Nächstes Jahr kommt Bewegung in den Markt für Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisition, M&A). Dies, nachdem dieser im laufenden Jahr stark eingebrochen und fast stillgestanden ist. «Im 1. Semester 2009 haben sich die Transaktionsvolumina gegenüber dem Vorjahr praktisch halbiert und verharrten auf einem sehr tiefen Niveau», erklärt Philipp Hofstetter, Partner Wirtschaftsberatung beim Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC). Erst im 2. Halbjahr habe sich ein leichter Aufwärts-trend im M&A-Markt gezeigt.

Ähnlich sieht dies Marc Möckli, Partner bei der auf M&A spezialisierten Corporate Finance Group: «Die Talsohle wurde im laufenden Jahr durchschritten, es wäre aber verfrüht, eine starke Erholung zu prognostizieren.»

Rückkehr zur Normalität

Zumindest eine Rückkehr zur Normalität ist allerdings im kommenden Jahr zu erwarten. Wie eine Befragung der Boston Consulting Group (BCG) unter mehr als 160 CEO von börsenkotierten Unternehmen in Europa ergeben hat, dürfte der M&A-Markt gegenüber 2009 um rund 20% zulegen.

Weniger ausgeprägt wird die Zunahme in der Schweiz ausfallen. «Wir erwarten einen Anstieg der Anzahl Transaktionen um rund 10% auf gut 500 Deals», sagt Möckli. Viele strategische Käufer würden sich momentan Akquisi-tionsobjekte anschauen, vor allem mit dem Ziel, sich in ihrem Kerngeschäft zusätzliche Marktanteile zu sichern. «Bei den Käufern besteht nach wie vor ein Investitionsstau. Ihre Suche nach interessanten Investitionsmöglichkeiten wird 2010 zu Deals führen», bestätigt auch Hofstetter.

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Begünstigt wird die zunehmende Aktivität im M&A-Markt dabei durch die wirtschaftliche Stabilisierung und durch die Aufhellung bei der Finanzierung. Dennoch zeigt die BCG-Befragung, dass die Käufer weiterhin vorsichtig agieren und vor einer neuen Verschuldung zurückschrecken. Fast zwei Drittel der Befragten wollen bei Deals ausschliesslich auf eigene Liquidität oder bestehende Kreditlinien zurückgreifen.

Umdenken bei Verkäufern

Doch nicht nur auf der Käuferseite ist der Markt im Wandel. Auch bei den Verkäufern findet nach 2009 ein Umdenken statt. So haben sich die Verkäufer, nach den Übertreibungen in den Vorjahren, mit einer Normalisierung der Marktpreise abgefunden und sind entsprechend eher zu einem Verkauf bereit. Dabei werden unter anderem Nachfolgeregelungen umgesetzt, die aufgrund der zu tiefen Angebote bisher zurückgehalten wurden.

Andere Firmen fokussieren auf ihre Kernaktivitäten. Dadurch dürfte es 2010 vermehrt zu Abspaltungen von Randaktivitäten kommen. Schliesslich werden auch Firmenteile oder ganze Unternehmen auf den Markt kommen, deren bisheriger Besitzer aus wirtschaftlicher Not zum Verkauf gezwungen sind. Dabei gilt dies nicht mehr nur für den durch die Finanzkrise arg angeschlagenen Finanzbereich. «Auch im Industriesektor werden die Restrukturierungstransaktionen zunehmen», weiss Möckli. Dabei geraten nicht nur bereits angeschlagene Unternehmen in Bedrängnis, auch Firmen, die das vergangene Jahr bisher unbeschadet überstanden haben, könnten aufgrund der Länge der Krise unter Druck geraten.

Mega-Deals in Finanzbranche?

Insbesondere in der Private-Equity-Branche dürfte es noch zu einer Bereinigung kommen. Dabei sind Verkäufe aus Beteiligungsportfeuilles zu erwarten, die aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln der Private-Equity-Firmen nötig werden. «Die sogenannten Distressed-Transaktionen werden zunehmen», ist Hofstetter überzeugt und ergänzt: «Die Spreu trennt sich 2010 vom Weizen.»

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Anders als 2009, als in der Schweiz in der Immobilien- und Telekombranche mit dem Kauf von Jelmoli durch Swiss Prime Site und zuletzt der Fusion von Orange und Sunrise die grössten Transaktionen über die Bühne gegangen sind, werden dort keine Mega-Deals mehr erwartet. «Die Transaktionen dürften über sämtliche Industrien hinweg stattfinden. Am wahrscheinlichsten sind grössere Fusionen und Übernahmen aber vor allem in der Finanzbranche, die weiterhin in einer Konsolidierungsphase steckt», so Hofstetter.

20% Prämie bei Übernahmen

Trotz der zunehmenden M&A-Aktivitäten sind die Möglichkeiten für die Anleger begrenzt, um an Deals zu partizipieren. Am einfachsten ist der Kauf von Aktien einer börsenkotierten Firma, die übernommen werden soll. «Die durchschnittlichen Prämien haben im Jahr 2009 in der Schweiz rund 20% betragen», sagt Möckli.

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Doch auch die Titel der Käufer profitieren wieder, wie das jüngste Beispiel von Meyer Burger und 3S Swiss Solar Systems belegt. Dies zeigt laut Möckli, dass die Aktienmärkte die Lage für M&A-Transaktionen wieder positiver einschätzen als noch vor Kurzem.