Die Firmen zahlen ihre Rechnungen immer später. Dies zeigt die aktuelle Studie zum Zahlungsverhalten der Wirtschaftsauskunftei D&B – Dun & Bradstreet. Im 1. Halbjahr 2008 zahlten die Firmen ihre Rechnungen im Schnitt 15 Tage zu spät. 2007 lag der Zahlungsverzug noch bei 11,8 Tagen. Die markante Verschlechterung der Zahlungsmoral stellt die Firmen in den nächsten Monaten vor neue, jedoch altbekannte Herausforderungen: Der Mahnaufwand nimmt wieder zu, die Liquidität sinkt und als Folge davon steigt auch das Risiko von Zahlungsausfällen.

Nachlassende Investitionen

In den meisten Branchen blicken die Firmen mit einem gedämpften Optimismus in die Zukunft. Die Unsicherheit, ob der Schweiz eine kurzzeitige Rezession bevorsteht, trübt die Investitions- und Ausgabefreudigkeit. Diese Zurückhaltung sorgt dafür, dass Umsätze und Erträge und zu guter Letzt auch die liquiden Mittel der Firmen sinken, was sich wiederum im schlechteren Zahlungsverhalten niederschlägt.

Zu den besonders gefährdeten Branchen zählen der Studie zufolge die Holz- und Möbelindustrie sowie das Transportgewerbe, die aktuell die Negativrangliste der schlechten Zahler anführen. Im Transportgewerbe kletterte der Zahlungsverzug im 1. Halbjahr 2008 auf über 30 Tage. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 13 Tagen. Die Branche leidet unter Überkapazitäten, und viele KMU kämpfen angesichts der hohen Treibstoffpreise und einer weiter steigenden LSVA um ihre Existenz.

Anzeige

Holz- und Möbelhersteller leiden

Um über 10 Tage stieg der Zahlungsverzug auch bei den Holz- und Möbelherstellern auf aktuell 23,1 Tage. Die Holz- und Möbelindustrie spürt zum einen den nachlassenden Bauboom sowie die Konkurrenz von alternativen Energieträgern, gegenüber denen der Rohstoff Holz an Attraktivität eingebüsst hat. Die schlechtere Zahlungsmoral trifft die Firmen gleich doppelt: Zum einen sinkt die eigene Liquidität und zum anderen steigt bei den Debitoren das Risiko von Zahlungsausfällen. Viele Firmen werden dann gar zur Bank für ihre Kunden. Kunden nutzen den unfreiwilligen Lieferantenkredit zur Zwischenfinanzierung und zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen. Damit Firmen nicht die Bankenrolle für ihre Kunden übernehmen, müssen sie dem Risikomanagement und dem Mahnwesen besondere Beachtung schenken. Das bedeutet: Eine Bonitätsprüfung bei Neu- und Stammkunden ist unabdingbar. Ansonsten sind unliebsame Überraschungen programmiert.

Wenn die Zahlung dann trotzdem ausbleibt, muss der Kunde zügig gemahnt und an die ausstehende Zahlung erinnert werden. Denn Zahlungsverzögerungen belasten nicht nur die eigene Liquidität, sondern erhöhen auch das Risiko von Ausfällen.