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Strategie
Unruhige Börsenmärkte: Auf defensive Aktien setzen

Coca-Cola gelten als defensive Aktien.

Weltweit schrumpft das BIP-Wachstum. An der Börse ist es ungemütlich geworden. Wie Anleger sich positionieren können.

Von Carla Palm
am 03.04.2018

Die Anleger an der Wall Street hatten vor kurzem noch guten Grund zum Feiern: Am 9. März wurde die Hausse an den Aktienmärkten neun Jahre alt. So lange dauerte ein Aufschwung noch nie. Die meisten Analysehäuser geben sich weiter zuversichtlich. Angesichts des Niedrigzinsumfelds gebe es zu Aktien kaum Alternativen. «Die Fundamentaldaten sind intakt», schreiben etwa die Analysten der UBS und raten zum Kauf beziehungsweise zum «Übergewichten», wie es im Börsenjargon so schön heisst.

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Auch die meisten Finanzökonomen geben sich noch optimistisch. Geopolitische Brandherde sind zwar vorhanden, doch Grund zu grosser Sorge sehen die wenigsten, selbst nachdem US-Präsident Trump beschlossen hat, die Zölle auf in China hergestellte Waren zu erhöhen, und zwei weitere politische Hardliner in seinen Regierungskreis berufen hat. Gemäss der UBS liegt das Risiko für einen Handelskieg zwischen den USA und China gegenwärtig nur bei 20 bis 30 Prozent. Doch die positive Stimmung könnte sich mehr und mehr eintrüben.

Unruhe an den Märkten

«Die Märkte werden zunehmend nervöser», stellt das Research-Team von Allianz Global Investors fest. Vor allem mit Blick auf eher einfache Indikatoren wie das weltweite Wirtschaftswachstum wird deutlich, dass eine späte Reifephase eines aussergewöhnlich langen Aufschwungs begonnen hat. Gemäss einer Berechnung des Internationalen Währungsfonds dürfte das Bruttoinlandprodukt in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern 2018 und 2019 mehrheitlich zurückgehen . Ausnahmen: Brasilien und Indien.

«Bis zum Halbjahr wird sich das Wirtschaftswachstum leicht abkühlen, ab dem dritten Quartal wird es dann sogar merklich zurückgehen», sagte dazu Simon Ward, Ökonom beim Vermögensverwalter Janus Henderson, anlässlich einer Medienkonferenz Mitte März in London. Auffällig dabei dürfte sein, dass es in den wichtigsten Ländern synchron abwärts gehe. Auch sei 2019 oder 2020 eine Rezession nicht ausgeschlossen. «Wenn sie kommt, wird sie etwas milder verlaufen als 2009», fügt er an und gehört damit im Moment zu den Pessimisten.

Empfindliche Rückschläge

Die Frage sei nur, wann die Märkte den Abwärtsschwung so richtig realisieren würden. Ward rechnet dann mit empfindlichen Rückschlägen an den Börsen und rät Anlegern, sich rechtzeitig defensiv zu positionieren. Also in den Bereichen Energie, Telekom, Gesundheit, Versorger und langlebige Verbrauchsgüter, die weniger an das globale Wirtschaftswachstum gekoppelt sind. Ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen sich unabhängig vom Konjunkturverlauf, was für einen stabilen Umsatz sorgt, allerdings auch zu niedrigeren Gewinnmargen als bei Unternehmen, die von einer Hochkonjunktur profitieren. Auch können die Börsenbewertungen von defensiven Aktien sehr hoch sein, was viele Anleger abschreckt.

Die «Handelszeitung» hat die Sektoren analysiert und stellt die wichtigsten Aktien vor:



NICHTZYKLISCHE KONSUMGÜTER: COCA-COLA

Coca-Cola-Flaschen
In unruhigen Zeiten ist es gut, Aktien wie Coca-Cola, Nestlé, Unilever, Danone oder Procter & Gamble im Depot zu haben. Die Unternehmen verfügen über eine solide Finanzstruktur und sind kaum verschuldet, was sie auch in schwachen Konjunkturzyklen über Wasser hält. Auch ist die Dividendenrendite meistens ansprechend. Unsere Sektor-Favoriten sind neben Nestlé ganz klar Coca-Cola. Das Unternehmen hält nach Zukäufen Ausschau und ist dabei, in gesunde Getränkealternativen zu investieren. Das Kerngeschäft in den Schwellenländern läuft.
Quelle: Keystone .

ENERGIE: BP

 

BP
Die Ölmultis haben sich im vergangen Jahr neu erfunden. Dank Restrukturierungsprogrammen fielen die Gewinne vor allem bei Konzernen wie Exxon Mobil, Royal Dutch Shell und BP trotz weiterhin tiefen Ölpreisen höher aus als im Jahr zuvor. Anlegerfreundliche Aktienrückkaufprogramme und Dividendenerhöhungen waren die Folge. BP ragt sogar als exzellenter und konstanter Dividendenzahler hervor. Daran dürfte das Unternehmen auch bei künftigen Krisen oder unvorhersehbaren Ölpreis-Schocks so rasch kaum etwas ändern.
Quelle: Keystone

GESUNDHEIT: NOVARTIS

Novartis
Novartis Aktien aus dem Gesundheitssektor sind die Könige unter den Defensiven. Titel wie Roche, Novartis, Johnson & Johnson, Pfizer und Abbvie nehmen mit über 20 Prozent den grössten Teil des MSCI Defensive Sectors Index ein. Attraktiv sind langfristig Novartis. Das Unternehmen konzentriert sich unter dem neuen CEO wieder auf seine Stärken im Pharmageschäft, könnte den Rückstand in der Onkologie verringern und hat die Katastrophen mit der Medtech-Einheit Alcon und dem Herzmedikament Entresto offenbar hinter sich gelassen.
Quelle: Keystone

TELEKOMMUNIKATION: AT&T

 

AT&T
Anleger von europäischen Telekommunikationsaktien wie Swisscom, Telekom oder Vodafone hatten zuletzt eine Durststrecke zu verkraften. Daher lohnt ein Blick nach Amerika auf AT&T. Das Unternehmen ist kurz davor, mit Time Warner zu einem Mega-Konzern zu fusionieren. Die US-Regierung und vor allem Donald Trump versucht mit aller Macht den Deal zu verhindern. Im Mai wird ein Kartellgericht darüber entscheiden. Die Chancen stehen gut, dass AT&T gewinnt. Das dürfte auch dem Börsenkurs deutlich auf die Sprünge helfen.
Quelle: Getty Images/Richard Levine

VERSORGER: BKW

 

BKW
Regulierungen sind traditionell die grosse Bremse für das Strom- und Gasversorgungsgeschäft. In Europa haben sich zuletzt die Grosshandelspreise für Strom wieder etwas erholt, was sich auch in den Geschäftsberichten der Unternehmen zeigte. Viele Konzerne wie EON oder RWE haben zudem ihre Kosten gesenkt und Restrukturierungsprogramme aufgesetzt. In der Schweiz lohnt ein Blick auf BKW, die auch im nachhaltigen Wasserkraftbereich gut aufgestellt ist. Die Dividendenrendite wird trotz hohen Investitionen stetig erhöht.
Quelle: Keystone