Auf den ersten Blick sind Rohstoffanlagen sehr attraktiv: Der CRB-Gesamtindex steht heute 20% höher als im Jahr 2000, der Rogers International Commodity-Index hat sich fast verdoppelt. Der EuroStoxx-50 hingegen ist in dieser Frist um die Hälfte gefallen.

Hedge-Fonds springen auf

Nicht alle Rohstoffe performten dabei gleich stark: So ist der Edelmetall-Subindex des Dow-Jones-UBS-Index in den letzten fünf Jahren um 80%, der Unterindex der Industriemetalle um 70% gestiegen. Der Energie-Teilindex dagegen ist um 80% gefallen, und mit dem Subindex der Agrargüter war per saldo überhaupt kein Geld zu verdienen. Zudem waren bei praktisch allen Rohstoffen und hier insbesonders bei den Agrargütern die Schwankungen in den letzten Jahren riesig. Wer beispielsweise zwischen Mitte 2006 und Sommer 2008 eingestiegen war und nicht rechtzeitig vor dem Juli 2008 wieder Gewinne mitgenommen hatte, verlor viel Geld.

Bei Agrarrohstoffen kommt neben dem schwierigen Spiel von Angebot, Nachfrage, saisonalen Schwankungen und Lagerzyklen ein weiterer, schwer kalkulierbarer Faktor zusätzlich hinzu: Das Wetter. So hatten zwei gute Ernten den Weizenpreis nach 2008 um 70% fallen lassen - erst im Juli zogen die Preise aufgrund der trockenen Witterung in Osteuropa und der Brände um Moskau wieder an. Grund war hier kein Engpass, sondern lediglich die Befürchtungen einiger Anleger, dass es zu einer Verknappung kommen könnte. Prompt sprangen laut den Analysten der Bank of America Trendfolge-Anleger wie Hedge-Fonds auf und ebenso rasch wieder ab.

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Denn die Kornspeicher in den USA waren nach einer Rekordernte gut gefüllt, und die Preise vieler Agrargüter-Terminmärkte reagieren heftig, weil hier die Liquidität im Vergleich zum Rohölmarkt klein ist. Vergleichbare Entwicklungen gab es in den letzten Monaten laut den Analysten von Morgan Stanley auch bei Mais, Palmöl und Sojabohnen. Hinzu kommen bei vielen Agrarrohstoffen rasche Veränderungen der Anbauflächen, die schnell zu den sprichwörtlichen Schweinezyklen führen. Während die Kaffee-, Kakao- und Teeproduktion eine jahrelange Vorbereitung und ein geeignetes Klima erfordert, sind Farmer beim Anbau von Getreidesorten flexibler.

Echte Trader-Werte

Und noch ein wichtiger Aspekt wird im jetzigen Preisschub gerne übersehen: Längerfristig fallen die Agrarpreise nämlich unaufhaltsam. In den letzten 50 Jahren hat sich die Weltbevölkerung praktisch verdoppelt, die Agrarpreise haben aber inflationsbereinigt teils deutlich nachgegeben. Die heute hohen Preise seien deshalb nicht nachhaltig, sagen Analysten der französischen Bank Société Générale. «Wir halten Mais um 19% überbewertet, Weizen 17% zu teuer, und für Sojabohnen werden 8% zu viel bezahlt.»

Derweil weitet sich das Angebot aus: Global steigt die Produktivität laut einer Untersuchung der OECD und der Welternährungsorganisation FAO zwischen 2 und 3%. Wenn die aufstrebenden Länder wie Indien hier ihren grossen Rückstand weiterhin aufholen, dürfte sich an diesem Trend laut den Experten nichts ändern - trotz der heftigen Preisausschläge in beide Richtungen, die diese Anlagen zu Trader-Werten machen.

Analysten der Société Générale empfehlen derzeit, bei den Agrarindexanlagen oder Tracker-Produkten wie CORNO, CORNQ auf Mais oder TWWCI auf Weizen Gewinne mitzunehmen. Versierte und risikofähige Anleger finden beim Weizen auch drei Calls und Puts sowie zwei Mini-Futures in der «Short»-Variante.