D ie Angst geht um an den Kapitalmärkten: Die europäische Gemeinschaftswährung und Bankaktien verzeichnen dieser Tage herbe Verluste. Und am Anleihemarkt beschleunigt sich der Ausverkauf der Schuldtitel der EU-Peripherieländer. Im Gegenzug schiessen die Zinsen nach oben.

Neben Irland, Griechenland, Portugal und Spanien taucht nun auch Italien schon auf dem Problemländer-Radarschirm auf. Sollte der Staat wackeln, würde sich die Lage für die Banken des Kontinents verschlimmern. Italien hat als hoch verschuldeter Staat Anleihen im Wert von 1600 Milliarden Euro am Markt. Ein Grossteil davon befindet sich in den Bilanzen von Geldhäusern. Doch schon ohne zusätzliches Ungemach aus Rom haben die Banken mit ihren Engagements in den Peripherieländern schon genug Risiken in den Büchern (siehe Tabelle).

Hoher Anteil an der Wirtschaft

Wo die grössten Gefahren lauern, macht auch eine Studie der Investmentbank Morgan Stanley deutlich: Die Amerikaner haben nachgerechnet, welche Folgen ein Kapitalschnitt bei europäischen Wackelstaaten haben würde. Detailliert führen sie die Engagements der Institute in Staatsanleihen von Portugal, Irland und Griechenland auf. Werden die drei meistgefährdeten Länder säumig, müsste ein Gutteil davon abgeschrieben werden. Den Banken entstünden massive Verluste.

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«Französische Institute stehen vor der grössten Herausforderung», sagt Dirk Hoffmann-Becking in einer aktuellen Studie. Die Deutsche Bank und die Schweizer Häuser seien hingegen nicht stark in Problemstaaten engagiert, so der Stratege des unabhängigen britisch-amerikanischen Analysehauses Bernstein Research.

Morgan-Stanley-Analytiker Huw van Steenis hat auch das Platzen von Darlehen an private Schuldner in den drei Problemstaaten durchgespielt. Ein Kapitalschnitt von 30 Prozent - nicht unüblich in Zeiten starker Verschuldungskrisen - würde die Institute zig Milliarden kosten.

Insgesamt stehen gemäss den Analysen die britische Royal Bank of Scotland, der spanische Banco Santander sowie die französische Crédit Agricole besonders exponiert da. In diesen Berechnungen ist allerdings das Euro-Sorgenkind Spanien noch nicht enthalten. Geriete Madrid unter Wasser, sähe das Szenario noch düsterer aus (siehe Artikel unten).

Welche Auswirkungen Banken-Schieflagen auf die Staatshaushalte und die Stabilität der Länder hätten, macht eine Aufstellung von Barclays deutlich. Demnach beläuft sich die Bilanzsumme aller Kreditinstitute auf das Siebenfache der irischen Wirtschaftsleistung. In der Schweiz ist der Faktor 6,5. In den Niederlanden sind die Banken fünfmal so gross wie das Bruttoinlandprodukt. Frankreich, Grossbritannien und Belgien kommen immerhin noch auf das Vierfache.

Der Stresstest täuschte

Inzwischen hat sich der Finanzsektor zu einem Popanz aufgebläht. Um die Gefährdung der gesamten Ordnung einzuschätzen, werden Stresstests durchgeführt. Diese sollen durch die Simulation bestimmter Zahlungsausfälle Regierungen und Investoren einen Einblick verschaffen, was Geldhäuser aushalten. Das Problem: Die Realität neigt dazu, die Annahmen im Negativen zu übertreffen.

Keine irische Bank ist zum Beispiel im Sommer durch den Stresstest der europäischen Aufsichtsbehörden gefallen. Doch jetzt, bloss ein paar Monate später, müssen die Institute mit zig Milliarden gestützt werden. «Die guten Ergebnisse von damals bieten keine Sicherheit», resümiert Stephen Lewis vom Analysehaus Monument Securities in London.