Anfang 2010 ist es bei der Comet-Gruppe zu einem überraschenden Führungswechsel gekommen: Knapp drei Jahre nach seinem Amtsantritt musste der bisherige CEO, Roland Zarske, die Röntgen- und Vakuumtechnikfirma mit Sitz in Flamatt verlassen. Bereits dessen Vorgänger, Peter Ruth, hatte sich mit dem Verwaltungsrat um den ehemaligen Präsidenten Bernhard Hammer überworfen. Heute wird der Verwaltungsrat von Hans Hess präsidiert, der nun auch interimistisch die CEO-Funktion übernommen hat. Seit 2002 ist Comet an der SIX kotiert und konzentriert sich auf die industrielle Röntgentechnik.

Wann präsentieren Sie den neuen CEO?

Hans Hess: Wir sind schon weit im Prozess, haben mit vielen Kandidaten gesprochen. Wichtiger als der Zeitpunkt ist aber, dass wir die richtige Person finden.

Als Termin haben Sie den Herbst genannt.

Hess: Das gilt auch heute noch.

Welche Kriterien muss die Person erfüllen?

Hess: Wir suchen jemanden mit industrieller und internationaler Erfahrung. Die Person muss ein börsenkotiertes Unternehmen führen können und sollte, aufgrund unserer Struktur, mit der Kultur in der Schweiz und in Deutschland vertraut sein. Zudem erhoffen wir uns natürlich auch neue operative und strategische Impulse für Comet.

Sie selber stehen nicht zur Verfügung?

Hess: Nein. Ich bin nur interimistisch tätig und werde mich auf mein Verwaltungsratsmandat zurückziehen, sobald wir jemanden gefunden haben.

Wie hat sich der Wechsel im Management auf das Geschäft von Comet ausgewirkt?

Hess: Das Vertrauen zwischen Verwaltungsrat und Management wurde wiederhergestellt. Es ist weder strategisch noch operativ ein Führungsvakuum entstanden. Wir haben gute Fortschritte im Turnaround erzielt und wissen, wohin wir uns weiterentwickeln wollen.

Wie ist Comet ins laufende Jahr gestartet?

Hess: Wir hatten einen guten Start. Die Auftragseingänge sind erfreulich, und wir gehen davon aus, dass wir 2010 zwischen 15 und 20% wachsen werden.

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Hess: Unser grösster Wachstumstreiber sind zurzeit die Vakuum-Kondensatoren und Matchboxen (VaCap). Sie gehen primär in die Halbleiterindustrie. Seit letztem Herbst wächst dieser Bereich wieder stark, nämlich von 30 Mio Fr. im letzten auf mindestens 55 Mio Fr. im laufenden Jahr, mit entsprechend guten Margen. Ich bin überzeugt, dass der VaCap-Bereich in den nächsten zwei Jahren der grösste Werttreiber für die Aktionäre von Comet sein wird. Dabei hilft uns nicht nur die gute Marktentwicklung. Wir haben die Krise auch als Chance genutzt, um neue Kunden mit neuen Produkten anzusprechen. Dadurch gewinnen wir heute Marktanteile.

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Der Halbleitermarkt hat sich erholt. Hält diese Entwicklung an?

Hess: Wir kommen aus einem tiefen Umsatztal, aber derzeit haben wir Rückenwind. Dank unserer globalen Ausrichtung profitieren wir vom Aufschwung in Asien. Auch Amerika entwickelt sich gut, am schwächsten sieht es in Europa aus.

Sie beliefern auch die Automobilbranche. Wie sieht es dort aus?

Hess: Unser Business hängt nicht davon ab, wie viele Autos produziert werden. Vielmehr muss die Industrie wieder in Röntgeninspektionsanlagen investieren. Erst dann haben wir wieder ein Geschäft. In China wird enorm viel in neue Fabriken investiert. Dort sehen wir einen starken Aufschwung im Automobilsegment.

In der Solarindustrie läuft das Geschäft dagegen nicht mehr so rund.

Hess: Unsere Chance liegt primär in der Dünnfilm-Technologie, wie sie beispielsweise von OC Oerlikon angeboten wird. Das Solargeschäft läuft noch nicht wie gewünscht. Wir hoffen aber, dass diese Firmen im 2. Halbjahr Tritt fassen, angetrieben durch die Nachfrage aus China. Denn dort werden hoffentlich mehrere neue Fabriken gebaut.

Welchen Einfluss hat die Personensicherheit bei Comet?

Hess: Unser Sicherheitsbereich konzentriert sich auf die Cargo-Inspektion. Wir durchleuchten Koffer, ganze Flugzeug- und Schiffscontainer. Wir sind auf Hochleistungsröhren spezialisiert. Aus der Personen-Inspektion, wo eine niedrige Strahlung benötigt wird, haben wir uns wegen der geringen Margen vor einiger Zeit verabschiedet.

Wohin will Comet mittel- bis längerfristig?

Hess: Mittelfristige Ziele werden wir erst an der Investorenkonferenz im November bekannt geben. Der Optimismus unserer Kunden macht aber auch uns optimistisch. Alle unsere Marktsegmente werden sich wieder positiv entwickeln, nur unterschiedlich schnell. Dabei werden uns die Projekte der Kunden beim Wachstum helfen, unsere Innovationen und Effizienzsteigerungen verbessern die Ertragslage.

Wie weit sehen Sie aufgrund Ihrer Aufträge voraus?

