Die Vorteile des öffentlichen Marktes liegen auf der Hand: Es herrschen strenge Regeln darüber, wer anbieten darf und wer nicht. Alle Marktteilnehmer können das gesamte Angebot, die Qualität und Preise miteinander vergleichen. Zudem ist allen Kunden alles zu den gleichen Konditionen zugänglich. Die Rolle des öffentlichen Marktplatzes für strukturierte Produkte spielt in der Schweiz die 2007 gegründete Scoach, ein Joint Venture der SIX Group und der Deutschen Börse. Scoach sorgt für eine transparente Preisstellung, einen reibungslosen und raschen Handel sowie eine neutrale Marktüberwachung.

Handel mit Gütesiegel

Bei Scoach Schweiz gehandelte strukturierte Produkte durchlaufen wie Aktien oder Anleihen ein Kotierungsverfahren. Bei der Kotierungstätigkeit hat die Börse ihren gesetzlichen Auftrag wahrzunehmen und für Transparenz sowie Gleichbehandlung aller Anleger zu sorgen. Eine Kotierung wird nur dann bewilligt, wenn Emittent und Produkt die notwendigen Anforderungen erfüllen. Insbesondere sind nur Emittenten zulässig, die einer geeigneten in- oder ausländischen Aufsichtsbehörde unterstehen und die nötigen Bewilligungen durch die Finanzmarktaufsicht (Finma) haben.

Emittenten lassen immer mehr strukturierte Produkte bei Scoach kotieren. Kriterien wie die Höhe des Emissionsvolumens, der erwartete Absatz sowie der angepeilte Inves-torenkreis entscheiden über Kotierung und Nichtkotierung. Ein liquider Markt übt eine gewisse Sogwirkung aus, das heisst, er zieht weitere Titel und Marktakteure an. Die Emittenten erschliessen sich so ohne Mehraufwand einen Distributionskanal, der weit über das eigene Haus hinausgeht. Hinzu kommen Vorteile bei der automatischen Abwicklung und die rasche Handelszulassung von nur einem Tag.

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Kenntnis des Basiswerts und der Struktur des Produktes sind die Basis jeglicher Anlageentscheidung. Die Kotierungsdokumentation der Börse bietet eine äusserst ausführliche Informationsquelle. Nicht umsonst verlangt der Gesetzgeber keine weiteren verpflichtenden Dokumente, wenn Kotierungsprospekte vorliegen.

Symboltiere der Börsen sind weltweit der Bulle und der Bär. Die Verlässlichkeit einer Börse beweist sich aber bei heftigen Marktturbulenzen, also genau in den Zeiten, in denen die Aufrechterhaltung des Handels auch unter widrigen Umständen unverzichtbar ist. Genau dies hat Scoach in der Finanzkrise unter Beweis gestellt und hat aber auch diese vom Bären diktierte Marktphase für qualitätssteigernde Massnahmen und Innovationen genutzt.

Nach dem Ausfall von Lehman Brothers rückte das Emittentenrisiko in das breite Bewusstsein der Anleger. Der Ruf nach Sicherheit und Schutz wurde laut. SIX Swiss Exchange, Scoach und der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte entwickelten in der Folge unter dem Dach von SIX Group die Pfandbesicherung. Hinterlegte Wertschriften - Collateral Secured Instruments (COSI) - dienen als Pfand, das im vertraglich geregelten Verwertungsfall, zum Beispiel bei Ausfall des Emittenten, zuguns-ten des Anlegers verwertet wird. Die Pfandbesicherung löst diverse Auflagen aus, so etwa den zwingenden Handel über Scoach.

Transparentes Market Making

Zu Jahresbeginn hat die Derivatbörse die Quotes Quality Metrics (QQM) für alle Scoach-gehandelten Produkte eingeführt. Dieses Tool misst insbesondere die Qualität des Market Makings und weist im Einzelnen folgende Kriterien mit einer Historie von zehn Tagen aus:

Durchschnittlicher täglicher Spread in Prozent der eingegebenen Quotes (Geld-/Briefkurse),

durchschnittliches tägliches Volumen (Einheiten und Geldwert) der Quotes,

tägliche Verfügbarkeit von Quotes während der offiziellen Handelszeiten, und

letzter Buy- and Sell-Quote des Tages.

Diese internetbasierte Qualitätskontrolle hat Scoach gemeinsam mit der SIX Swiss Exchange und den grössten Emittenten erarbeitet.