Die Stimmung in der Wirtschaft ist besser als ihre Lage. Dieser Meinung ist unter anderem Martin Hüfner, Chefökonom der Aquila-Gruppe. Denn während die Aktienmärkte nach dem rasanten Anstieg seit Anfang März in den vergangenen Wochen nur noch seitwärts tendieren, hat sich die Laune der Marktteilnehmer weiterhin laufend aufgehellt. «Die Erholung ging zu schnell, sodass es nun zu einer Pause oder gar zu einer Korrektur kommen dürfte. Dies nimmt der Markt vorweg», ist Hüfner überzeugt.

Dennoch, der Optimismus ist nicht unbegründet und ein Einbruch auf die Tiefststände vom März wird heute nahezu ausgeschlossen. «Verschiedene ökonomische Indikatoren, wie beispielsweise der Einkaufsmanagerindex, zeigten eine Stabilisierung», erklärt Sarasin-Ökonomin Ursina Kubli. Zwar sei der weltweite Konsum weiterhin rückläufig, da aber die Produktion der Unternehmen noch deutlicher gebremst wurde, bilde sich nun ein Nachholbedarf, der sich im Einkaufsmanagerindex widerspiegelt.

Verbesserungen sind eingepreist

Die Verbesserung der Frühindikatoren und die zunehmende Entspannung an den Kreditmärkten dürften jedoch mittlerweile im Markt eingepreist sein. «Das Eis ist noch dünn, drei oder vier negative Nachrichten in Folge können durchaus dazu führen, dass die Investoren zwischenzeitlich kalte Füsse bekommen», ist Bernd Hartmann, Aktienstratege bei der VP-Bank-Gruppe, überzeugt. Gehe man davon aus, dass die Realwirtschaft demnächst ihren Boden findet, könne dies andererseits gute Kaufgelegenheiten darstellen.

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Korrekturen an den Märkten erwartet auch Stefan Meyer vom UBS Wealth Management Research. «Aufgrund des Ausmasses der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise darf man nicht erwarten, dass bereits alle Probleme gelöst sind», so Meyer. Aufgrund der neuesten Wirtschafts- und Unternehmensindikatoren, die eine Stabilisierung und gar wieder erste Anzeichen für positive Wachstumsraten ab Ende dieses Jahres suggerieren, ist aber auch er insgesamt zuversichtlich für die kommenden Wochen.

Angesichts der labilen Situation wird den Anlegern trotz der positiven Stimmung an den Finanzmärkten zur Vorsicht geraten, wenngleich bis Ende des Jahres durchwegs mit einem weiteren Kursanstieg gerechnet wird.

Korrektur um 20 Prozent möglich

«Die Krise ist noch nicht vorbei, es dürfte nochmals zu einer Ernüchterung und einer Korrektur um bis zu 20% im SMI kommen», befürchtet Martin Hüfner von Aquila. Er empfiehlt daher geübten Tradern, Gewinnmitnahmen zu realisieren und bei tieferen Kursen wieder einzusteigen. «Wer weniger mutig ist, soll dagegen die Delle aussitzen oder erst später in Aktien einsteigen», sagt der Chefökonom.

Seine Gewinne zum Teil ins Trockene zu ziehen rät auch Stefan Meyer von der UBS: «Werden insbesondere wirtschaftssensitive Aktien auf signifikante Bewertungsprämien zum Gesamtmarktdurchschnitt gehievt, sollten Gewinnmitnahmen realisiert werden.» Ansonsten empfiehlt die UBS den Aktieninvestoren eine gute Mischung aus defensiven und vernünftig bewerteten zyklischen Titeln.

«Das derzeitige Umfeld ist sehr herausfordernd für den Anleger», ist Bernd Hartmann von der VP Bank überzeugt. Wenngleich mittlerweile eine wirtschaftliche Erholung wahrscheinlicher geworden sei, rät er den Investoren zu einer vorsichtigen Strategie mit einer breiten Diversifikation in Aktien, Unternehmensanleihen und für vorsichtige Investoren gar Wandelanleihen. «Aktien mit einem Schwerpunkt auf Asien können zugekauft werden, eine Übergewichtung ist jedoch noch zu risikoreich», so Hartmann.

Am optimistischsten ist Ursina Kubli von der Bank Sarasin. Angesichts der von mehreren Indikatoren breit abgestützten Stabilisierungstendenzen in der Wirtschaft erwartet sie keine grösseren Rückgänge mehr. Da die Märkte aber nicht mehr wie im März überverkauft seien, sind die Anleger in der Selektion der Titel stärker gefordert. «Bei der Wahl der Aktien sind wieder Qualität und fundamentale Faktoren gesucht», weiss die Ökonomin.