Die Umsätze im ausserbörslichen Aktienmarkt (OTC) sind in den vergangenen zwei Monaten deutlich zurückgegangen. Wurden noch im Oktober bei der im Handel mit nicht kotierten Titeln führenden Berner Kantonalbank (BEKB) ein Wert von über 20 Mio Fr. gemessen, sind die Umsätze im Dezember und Januar auf gut 13 Mio Fr. gefallen.

Ein Grund für den Rückgang ist in der Entwicklung an den weltweiten Aktienmärkten und der damit verbundenen Unsicherheit der Anleger zu suchen. «Wir haben in den letzten Monaten eine gewisse Zurückhaltung seitens der Investoren gespürt», erklärt Stephan Bichsel, Leiter Handel und Verkauf der BEKB. Ähnlich tönt es bei der Nummer zwei im Markt, der Zürcher Kantonalbank (ZKB), die zwar keine offiziellen Zahlen publiziert, rückläufige Umsätze aber ebenfalls bestätigt. «Anders als an der SWX ist die Kursentwicklung im ausserbörslichen Aktienmarkt dafür durchaus resistent», sagt Peter Wullschleger vom ausserbörslichen Handel bei der ZKB.

Schwergewicht ziehen weg

Neben der allgemeinen Zurückhaltung ist vor allem der Wechsel von umsatzstarken Gesellschaften an eine offizielle Börse für den Umsatzrückgang im OTC-Markt verantwortlich. In den vergangenen zwei Jahren haben sich 2006 mit Thurella, Biella-Neher und Hochdorf sowie der BVgroup und Rapid Holding im vergangenen Jahr mehrere Schwergewichte vom ausserbörslichen Aktienmarkt verabschiedet und haben zur Berner Börse gewechselt. Jüngstes und wohl auch gewichtigstes Beispiel für wegfallende Umsätze im OTC-Markt ist die Wagniskapitalgesellschaft HBM BioVentures, die seit dem 14. Februar an der Schweizer Börse SWX gelistet ist (siehe Kasten). Noch kurz vor der Ankündigung des Börsengangs Mitte Januar wechselten 15923 Titel des Unternehmens für knapp 1,5 Mio Fr. bei der BEKB die Hand. «Den Wegfall von HBM konnten wir bisher noch nicht kompensieren», ist sich Bichsel bewusst.Im Laufe des Jahres dürfte sich die Situation für die im ausserbörslichen Aktienhandel tätigen Banken zudem weiter verschärfen. Denn mit Alu Menziken (siehe Kasten) und Espace Real Estate stehen zwei weitere OTC-Schwergewichte auf dem Sprung an einen offiziellen Börsenplatz.

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Neue Umsätze werden in Bern von der seit November 2007 gelisteten WIR Bank erwartet, sofern der von der Gesellschaft heute noch intern getätigte Handel an die Berner Plattform übertragen wird. Zudem steht mit dem Lärmspezialisten Anocsys ein Jungunternehmen in den Startlöchern für ein Listing. Schliesslich versucht die BEKB über Informationsveranstaltungen und ein eigenes Aktienresearch das Segment aktiv zu beleben.

OTC-Markt als Einstiegsmodell

Einen Ausverkauf des ausserbörslichen Aktienmarktes erwarten deshalb weder die Berner noch die Zürcher Kantonalbank. «Der OTC-Markt hat sich inzwischen neben den normalen Börsen etabliert», erklärt Bichsel. Dass die Unternehmen eine Börsenkotierung anstreben, nachdem sie im OTC-Markt erste Erfahrungen gesammelt haben, zeige vielmehr, dass sich dieses Segment als Einstieg für ein zukünftiges IPO eigne. «Der Ansatz sieht vor, dass wir unsere Kunden über den ausserbörslichen Markt bis zur Kotierung begleiten», sagt auch Wullschleger.

Interessant für Anleger

Für die Anleger bleibt ein Investment in nicht kotierte Aktien trotz tieferen Volumina interessant. «Entscheidend sind nicht die Umsätze, sondern die gute Ausführung», begründet Wullschleger. Und diese kann auch bei geringeren Umsätzen gewährleistet werden. Zudem reagiert der Markt, wie eingangs erwähnt, weniger sensibel auf wirtschaftliche Schwankungen. Während der SPI seit Anfang Jahr um fast 12% zurückgegangen ist, legte der BEKB All Share-Index in derselben Periode um 1,6% leicht zu.