Wir wissen nicht, was sich im Bauch eines Wals versteckt. Einige der grössten US-Finanzunternehmen steuern ziemlich grosse Investmentbanken und Wertpapiergeschäfte. Und obwohl diese Sparten unbeständig und komplex sein können und in der letzten Zeit grosse Verluste eingefahren haben, bekommen Investoren nicht genügend Informationen, um sie richtig verstehen zu können. Nehmen wir zum Beispiel die Investmentbankinggeschäfte bei der Citigroup oder bei JP Morgan Chase. Weil diese Geschäftsfelder als Sparten innerhalb grösserer Gesellschaften laufen, wird dort weniger öffentlich gemacht als bei unabhängigen Wall-Street-Firmen wie Morgan Stanley oder Goldman Sachs.

Wichtige Informationen fehlen

Zugegeben, manche Investoren finden die Tatsache verlockend, dass die Geschäfte von JP Morgan oder bei Citi auch in schweren Zeiten durch grosse Organisatio-nen im Hintergrund finanziell abgedeckt werden. Wenn aber Inves-toren keine gewünschten Informationen über eine Firma erhalten, zahlen sie weniger für deren Aktien. Eine detaillierte Bilanzaufstellung ist deshalb besonders wichtig. Sie gibt Einblicke in Firmenkapital, Verschuldungsgrad und Finanzierung eines Finanzunternehmens.

Bei der Citigroup bekommen Aussenstehende nur beschränkte Teilbilanzzahlen für ihr Wertpapier- und Bankbusiness, Investmentbankgeschäfte eingeschlossen. Im 3.Quartal wies dieser Bereich bei der Citi ein Anlagevermögen von 771 Mrd Dollar aus, etwa genauso viel wie bei Morgan Stanley. Allerdings gab es keine Zahlen zu der Kapitaldecke der Investmentbank.

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Citigroup als Vorbild

Die Citi bringt für ihre US-Makler und Händler eine separate Kassenübersicht heraus. Diese wies im 2.Quartal ein Vermögen von 466 Mrd Dollar aus. Das Eigenkapital der Bank von 18 Mrd Dollar entspricht also 3,88% ihres Gesamtvermögens. Ende 2008 lag dieser Anteil noch bei 1,41%. Die Tatsache, dass sich diese Kennziffer innerhalb von sechs Monaten mehr als verdoppelt hat, zeigt, dass dieser Bereich beobachtet und offengelegt werden sollte.

Das Eigenkapital von JP Morgans Investmentbanksparte ist von eingeschränktem analytischem Wert. Es blieb innerhalb von vier Quartalen konstant bei exakt 33 Mrd Dollar. Man kann davon ausgehen, dass dieser Wert bloss ein theoretischer ist. Natürlich gibt es auch bei den unabhängigen Investmentbanken einen Mangel an Transparenz. Aber wenigstens veröffentlichen sie detaillierte Bilanzen.