Nasdaq und ICE teilten am Freitag mit, 42.50 Dollar je Aktie für Nyse Euronext zu bieten. Das sei ein Aufschlag von rund 19 Prozent im Vergleich zur Offerte der Deutschen Börse. Der Gesamtwert des Angebotes liege bei 11,3 Milliarden Dollar.

Sollten die US-Konkurrenten mit ihrem Vorstoss Erfolg haben, wäre dies ein schwerer Schlag für die Frankfurter Börsengesellschaft, die auf eine Reihe von gescheiterten Übernahmeversuchen in den vergangenen Jahren zurückblickt. Die Aktien von Nyse Euronext in Paris reagierten mit einem Kurssprung um rund 13 Prozent.

Nasdaq OMX macht den Nyse-Aktionären das Angebot mit der Aussicht schmackhaft, einen weltweit in allen wichtigen Segmenten des Börsengeschäftes führenden Anbieter zu formen.

Die Deutsche Börse und Nyse hatten Mitte Februar angekündigt, dass sie zusammengehen wollen. Die Aktionäre der nach Börsenwert gewichtigeren Frankfurter sollten nach den Plänen 60 Prozent am neuen gemeinsamen Unternehmen halten. Schon damals hatten Gerüchte über mögliche Gegengebote die Runde gemacht.

Anzeige

Aktien reagieren

Sollten die US-Konkurrenten mit ihrem Vorstoss Erfolg haben, wäre dies ein schwerer Schlag für die Frankfurter Börsengesellschaft, die auf eine Reihe von gescheiterten Übernahmeversuchen in den vergangenen Jahren zurückblickt; zu den Zielen zählte zwischenzeitlich auch die Schweizer Börse. Entsprechend gab die Aktie der Deutschen Börse nach Bekanntwerden der Gegenofferte nach: Sie drehte ins Minus und verlor bis zu 3,1 Prozent.

Die Aktien von Nyse Euronext in Paris weiteten ihr Plus hingegen kräftig aus und legten rund 16 Prozent zu. Die Deutsche Börse nahm die Offerte in einer offiziellen Stellungnahme zur Kenntnis.

Man sei "weiterhin der festen Überzeugung, dass der angekündigte Zusammenschluss von Deutsche Börse AG und NYSE Euronext die bestmögliche Kombination für die jeweiligen Aktionäre und die Stakeholder der beiden Unternehmen darstellt."

Aus dem Zusammengehen der US-Handelsplätze Nasdaq OMX und Nyse Euronext entstünde ein machtvolles Zentrum des amerikanischen wie europäischen Aktienhandels. Es würde sowohl das Geschäft mit Börsennotierungen in den USA dominieren als auch andere heimische Optionsmärkte in den Schatten stellen.

Deutsche Börse unter Druck

Die Deutsche Börse steht nun unter Druck, ihr eigenes Angebot zu verbessern. Doch ob sie dazu bereit wäre, hat sie bislang nicht signalisiert.

"Das Gegenangebot umfasst ja wohl auch einen Baranteil, es wäre kein reiner Aktientausch, und das wäre schon einmal recht attraktiv für die Nyse Euronext", sagte Analyst Roland Pfänder von der Commerzbank.

"Die Deutsche Börse steht jetzt natürlich unter Druck, nachzubessern. Aber ich halte es durchaus nicht für ausgemacht, dass sie auch wirklich nachlegen." Sollte die geplante Fusion platzen, muss die Nyse eine relativ happige Ausfallgebühr von knapp 350 Mio. Dollar zahlen.

Anzeige

Neben Hürden von Aufsichts- und Kartellbehörden haben die transatlantische Fusion auch von Anfang an politische Bedenken begleitet. So äusserten sich US-Politiker direkt nach Verkündung der deutschen Übernahmepläne kritisch: Sie lehnen ab, dass die traditionsreiche Wall Street in ausländische Hände gerät.

(laf/cms/sda)