STAATSFONDS. Staatlich kontrollierte Investmentfonds, sogenannte Sovereign Wealth Funds (SWF), die auf den Devisenreserven eines Landes basieren, haben dazu beigetragen, die Verluste aus der Subprime-Krise dieses Sommers und Herbstes in Grenzen zu halten. Und sie werden nach Ansicht von Analysten auch weiterhin eine starke Stütze der Märkte bleiben.

Volumen verdreifacht sich

Die Fonds befänden sich «auf dem Weg zu einer anhaltenden Wachstumsstory, mit deutlichen Einflüssen auf riskante Anlageformen, vor allem auf Equities aus Schwellenländern, Private Equity, Infrastruktur und Immobilien», glaubt Stephen Jen, Chef-Währungsanalyst bei Morgan Stanley. Sein Haus hat vor zwei Wochen einen Bericht über Sovereign Wealth Funds vorgelegt. Diese Fonds sind keine Neuerfindung, es gibt sie bereits seit den 1970er Jahren. Ihr Gesamtvolumen wird von Morgan Stanley auf fast 3 Billionen Dollar geschätzt und könnte beim derzeitigen Wachstum bis 2012 auf 10 Billionen Dollar anwachsen.Jen sagt, es bestünden erhebliche Bedenken gegen die SWF. «Sie haben einen wesentlich längeren Anlagehorizont und können aufgrund ihres Volumens Gewinn- und Verlustschwankungen viel besser abfedern. Ich bin ziemlich sicher, dass die SWF bei der Erholung der Schwellenländer und der Equities ganz generell eine wichtige Rolle gespielt haben.» Besonders für die Aktienmärkte sind die SWF wegen ihres enormen Kapitals interessant.Immer mehr Länder wollen derartige Fonds einrichten. Die Folge wird nach Analystenmeinung sein, dass deren Risikobereitschaft steigt und Aktien wieder einen Vorsprung vor Anleihen erreichen. Regulierungsbehörden und die Politik sollten diese Vorteile erkennen und gegen Transparenz, nationale Sicherheit und andere Bedenken abwägen.

VAE, Norwegen und China

Die beiden grössten der derzeit bekannten 29 SWF kommen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (875 Mrd Dollar) und Norwegen (330 Mrd ). China baut gerade einen Fonds mit 200 Mrd Dollar auf. Die meisten Fonds basieren auf Öl- und Gasreserven. Es gibt aber auch Ausnahmen, etwa in Botswana (6,8 Mrd Dollar, Basis: Diamantenhandel), Kiribati (460 Mio Dollar, Basis: Phosphor) oder Uganda (350 Mio Dollar, Basis: Entwicklungshilfe).Im Gegensatz zu Grossbritannien will man im Rest der EU den SWF den Zugang zu sensiblen Bereichen der Wirtschaft verwehren.Die EU-Kommission denkt bereits über Sanktionen gegen die Fonds nach.

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