Vergangene Woche stellte die US-Niederlassung der UBS den Verkauf gehebelter und «inverser» Exchange Traded Funds ETF ein, wie die Bank in einer Mitteilung bekannt gab. Grund sei die «kurzfristige Natur» dieser Produkte. Zuvor hatten bereits der amerikanische Broker Edward Jones sowie der Finanzdienstleister Ameriprise ihren Rückzug angekündigt.

Start noch in diesem Quartal

Grund ist der Druck vonseiten der Regulatoren: Bereits vor zwei Monaten hatte die US-Financial Industry Regulation Authority, die Finanzmarktaufsicht der USA, diese ETF als «nicht geeignet für Privatinvestoren» bezeichnet. In den USA sind die günstigen Indexfonds in diesem Jahr sehr beliebt geworden. Sie steigerten ihren Mittelzufluss um 51% auf knapp 33 Mrd Dollar. Laut einer Studie der Citigroup haben amerikanische ETF bis Ende Juni ein Volumen von 603 Mrd Dollar erreicht, ihre Anzahl ist auf 843 ETF angewachsen. Die Netto-Neuzuflüsse liegen bei 39 Mrd Dollar.

ETF bilden typischerweise Indizes (auch) für Privatinvestoren nach und sind in den letzten Jahren zu einer Konkurrenz von Fonds und Index-Zertifikaten geworden. Denn zu den einfachen Indexfonds sind in jüngster Zeit ETF hinzugekommen, welche die Indizes mit Hilfe von Derivaten hebeln bzw. als Short-Varianten «spiegeln». Der Direxion Daily Emerging Markets Bull 3x Shares (US-Tickerkürzel EDC) beispielsweise steigt dreimal stärker als der zugrunde liegende MSCI Emerging Market Index.

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Allerdings fällt der ETF auch 3%, wenn der Index um 1% nachgibt. Wenn bei der Short-Variante der Index einen Punkt steigt, fällt der entsprechende ETF einen Punkt. Und im Juni lancierte der US-Anbieter ProShares einen ETF, der die bei Hedge-Fonds beliebte 130/30-Alpha-Strategie abbildet.

In der Kritik stehen besonders die ETF, die auf Short-Indizes basieren. In Deutschland gibt es bereits Short-ETF-Varianten auf den DAX. In der Schweiz fehlen diese noch. «Erst wenn die Schweizer Börse SIX solche Short-Indizes berechnet - der Start soll in diesem Quartal erfolgen - könnten ETF-Anbieter entsprechende Produkte auf den Markt bringen», sagt Christian König, ETF-Spezialist bei Derivative Partners in Zürich. Vorbereitungen dazu sind offenbar schon im Gange: «Es gibt einzelne Anbieter, die entsprechende Pläne haben», sagt König.

Deutsche Bank mit Rückzieher

Ob solche ETF dann auch angeboten werden, ist noch offen, denn die Deutsche Bank musste beispielsweise im letzten Herbst auf dem Höhepunkt der Turbulenzen an den Finanzmärkten ihren Short-ETF auf den europäischen Bankenindex zeitweise schliessen. In den USA ist im April der ETF ProShares UltraShort Financials (Ticker SKF) ins Gerede gekommen, weil offenbar Hedge-Fonds über das Vehikel auf fallende Aktienkurse von Banken gesetzt haben.

Die UBS ist in den USA hinsichtlich des Marktanteils lediglich die Nummer 23. Der jetzt angekündigte Ausstieg aus einigen ETF-Varianten dürfte damit das operative Geschäft nicht wesentlich beeinflussen. Die Deutsche Bank kommt als grösstes europäisches Institut auf den sechsten Rang.

Hickhack auf Japanisch

Eine andere Diskussion findet derzeit in Japan statt. Dort haben laut den Analysten des Brokers CLSA ETF dank ihrer massiven Zukäufe bei Small Caps die konventionellen Anlagefonds hinsichtlich ihrer Performance abgehängt.

Diese Fonds werfen jetzt den spezialisierten ETF vor, die Marktenge von Nebenwerten auszunutzen, zumal sie selber nicht in solche vergleichsweise illiquide Aktien investieren dürften.