Vor drei Jahren bestand die Welt der IT-Konzerne aus einigermassen klar abgesteckten Revieren: IBM verkaufte Dienstleistungen, Software und Computer. HP und Dell setzten praktisch alles ab, was es an Hardware gab. Cisco tat das Gleiche im Datennetzwerkbereich. Und Sun Microsystems kämpfte im Kerngeschäft, grosse Server mit dem Betriebssystem Unix, mit Absatz- und Marktproblemen.

Inzwischen sind diese Reviergrenzen offen geworden. HP verstärkte mit dem Kauf des IT-Dienstleisters EDS seine Servicesparte entscheidend und konkurrenziert jetzt IBM. Cisco kündigte vergangene Woche den Eintritt ins Servergeschäft an und sieht dort HP und Dell als Rivalen an. Dell seinerseits experimentiert ziemlich erfolglos mit neuen Absatzmodellen und tut sich hier mit Apple im Consumerumfeld und HP bei Firmenkunden weiterhin schwer. Und Sun Microsystems, die im Gegensatz zu Dell oder HP noch alle Schritte der Fertigung, vom Computerchip über das Betriebssystem bis zur Programmiersprache, alle wichtigen Bereiche des Computergeschäfts selber herstellt und kontrolliert, kämpft im Kerngeschäft weiterhin gegen IBM und HP, die eigene Unix-Rechner herstellen.

Will IBM Sun wirklich kaufen?

Vergangene Woche veröffentlichte das «Wall Street Journal» einen Bericht, wonach IBM jetzt mit einer freundlichen Übernahme von Sun liebäugelt. IBM wollte 6,5 Mrd Dollar auslegen, das doppelte der Marktkapitalisierung von Sun, bevor diese Nachricht publik wurde. Ob die Sache gelingt, ist noch offen. «Vor dem Hintergrund, dass sich IBM aus den meisten Hardwarebereichen zurückgezogen hat und sich auf Services und Software konzentriert, sind wir überrascht, dass IBM jetzt der Käufer sein soll», meint Bill Shope, Analyst bei der Credit Suisse. «Zudem ist das Serversegment, in dem sich Sun bewegt, stark unter Druck und ein Kauf würde auch strategisch kaum Sinn machen.» Sun hat sich in den vergangenen Jahren ein einigermassen florierendes Softwareportfolio aufgebaut - an diesem könnte IBM interessiert sein, auch, um im Open-Source-Umfeld eine Alternative zum oft gebündelten Microsoft-Intel-Dell-Angebot aufzubauen. «Beim Ausbau des IBM-Softwareportfolios liegt denn auch für uns ein plausibler Grund für eine Übernahme, aber nur, wenn bei Sun weitere Stellen abgebaut werden», meint Ben Reitzes, Analyst bei Barclays Capital. Allerdings bestehen beträchtliche kulturelle Differenzen zwischen den IBM-Anzugträ- gern aus dem Bundesstaat New York und den legeren Entwick- lern bei Sun. Sun hätte deshalb besser zu HP gepasst, aber die hatten laut dem Zeitungsbericht abgewunken.

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Laut den Analysten bleiben die grossen, integrierten Konzerne HP, IBM und Cisco die erste Wahl für Anleger, auch wenn sie unter den Folgen der Wirtschaftskrise leiden. Dell und Sun Microsystems gelten als Verkaufskandidaten. IBM ist gegenwärtig weniger volatil als HP oder Cisco, weil hier die langfristigen Serviceverträge und die mittelfristigen Softwarelizenzmodelle das Geschäft stabilisieren. Seit letztem Dezember ist der IBM-Kurs lediglich um 21% zurückgegangen. Die Cisco-Aktie verbilligte sich um 30%, die von HP um 38%. Allerdings ist auch das Aufwärtspotenzial kleiner als bei HP und Cisco, wo die Hardwareverkäufe ungleich wichtiger sind.

Für IBM setzt Scott Craig, Analyst bei der Bank of America, ein Kursziel von 105 Dollar. Calls wie IBMVI oder DB53SN sowie Puts wie IBMPP oder DB43J7 sahen in den letzten Tagen einige Positionsverschiebungen. Von den drei Discountern weist DB8CYG die defensivsten Konditionen mit einem Cap bei 100 Dollar auf. Und auch bei den drei Reverse-Convertibles wurde lediglich bei VON9DO die Barriere noch nicht verletzt.

Barclays-Analyst Reitzes hat für HP ein Kursziel bei 37 Dollar berechnet. Bei HP fiel der am Geld liegende Put DB66SU mit einigen Handänderungen auf - offenbar sichern sich hier Anleger gegen tiefere Kurse der Aktie ab. Der Call HPQVE weist bei den Hebelpapieren zurzeit die besten Konditionen auf, der Ausübungspreis liegt hier bei 40 Dollar. Bei den Discountern ist DB3CXY mit einem Cap bei 40 Dollar erwägenswert.

Übernahmebasket konstruieren

Für Cisco sieht Jefferies-Analyst William Choi ein Kursziel bei 18 Dollar. Hier weisen gegenwärtig Warrants wie CSCVO oder CSCEE die attraktivsten Eckwerte auf. Zudem gibt es mit EFBVM und DB3CVU zwei attraktive Discounter, wobei EFBVM deutlich defensiver ausgelegt ist. Von den vier Barrier-Reverse-Convertibles sind bei VON9BF und VON8WB die Barrieren noch intakt.

Falls es nicht zu einem Kauf von Sun durch IBM kommt, dürfte der Preis der Sun-Aktie wieder auf das 4-Dollar-Niveau abstürzen. Puts wie DB67HJ oder DB67HG sind für solche Szenarien geeignet. Und Anleger, die von einer Konsolidierung bei den grossen IT-Firmen ausgehen, können sich einen eigenen «Übernahmebasket» konstruieren. CS-Analyst Bill Shope nennt neben Sun Microsystems auch den Speicherkonzern EMC als plausibles Ziel. Der Warrant-Basket zur Umsetzung besteht dann aus DB44HE für Sun und DB79QT für EMC.