Hess: Etwa zwei Monate. Da wir im Komponentengeschäft sehr eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten, haben wir nahezu täglich Informationen erhalten, wie sie ihre Absatzchancen sehen. Im Systemgeschäft ist der Ausblick weniger transparent. Bei den industriellen Kunden müssen wir primär spüren, wie ihr Investitionsverhalten aussehen wird. Heute gehe ich davon aus, dass wir ein deutlich stärkeres 2. Halbjahr 2010 haben werden. Dieses gute Momentum müssten wir auch ins nächste Jahr mitnehmen können.

In den letzten Jahren hat Comet häufig optimistische Prognosen ausgegeben. Weshalb sollen diese jetzt eintreten?

Hess: Innerhalb der letzten fünf Jahre hat Comet einen starken strategischen Umbau vollzogen. Dies hat zu vielen Veränderungen geführt, welche die Kontinuität, die man sich als Investor gerne wünscht, erschwert haben. Seit 2007 gehen wir nun konsequent den Weg der Vorwärtsintegration, der sich sehr bewährt hat. Wir haben unsere Prozesse verbessert, Innovationen lanciert und in der Produktion die Effizienz gesteigert. Dies wird sich als Wertsteigerung für unsere Investoren auszahlen.

Vor allem der Bereich Systeme kommt nicht richtig vom Fleck.

Hess: Kaum hatten wir Yxlon gekauft und integriert, ist die Krise gekommen, die leider wieder einen Umsatzrückgang um 35% und einen Verlust gebracht hat. Inzwischen haben wir nachhaltige Veränderungen und Verbesserungen umgesetzt, indem wir den gesamten Geschäftsbereich Feinfocus in Yxlon integriert und das Komponentengeschäft in Flamatt konzentriert haben. Dies wirkt sich positiv auf die Ertragslage aus. Der Auftragseingang entwickelt sich auch im Systemgeschäft seit einigen Monaten sehr positiv.

Wann ist der Turnaround abgeschlossen?

Hess: Wir werden den Turnaround als Gesamtunternehmen im 2. Halbjahr 2010 sicher schaffen. Im Systemgeschäft werden wir zwar deutliche Fortschritte machen, jedoch dieses Jahr nicht ganz aus der Verlustzone herauskommen. Das 2. Halbjahr 2010 wird aber auch im Systemgeschäft deutlich besser ausfallen, und im nächsten Jahr werden wir in allen Bereichen einen deutlichen Gewinn erzielen.

Sind dazu weitere Zukäufe nötig?

Hess: Die Comet-Gruppe ist mit dem heutigen Portfolio gut aufgestellt. Wir sehen noch viel organisches Wachstumspotenzial. Kleinere Zukäufe sind nicht ausgeschlossen, wenn uns diese schneller ans Ziel bringen. Im Systemgeschäft sehen wir noch viele nicht erschlossene Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel im Nahrungsmittelbereich.

Welche Umsatzgrösse streben Sie an?

Hess: Mit den 150 Mio Fr. Umsatz vom letzten Jahr lagen wir deutlich unter unseren Zielen und Erwartungen. Eine Umsatzverdoppelung von diesem Niveau aus ist sicherlich realistisch. Wann und wie dieses Ziel erreicht werden soll, werden wir im November bekannt geben.

Macht ein Alleingang von Comet angesichts der heutigen Grösse Sinn?

Hess: Wir sind überzeugt, dass Comet als selbstständige und börsenkotierte Firma für unsere Aktionäre attraktiv ist. Mit unserem Portfolio passt die Gruppe nicht in ein anderes Unternehmen. Hinzu kommt, dass wir mit unseren Vakuumkondensatoren sämtliche Hersteller beliefern. Sie wollen unsere Eigenständigkeit. Es bleiben uns im Alleingang genügend Wachstumsmöglichkeiten. Seit ich als CEO etwas mehr Einblick habe, bin ich positiv überrascht, wie viel Potenzial für organisches Wachstum in der Firma noch vorhanden ist.

Zu den Investoren gehört Thomas Matter.

Hess: Wir freuen uns, dass die Matter Group in Comet investiert hat. Thomas Matter hat das Unternehmen schon länger begleitet und sieht dessen Potenzial.

Dafür ist Tito Tettamanti ausgestiegen.

Hess: Der Ausstieg kam nicht überraschend. Positiv ist, dass wir immer wieder grössere Aktienpakete umplatzieren konnten, ohne dass der Kurs darunter gelitten hat. Dies zeigt, dass auch bei sogenannt illiquiden Titeln die Möglichkeit besteht, grössere Positionen aufzubauen, ohne dass man diese ewig halten muss.

Inwieweit ist Comet von der Schwäche des Euro betroffen?

Hess: Vor allem die starken Währungsschwankungen sind für Comet, aber auch für die ganze Wirtschaft ein Problem. Wenn die Entwicklung langsam erfolgt, dann kann man sich anpassen. Allerdings ist das Währungsproblem nicht gravierend und die Firmen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Durch natürliches Hedging, indem Einnahmen in Euro wieder zum Einkauf im Euro-Raum eingesetzt werden, gelingt es, die Verzerrungen zu mindern. Bei Comet ist dieses natürliche Hedging schon sehr gut ausbalanciert.

Auf der anderen Seite profitieren Sie vom wieder erstarkten Dollar.

Hess: Ob wir profitieren, hängt immer auch von den Konkurrenten ab. Denn diese beeinflussen den Wettbewerb. Grundsätzlich hilft uns ein steigender Dollarkurs.