Werts eingebüsst hat.

Anzeige

Auch Defensive halfen nicht

Aber auch Instrumente, welche die Gelder ihrer Anleger am Schweizer Aktienmarkt investieren, haben herbe Einbussen hinnehmen müssen. Gemäss Feri hat etwa der Fonds DWS Zuerich Invest Aktien Schweiz der Deutsche-Bank-Tochter DWS im September fast 15% an Wert verloren (siehe Tabelle). Dies, obwohl der Fonds dem Factsheet zufolge die defensiven Werte Nestlé, Roche und Novartis am schwersten gewichtet hat. Schwierigkeiten hat möglicherweise der hohe Anteil an Industrietiteln bereitet; ihr Anteil am Portefeuille beträgt 27%. Eine Wette, die angesichts einer sich abkühlenden Konjunktur kurzfristig nicht aufgegangen zu sein scheint. Ebenfalls unterdurchschnittlich abgeschnitten haben der Parvest Switzerland C und Base Investments Sicav Equities Switzerland mit je um die 11% Verlust. Zum Vergleich: Der breite Swiss Performance Index (SPI) ist in der gleichen Zeit 8% gefallen.

Allerdings gab es auch in diesem widrigen Umfeld Aktienfonds, die sich einigermassen halten konnten. So der Aquila International F-Corby Swiss Equity. Sein Management hatte schwergewichtig auf Konsumgüter gesetzt und konnte so im September den Verlust bei «nur» 2% halten.

Verluste auf Obligationen

Damit erwies sich der Fonds als so krisenresistent wie ein beliebiger Obligationenfonds. Denn auch diese lagen vielfach im Minus – obschon ja gerade sie als sicherer Hafen bei stürmischen Börsen gelten. Doch diesmal wurden sie ihrem Ruf nicht gerecht: Manager, die nicht früh genug in Staatsanleihen flüchteten, hatten das Nachsehen. Bezeichnenderweise haben etwa die Credit-Suisse-Vehikel XMTCH (CH) on SBI Domestic Government Gewinne erzielen können, während ein auf Unternehmensanleihen spezialisierter Fonds wie der Pictet F (LUX)-EUR Corporate Bonds-HP Cap-CHF fast 5% im Minus liegt.

Doch die heute heiss begehrten Staatsanleihen sind nicht zwingend die beste Lösung für die Zukunft. Maurer von Bevag sieht weiterhin bei ganz normalen Aktienfonds gute Chancen – wenn davon ausgegangen werde, dass mittelfristig eine Erholung an den Märkten bevorstehe. «Eher abzuraten ist dagegen von Obligationenfonds auf Staatsanleihen», so Maurer. Ebenfall mit Problemen behaftet sind derzeit die Geldmarktfonds. Sie leiden unter der Kreditklemme und sind teils in illiquiden Firmenpapieren engagiert.